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作者:德- Friedrich Gerstacker 当前章节:15745 字 更新时间:2026-6-22 23:51

Gentleman John übernahm jetzt, als er sämtliche Passagiere unter sicherer Aufsicht sah, die Durchsuchung oder vielmehr die Plünderung der Überfallenen und begann dabei mit dem Siedler, dem er eine stark gefüllte Brieftasche und eine wohlgespickte Börse abnahm, ohne den Inhalt für jetzt weiter eines Blickes zu würdigen.

Nach ihm kam der Kleine an die Reihe, der sich unter winselnden Beteuerungen hoch und heilig verschwor, der ärmste Mensch unter der Sonne zu sein, und bereitwillig seine Taschen umdrehte, aus denen nur einige Schillinge und etwas Kupfergeld zur Erde fielen.

»Das ist freilich wenig«, sagte mit bedauerndem Schulterzucken sein früherer Reisegefährte, »wer aber so bereitwillig alles hergibt, was er hat, verdient auch eine Belohnung dafür. Hier, Rotkopf, zieht doch einmal dem Kutscher Schuhe und Strümpfe aus und Hosen und Kleider auch. Er mag mit dem Kleinen da tauschen.«

»Gott soll mich bewahren, daß ich dem Mann seine warmen Kleider nähme«, rief der, indem er bleich vor Schreck wurde, »bin ich doch zufrieden mit dem, was ich habe.«

»Nein, nein«, sagte Gentleman John lachend, »wir wissen besser, was sich schickt - heda, helft ihm doch bei seiner Toilette. Zum Teufel auch, Jungen, seid doch ein wenig galant und unterstützt unsere Gäste.«

Der Kleine wollte sich noch länger sträuben, aber es half ihm nichts. Ein paar der Buschranger sprangen hinzu, und während ihn einer hielt, zog ihm ein anderer Schuhe und Strümpfe aus, aus denen bald verschiedene kleine Päckchen von Banknoten zum Vorschein kamen.

Der arme Teufel schrie und tobte und verlangte Hilfe von den anderen Passagieren, aber es half ihm niemand. Jede Naht, jede Falte, jedes Stückchen Unterfutter der zerlumpten Kleider wurde unter dem Jubel der Räuber auf das sorgfältigste untersucht, und die Beute zeigte sich weit reichlicher, als selbst Gentleman John erwartet hatte. Der Kleine bekam dann die guten, warmen Sachen des Kutschers, während dieser, trotz all seines Fluchens und Schwörens, in die Lumpen des Kleinen hinein mußte.

»Nun, mein bester Mr. Warrel«, wandte sich jetzt der Buschranger an den seine Zeit in voller Gemütsruhe erwartenden Kaufmann, »haben wir beide ein kleines Geschäft miteinander, das wir hoffentlich zu beiderseitiger Zufriedenheit rasch beenden werden.«

»Ihr wünscht?« fragte dieser verbindlich, indem er mit einem kaum bemerkbaren Lächeln um die Lippen Miene machte, die Uhr aus der Tasche zu ziehen.

»Bitte, bemüht Euch nicht«, sagte Gentleman John lachend, indem er abwehrend die Hand gegen ihn ausstreckte. »Ich kenne den Wert Eurer Kleinodien zu genau, als daß ich Euch ihrer berauben würde. Auch das wenige Geld, was Ihr bei Euch habt, werdet Ihr zur Fortsetzung Eurer Reise notwendig brauchen. Dafür erlaubt mir aber, Euch einen Wechsel auf fünfhundert Pfund Sterling vorzulegen, den ich Euch bitten werde zu unterzeichnen. Daß er seinen Bestimmungsort erreicht, ehe Ihr selbst imstande seid, dorthin Gegenbefehl zu schicken, mag dann meine Sorge sein.«

Mr. Warrel biß sich auf die Lippen, aber er wußte auch recht gut, daß er gezwungen war zu gehorchen, und erwiderte trocken:

»Es bleibt mir nichts übrig, als Euch zu danken, daß Ihr nicht ebenso viele Tausende verlangt, und ich freue mich, so wohlfeilen Kaufes davonzukommen. Wahrscheinlich habt Ihr doch den Wechsel bei der Hand.«

»Jedenfalls finden wir einen unausgefüllten in Euerm Taschenbuch«, sagte Gentleman John, in derlei Geschäften viel zu erfahren, irgendeinen Mißgriff zu machen, »und an derselben Stelle auch vielleicht Eure Unterschrift zum Vergleich. Dürfte ich Euch darum ersuchen?«

»Mein Taschenbuch?«

»Fürchtet nicht, daß ich Euch Eurer Papiere berauben werde, sagte der Mann, »sie hätten für mich nicht den geringsten Wert. Wenn nicht doch vielleicht geheim gehaltene Banknoten -«

»Überzeugt Euch selbst«, sagte der Kaufmann, indem er dem Räuber seine Brieftasche überreichte. Dieser blätterte das Buch flüchtig durch und nahm, als er wirklich kein Geld darin fand, nur einen unausgefüllten Wechsel heraus. Aus der eigenen Tasche brachte er dann ein Tintenfaß und eine Feder zum Vorschein, benutzte ohne weitere Umstände den Hut des Kutschers als Tisch und füllte mit fester und geübter Hand den Wechsel aus.

»So«, sagte er dann, Mr. Warrel die Feder überreichend und ihm den Hut etwas näher schiebend, »wenn ich Euch jetzt um Eure Unterschrift ersuchen dürfte.«

Der Kaufmann nahm die Feder; als er aber vorher einen flüchtigen Blick über das Geschriebene warf, sah er rasch zu dem Buschranger auf und sagte:

»Ihr verlangtet nur fünfhundert Pfund, hier stehen aber sechs!«

»Ich glaubte«, erwiderte Gentleman John ruhig, »daß es Euch in dieser Weise am bequemsten wäre, zugleich die verlorene Wette zu bezahlen.«

»Ach so«, sagte Mr. Warrel lachend, Ihr habt recht; an die Wette dachte ich gar nicht mehr. Genügt Euch das?«

John nahm den ihm dargereichten Wechsel, dessen Unterschrift er genau prüfte und mit einer in dem Taschenbuch gefundenen verglich, faltete das Papier dann zusammen, schob es in die Tasche und sagte: »Ich danke Euch, Mr. Warrel, und hoffe, daß wir später noch bessere Geschäfte miteinander machen mögen.«

»Nun, ich weiß doch nicht, ob ich der Hoffnung gerade beistimmen soll«, meinte der Kaufmann; »aber dürfen wir jetzt unseren Weg fortsetzen? Ich glaube nicht, daß sonst noch etwas -«

»Nur noch einen Augenblick«, unterbrach ihn Gentleman John, »bis ich die Briefbeutel revidiert habe. Gebt mir einmal den Schlüssel zum Kasten, Bill - ja so, der steckt wohl in den Kleidern, die jetzt dem Kleinen gehören. Dürfte ich Euch wohl einmal darum bitten, verehrter Herr?«

Der Schlüssel fand sich übrigens nicht, wenigstens nicht so rasch, wie es der Buschranger wünschte, und der Kasten wurde deshalb ohne weiteres erbrochen, der lederne Briefbeutel aufgeschnitten, und Gentleman John war wohl eine Stunde lang emsig beschäftigt, die verschiedenen Briefe und Pakete zu öffnen und nach Geld zu durchsuchen.

Diese Ernte fiel über Erwarten günstig aus. Als Gentleman John alles hatte, was er wünschte, stopfte er die mißhandelten Briefe wieder ziemlich rücksichtslos in den zerschnittenen Beutel zurück, hing sich die Doppelflinte des Siedlers mit dessen Pulverhorn und Kugeltasche um und sagte:

»Nun, Bill, habe ich nichts dagegen, wenn du versuchst, so rasch wie möglich die nächste Station zu erreichen. Es wird sich freilich nicht sehr bequem in den nassen Wegen gehen.«

»Aber die Pferde, Sir!«

»Tut mir leid, Mate, die brauche ich selbst viel zu notwendig«, lautete die Antwort des Buschrangers, »als daß ich ein so treffliches Paar verschenken könnte. Ihr müßt Euch bis auf die nächste Station schon so behelfen.«

»Wir sollen laufen?« rief Mr. Warrel erschrocken.

»Tut mir wirklich leid, Euch die Unbequemlichkeit für die kurze Strecke zu machen«, sagte John, »aber es läßt sich nicht ändern. Ihr werdet auch wahrscheinlich auf der nächsten Station etwas länger als gewöhnlich auf die Pferde warten müssen, da ich sie ebenfalls für meine Leute brauche. - So lebt denn wohl, meine Herrschaften, mein Freund hier, unser Siedler, wird die Güte haben, uns noch eine Strecke zu begleiten und unser Gepäck zu tragen - kein Wort der Widerrede, Sir, es wird für Euch das nächstemal eine Warnung sein, sich mit höchst unnötigen und gefährlichen Schußwaffen zu versehen. Und Ihr, Bill, ich hoffe, Ihr denkt billig genug, den Kleinen nicht zu einem abermaligen Tausch zu zwingen.«

»Ich will verdammt sein -«

»Schon gut - daran zweifle ich nicht im mindesten. Aber bald hätte ich noch etwas vergessen. Mr. Warrel, ich habe noch eine Bitte an Euch!«

»An mich, Sir?«

»Mein Hut ist vom letzten Regen so sehr mitgenommen, während sich der Eurige, von gutem Filz, vortrefflich gehalten hat. Dürfte ich Euch bitten, mit mir zu tauschen?«

»Mit Vergnügen, Sir, und er soll mir stets ein teures Andenken bleiben.«

»Ihr seid gar zu gütig«, sagte Gentleman John lächelnd, seinen Hut dem Kaufmann überreichend, während er selbst dessen weit besseren entgegennahm.

Einer von Johns Leuten machte diesen jetzt auf die schwere goldene Kette aufmerksam, die Mr. Warrel noch immer trug. Ein paar Worte des Führers beruhigten den Burschen aber völlig. Die Pferde wurden dann an den Busch geführt, und dem Siedler, der mit störrischem Gleichmut alles über sich ergehen ließ, sein eigener wie der Reisesack des Mr. Warrel aufgeladen, mit dem er den Räubern in den Busch folgen mußte. Der schweigsame Passagier wurde gar nicht belästigt.

Wenige Minuten später waren alle hinter den grauen Gumbüschen verschwunden, und Bill blieb mit dem Rest seiner Passagiere neben dem unbespannten und ausgeplünderten Postkarren mitten auf der Straße zurück.

Allerdings ließ er einen Teil seines Grimmes an dem unglücklichen Kleinen aus, den er, trotz der Mahnungen des Gentleman John, ohne weiteres zwang, ihm seine eigenen Kleider herauszugeben. Ihre Lage wurde aber dadurch um nichts gebessert, und sie sahen sich endlich alle gezwungen, Bill, der den zerschnittenen Briefsack auf den Rücken nahm, zu Fuß zu der nächsten, etwa noch zehn englische Meilen entfernten Station zu folgen.

Hier mußten sie einen ganzen Tag verbleiben, um erst von weiterher andere Pferde zu bekommen, denn Gentleman John hatte die Wahrheit gesprochen, als er Mr. Warrel versicherte, daß die dorthin gehörenden Pferde von seinen eigenen Leuten weggetrieben seien, und erst am vierten Tag erreichten sie in einem höchst traurigen Zustande die Hauptstadt Süd-Australiens - Adelaide.

Diese so übermütige Beraubung der Post wie die Wegführung eines der Passagiere, der sich später freilich, von Dornen zerfetzt und von den erlittenen Anstrengungen zu Tode ermattet, wieder einfand, machte in Adelaide nicht geringes Aufsehen.

Die Frechheit der Räuber war doch zu groß gewesen, als daß man sie diesmal ungestraft hingehen lassen wollte. Die ganze südaustralische Polizei, über die im Augenblick verfügt werden konnte, wurde deshalb aufgeboten, die Buschranger aufzuspüren und auf eine oder die andere Art unschädlich zu machen. Auf den Kopf des Anführers, des berüchtigten Gentleman John, war überdies eine Prämie von hundert Pfund Sterling gesetzt, und dem, der ihn lebendig einbringen würde, sogar eine Belohnung von zweihundert Pfund zugesichert worden.

Gentleman John hatte indessen seine Zeit vortrefflich genutzt, nicht allein seine Wechsel und Papiere in Adelaide, ehe der Raub bekannt wurde, zu verwerten, sondern auch die andere reiche Beute in Sicherheit zu bringen. Überall dort genau bekannt, wie auch mit den einzelnen in jener Gegend heimischen Stämmen der Australier befreundet, benutzte er diese zu Spionen, und was er ihnen dafür an wollenen Decken und Lebensmitteln gab, machte sie zu seinen willfährigen und in dem öden, wasserarmen Busch oft höchst nützlichen und brauchbaren Dienern.

Er hatte sich sogar eine der Frauen des Stammes genommen und alle dabei gebräuchlichen Zeremonien durchgemacht wie auch den Eltern des Mädchens ein reiches und übliches Kaufgeld gegeben. Dadurch fühlte sich der Stamm besonders geehrt, und Gentleman John war ihnen schon deshalb lieb geworden, weil die übrigen Weißen ihnen nur Schaden zufügten und sie von einem Platz zum andern trieben, während er ihr Freund zu sein schien. Sahen sie doch in ihm einen Leidensgefährten, der wie sie verfolgt wurde, dessen wohlbewaffnete Schar sie aber gegen weitere Übergriffe ihrer Feinde schützen und bewahren konnte.

Und Gentleman John selbst? - Der benutzte, in wildem und unbegrenztem Übermut, jede Hilfe, die sich ihm bot, kam sie von welcher Seite auch immer, jeden günstigen Augenblick, den er erhaschen konnte. Jedenfalls in seiner Jugend zu Besserem erzogen, lag, Verführter oder Verführer, ein dunkles Leben hinter ihm, und mit der neugewonnenen Freiheit schien er entschlossen, diese zu genießen, allen menschlichen Gesetzen zu Trotz und Hohn.

Rücksichtslos dabei alles unter die Füße tretend, was nicht seinem Zweck diente, wußte er sich bei der Bande, die sich ihm angeschlossen hatte, leicht in Respekt, bei der ganzen Umgegend aber in Furcht zu setzen, und er hatte schon manchen gegen ihn unternommenen Angriff vor der Ausführung vereitelt oder mit seiner wohlbewaffneten und sogar nicht einmal schlecht disziplinierten Schar zurückgeschlagen, und wenig kümmerte er sich jetzt um die Folgen seines frechen Streiches.

Von allen Seiten her aber von vortrefflichen Spionen bedient, konnte es ihm auch nicht lange verborgen bleiben, daß sich diesmal doch ein schwereres Unwetter als gewöhnlich über seinem Haupte zusammenzog. Von allen Richtungen kamen die Boten, die ihm Kunde brachten, daß in den verschiedensten Distrikten bewaffnete Mannschaft aufgeboten und ein Schlag vorbereitet würde, der ihn und seine zu gefährlich gewordene Bande mit einemmal vernichten sollte. Auch der auf sein Einbringen gesetzte Preis von zweihundert Pfund Sterling - der dem Verräter, wenn er ein entflohener Sträfling sei, außerdem volle Straffreiheit zusicherte - machte seine Stellung mehr und mehr gefährlich, denn daß er nicht auf die Treue von allen seinen Leuten zählen durfte, wußte er recht gut. Einige waren in der Tat unter ihnen, die ihn nicht ungern verraten hätten, wenn sie nur ihr eigenes Leben nicht zu sehr dabei gefährdet wußten.

Solchem Zustand mußte er ein Ende machen. Außerdem hatte er dies trostlose Leben, die stete Gefahr, das rastlose Umherstreifen in dem öden Wald, recht von Herzen satt und schon den Plan entworfen, Australien so bald wie möglich zu verlassen.

An einer Biegung des Murray hatten sie für den Augenblick ihr Lager aufgeschlagen, und die rings umher aufgeschichteten und mit Rindenstücken gegen das Wetter geschützten Vorräte schienen auf die Absicht eines längeren Aufenthalts zu deuten. Unfern davon aber und im Schilf versteckt lag ein tüchtiges Fischerboot, von denen einige den Viktoria-See befuhren, und unterderhand hatte der Buschranger bis jetzt von seinen Leuten mehrere kleine Fässer mit Wasser füllen und einigen Proviant an Bord schaffen lassen.

Allerdings drohte ihnen bei einem Fluchtversuch in die offene See noch eine keineswegs unbedeutende Gefahr, denn an der Mündung des Viktoria-Sees in die Encounter-Bay wälzt sich eine so furchtbare Brandung dem kühnen Schiffer entgegen, daß die Durchfahrt durch diesen schmalen Meeresarm schon von vielen Seeleuten als ganz unmöglich geschildert wurde. Gefahr aber, ob sie ihm von Menschen oder den Elementen drohte, konnte den verwegenen Räuber nicht schrecken. Durch diese Brandung führte die Bahn zur Freiheit, und durch sie hin war er entschlossen, seinen Weg zu suchen.

Die Einschiffung selbst sollte auch schon am nächsten Morgen stattfinden, und nur den Australiern hatte er bis jetzt noch den eigentlichen Zweck dieser Flucht verheimlicht, da sich diese wahrscheinlich widersetzt oder ihn gar im entscheidenden Augenblick verraten hätten. Ließ er sie doch schutzlos der Rache der Weißen allein zurück.

Der Morgen dämmerte eben. Auf die höchsten Wipfel der hier in der Niederung zu riesiger Höhe gewachsenen Gumbäume lag der erste Schimmer des anbrechenden Tages und färbte das mattgraue Laub der holzigen Blätter mit einem eigenen fast zauberhaften Duft. Zugleich stand noch der Mond in voller Scheibe am Himmel und warf sein fahles Licht durch die nur spärlich belaubten Wipfel auf die niederen Rindendächer und halb verglommenen Feuer, um die sich wunderliche Gruppen fest in ihre Decken eingehüllter menschlicher Gestalten und ganze Scharen halbverhungerter Hunde gelagert hatten.

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