饭饭TXT > 海外名作 > 《Alle jagen John Mulligan》作者:[德] Friedrich Gerstacker【完结】 > Alle jagen John Mulligan - Friedrich Gerstacker.txt

第 17 页

作者:德- Friedrich Gerstacker 当前章节:15611 字 更新时间:2026-6-22 23:51

Diesem Plane nach passierten sie noch zwei Stationen, ohne weitere Erkundigungen über die Flüchtigen einzuziehen, als sie sich durch eigenes Anschauen verschaffen konnten. Das wußten sie außerdem, daß der Räuber mit der Frau und dem Kinde nie in das Innere der Insel dringen konnte, wo die Känguruh-Distel ein Fortkommen oft unmöglich machte. Lag ihm daran, Kap Borda zu erreichen, so würde das sehr wahrscheinlich zu Wasser geschehen, oder der kleine Zug wäre genötigt, sich auf dem am Strand entlangziehenden Weg zu halten. Auf diesem hatten sie aber bis jetzt noch keine Spuren finden können.

So kamen sie bis Kap Trony, unfern des Mount Torrens. Sie hatten die Nacht wieder, wie sie gewöhnlich taten, im Busch geschlafen und hielten hier nur an, ihren Pferden ein ordentliches Futter geben zu lassen.

Tolmer hatte zwar den Strand abgesucht, ob sie kein Boot irgendwo vor Anker sähen. Sie konnten aber nirgends etwas Ähnliches entdecken und galoppierten eben der nicht mehr fernen Häusergruppe zu, als Tolmer plötzlich Rodwells Arm ergriff und schweigend auf einen dicht am Weg liegenden Gegenstand deutete. - Es waren die Scherben einer Glasflasche, die Milch enthalten hatte, und Rodwell faßte krampfhaft die Zügel seines Tieres und riß es zurück, daß es in sein Gebiß schäumte und knirschend in die Höhe stieg. - Es waren die ersten Spuren, die sie gefunden hatten.

»Jetzt sind wir auf der Fährte«, rief Tolmer, »hier ist der Abdruck von unseres Wildes Schuhen - nein, das muß der Bursche gewesen sein, den sie mit in das Boot genommen haben. Gentleman John hat ihn nach Milch auf die Station gesandt, während die beiden unten im Boot blieben, und der ungeschickte Bursche hat die Flasche zerbrochen. Unser Kapitän Howitt wurde sie nie so leichtsinnig dicht am Pfade haben liegenlassen.«

»Glaubt Ihr, daß wir sie im Hause finden?« fragte Rodwell, und er brachte die Worte kaum über die Lippen.

»Hier? - Gott bewahre«, erwiderte Tolmer. »Sie sind im Boot weitergefahren, und es ist sehr die Frage, ob die auf der Station mehr von ihnen wissen als wir. Jedenfalls müssen wir sehen, was wir von den Leuten herausbekommen, und haben wenigstens die Überzeugung, daß sich das Kind noch wohl und bei gutem Appetit befindet.«

»Gott sei gedankt!« stöhnte Rodwell aus tiefer Brust, und der Seufzer sprach nur zu deutlich die Angst um das kleine, unglückselige Wesen aus, der er weiter keine Worte zu geben wagte.

Was die Spuren betraf, so hatte Tolmer übrigens recht. Nur die Fährten des einen Buschschuhes, die vom Wasser zur Station und wieder genau nach derselben Stelle zurückführten, waren dort zu erkennen, und davon erst einmal überzeugt, sprengten die beiden Reiter rasch den Stationsgebäuden zu.

Ihre Vermutung wurde hier zur Gewißheit. Am gestrigen Morgen hatte ein Mann, der zu einem draußen am Strand auf ihn wartenden Boot gehörte, eine Flasche Milch, eine Flasche Rum und zwei Damper sowie etwas Salz geholt. Der Mann habe vorgegeben, die Milch sei für eine kranke Frau, die sie im Boot hätten, und das bestätigte einer der Viehhalter, dem sie später, ein Kind auf dem Arme tragend, nicht weit vom Torrens-Berg begegnet sei. Sie wurde außer von dem Burschen, der die Milch geholt hatte und jetzt das Gepäck trug, noch von einem fremden Herrn begleitet, den er nicht kannte.

Die beiden Reiter hielten sich nicht länger auf, als nötig war, ihren Pferden einige Ruhe zu gönnen. Dann sattelten sie wieder, derselben Richtung wie bisher zu folgen. Daß sie die richtige Fährte hielten, war überdies gewiß, und Tolmer fand auch bald den Grund, weshalb die Flüchtigen das Boot verlassen und den weit beschwerlicheren Landweg gewählt hatten. Der Wind, der die letzten Tage ziemlich stet von Nordnordost geblasen hatte, war nämlich nach Südwesten umgesprungen. Auch sah das Wetter seit gestern morgen schon so bedrohlich aus, daß jene nicht wagen durften, sich in ihrem schwanken Fahrzeug weit vom Ufer zu entfernen. Jedenfalls lag das Boot irgendwo in einer Bucht versteckt, und wenn sich Gentleman John nicht Pferde zu verschaffen wußte, mußten sie die Flüchtigen vielleicht schon am nächsten Morgen überholen.

Zu Wasser hatten diese übrigens so raschen Fortschritt gemacht, daß sie ihnen noch immer einen Tagesmarsch voraus waren. Jetzt aber blieb den Verfolgern auch dafür die Hoffnung, sie um so rascher einzuholen.

An demselben Abend erreichten sie die Station eines alten Bekannten von Rodwell, den dieser wenigstens auf seinen verschiedenen Fahrten durch die Insel schon manchmal besucht hatte. Hier war Gentleman John mit der Frau, die der Stationsbesitzer für Gentleman Johns Frau gehalten hatte, über Nacht geblieben und mit dem frühesten gegen den Mount Torrens aufgebrochen. Das Kind hatte viel die Nacht geschrien, und die Dame vom Haus behauptete, die arme Frau habe viel geweint, weil sie sich wahrscheinlich um das Kind gegrämt.

Rodwell, obgleich er sein Geheimnis nicht verriet, war in furchtbarer Aufregung, und Tolmer beiseite nehmend, bestand er darauf, hier keine Rast zu machen, sondern an demselben Abend trotz einbrechender Dunkelheit noch weiterzureisen. Die Straße bis zum Torrens-Berg, an dessen Fuß eine andere Station lag, war recht gut, der Mond stand ebenfalls am Himmel, und sie konnten dadurch, ohne ihren Pferden zuviel zuzumuten, einen weiteren Vorsprung gewinnen. Tolmer war natürlich damit einverstanden, und nach einem rasch eingenommenen Mahl brachen die beiden Reiter, zum großen Erstaunen ihres Wirtes, wieder auf.

Zwei Stunden scharfen Rittes brachten sie in Sicht des nächsten Hauses, dessen Licht ihnen schon von weitem durch die hier ziemlich dünn stehenden Büsche entgegenschimmerte - wenigstens konnten sie im Freien einen hellen Feuerschein erkennen. Näher gekommen, entdeckten sie aber bald, daß der Schein nicht aus einem Gebäude kam, sondern von einer Fackel herrührte, um die unter einigen Gumbäumen drei oder vier Männer geschart standen.

Tolmer zügelte zunächst nur sein Pferd, denn möglich war es ja doch, daß sie, anstatt die Station zu erreichen, gar einem Trupp von Buschrangern in die Hände fielen. Kap Borda war von hier gar nicht mehr so weit entfernt, und Gentleman John war viel zu umsichtig, seine Leute nicht gerade dort, sondern weit eher in der Nähe versteckt zu halten. Das Geläut lagernder Herden aber in der Nähe und das Gebell von Hunden verriet doch auch wieder einen von weißen Ansiedlern bewohnten Platz, und deutlich konnten sie jetzt zwischen den um die Fackel versammelten Männern auch einen etwa zwölfjährigen Knaben erkennen. Das waren keine Buschranger.

Nach ein paar flüchtig miteinander gewechselten Worten sprengten sie weiter, nachdem auch einige Opossums suchende Hunde Wind von ihnen bekommen hatten und laut bellend gegen sie ansprangen. Wenige Minuten später hielten sie neben der kleinen, von dem flackernden Lichte der Fackel grell beleuchteten Gruppe, die neugierig zu dem späten Besuch aufschauten.

»Guten Abend, ihr Herren«, sagte da Tolmer, sich an den ältesten der Leute wendend, »könnt ihr uns Nachtquartier für heute und vielleicht einen Hut voll Hafer für unsere Pferde geben? Sie haben einen langen Tagesmarsch gemacht und bedürfen der Stärkung.«

»Jawohl, Fremder - gern«, lautete die gastliche Antwort. »Steigt nur ab und nehmt eure Pferde am Zügel, denn von hier bis zum Haus stehen eine Menge kurz abgehauener Baumstümpfe.«

»Was habt Ihr da gemacht?« fragte Rodwell, der kein Auge von der Gruppe gewandt hatte, mit heiserer, angstbeklommener Stimme. - »Ihr habt -«

»Ein Grab gegraben für ein armes Kind!« sagte der alte Mann mit ernstem, wehmütigem Ton.

»Euer Kind?« fragte Rodwell, und das Licht der Fackel begann vor seinen Augen zu tanzen und wilde, wirre Kreise zu ziehen.

»Meines? - Nein, Gott sei gedankt, daß er mir bis jetzt solchen Schmerz erspart hat. - Es war das Kind einer armen Frau, die es tot auf ihrem Arm zu unserem Haus trug, es wenigstens in der Nähe von Christen begraben zu lassen.«

Rodwell glitt aus seinem Sattel, ließ den Zügel seines Pferdes frei und taumelte mehr als er ging dem frischen, kleinen Grabe zu, über das die freundliche Hand der Fremden eben erst den niederen Hügel gewölbt.

»Eine fremde Frau?« rief Tolmer rasch und erschrocken, während sein mitleidiger Blick den armen Vater streifte.

»Sie kam mit ihrem Mann und einem Träger von Osten her«, erwiderte der alte Mann. »Ihre Pferde waren ihnen im Busch abhanden gekommen, wie sie sagten, und der Mann wollte die Frau nur nach Kap Borda bringen und dann zurückkehren, sie zu suchen.«

»Sein Name war -?«

»Lieber Gott, wir fragen die Leute, die zu uns kommen, nicht nach ihrem Namen: Aber ich dächte, ich hätte den Mann schon vor einigen Wochen einmal am Kap Borda gesehen. Ich glaube, sie nannten ihn dort Howitt!«

Rodwell hörte nichts mehr - vor den Augen flimmerte es ihm, seine Knie zitterten, und er brach zusammen, und mit dem Schmerzensschrei: »Mein Kind - mein armes, armes Kind!« sank er schluchzend am Grabe nieder. - Die Männer waren erstaunte Zeugen dieses ganz unerwarteten Ausbruchs wilden, verzweifelten Schmerzes. Sein Kind, das fremde Leute hier begraben hatten? - Dann der späte Ritt in dunkler Nacht - das sonderbare Benehmen jener Frau - dazu daß hier nicht alles war, wie es sein sollte, unterlag wohl keinem Zweifel. Die Bewohner Australiens sind jedoch an solche außergewöhnlichen Familienszenen zu sehr gewöhnt, als daß sie noch einer jeden nachforschen würden. Selbst das Geheimnisvolle der Abstammung von mehr als drei Viertel der damaligen Einwohner trug viel dazu bei, ein verschlossenes Wesen bei vielen zu entschuldigen und vor unbequemen Fragen zu bewahren. Schweigend blickten deshalb die Männer auf den Unglücklichen nieder, der das Grab seines Kindes mit seinen Tränen netzte. Tolmer dagegen, der sein Pferd am Zügel genommen hatte, faßte des Alten Arm und ließ sich von diesem, während er mit ihm langsam dem Hause zuschritt, die ihnen vorausgeeilten Fremden näher bezeichnen.

Bald blieb ihm auch nicht der geringste Zweifel mehr, daß es wirklich jener sogenannte Kapitän Howitt mit der unglückseligen, verblendeten Frau seines armen Reisegefährten gewesen war. Der Mann war, des Alten Aussage nach, sehr geeilt und hatte die Station gleich wieder verlassen wollen, sobald nur das arme kleine Ding, das ihnen am Wege gestorben, eben unter die Erde gebracht worden war. Die Frau aber hatte sich geweigert, ihm so rasch zu folgen, und er hatte sie wohl nicht allein zurücklassen mögen; denn er war mit ihr bis fast gegen Abend hier geblieben.

Was dem Kinde gefehlt haben konnte, wußte niemand. Wie es ihnen vorgekommen war, hatte die Frau dem Mann, ehe sie fortgingen, Vorwürfe gemacht, er aber nur finster darauf geantwortet. Dann waren sie in dem Dickicht, das die Station umschloß, verschwunden.

Tolmer trachtete danach, das Gespräch auf verstreut im Busch wohnende Leute zu bringen. Er suche, wie er vorgab, Arbeiter und habe gehofft, die hier in der Gegend zu finden. Indessen hatten sich aber noch einige der anderen Männer, Schäfer und Hüttenwächter von der Station, ihnen angeschlossen, und der Alte gab ihm nur ausweichende Antworten auf alle seine dahinzielenden Fragen.

Nur mit vieler Mühe konnte Rodwell bewogen werden, das Grab seines Kindes zu verlassen und die Nacht in der Hütte zu verbringen. Nahrung nahm er gar keine zu sich, und am nächsten Morgen war er schon wieder mit Tagesanbruch an dem teuren Platz.

Auch Tolmer rüstete sich zu frühem Aufbruch; Rodwell weigerte sich aber, weiter mit ihm zu gehen.

»Jenny«, sagte er resignierend, »hat mir den Frieden meiner Heimat zerstört - hat mir mein Kind gemordet, das die Beschwerden dieser Flucht nicht ertragen konnte. Sie hat sich dadurch von mir losgesagt. - Was sie an mir getan hat, vergeb ich ihr ja gern, aber daß sie unser - daß sie ihr eigen Kind so wenig lieben konnte - das - das mag ihr Gott vergeben - ich bin nur ein schwacher, sündhafter Mensch - ich kann es nicht.«

Als ihn Tolmer fragte, was er jetzt zu tun gedenke, erklärte er ihm, daß er die Leiche seines Kindes ausgraben und damit nach Hause zurückkehren wolle. Alle Vorstellungen, die ihm Tolmer deshalb machte, blieben umsonst. Er beharrte fest auf seinem Vorsatz, bat aber Tolmer, das Pferd, das er von Point Marsden mitgenommen hatte, so lange zu benutzen, wie er wolle, und es ihm später zurückzuschicken.

Tolmer dagegen, jetzt allein auf die Verfolgung angewiesen, bis er sich wieder mit seinen Leuten vereinigen konnte, beschloß, seinen Weg zu Fuß fortzusetzen. Die Entfernung bis Kap Borda war überdies nicht mehr so groß, während das ganze Benehmen des alten Siedlers fast vermuten ließ, daß er in der Tat hier eine keineswegs willkommene, sondern gefürchtete Nachbarschaft habe.

Tolmer nahm von Rodwell herzlichen Abschied und versprach ihm, von dem Erfolg seines Unternehmens Nachricht zu geben. Nun erst, als er sich nach dem nächsten Weg nach Kap Borda erkundigte, den, wie er meinte, auch jener Kapitän Howitt eingeschlagen hatte, erbot sich der alte Siedler, ihn eine kleine Strecke zu begleiten und ihm einen Pfad zu zeigen, dem er leicht dahin folgen könne.

»Von allem, was ich von Euch gesehen, Fremder«, redete er ihn da an, als sie das Haus eine Strecke im Rücken hatten, »glaub ich, daß ich Euch vertrauen darf. Ihr gehört keinesfalls zu jenen ›Herren im Busch‹, die hier seit einiger Zeit ihr Wesen treiben.«

»Also doch«, sagte Tolmer lächelnd, »ich hab es mir fast gedacht. Ihr habt übrigens nichts von mir zu fürchten, denn nur der Wunsch, die nähere Bekanntschaft dieser ›Herren‹ zu machen, hat mich hierher geführt.«

»Nehmt Euch dann in acht«, warnte ihn der Alte, »sie sind zahlreicher, als Ihr vielleicht glaubt, wenn sie sich auch bis jetzt, Gott weiß aus welchem Grunde, ruhiger und friedlicher verhalten haben, als das sonst gewöhnlich ihre Sitte sein mag. Wir Stationshalter, die wir hier einzeln im Busch leben, sind ihnen auf Gnade oder Ungnade preisgegeben und müssen sie uns wohl zu Freunden halten. Merken sie einmal, daß wir sie verraten oder gar der Polizei gegen sie beistehen, dann können wir uns darauf verlassen, daß wir dafür büßen müssen.«

»Aber wovon leben sie hier im Busch?« fragte Tolmer.

»Von dem«, sagte der Alte schulterzuckend, »was sie sich auf Rechnung holen. Zahlen tun sie dabei mit dem stillschweigenden Versprechen, uns dafür unsere Stationen nicht anzuzünden, unsere Herden nicht zu zerstreuen oder uns gar abends beim Tee mit ihren Schrotgewehren nicht in die Fenster hineinzuschießen. Es ist jedenfalls eine unbequeme Nachbarschaft, und wenn man den Gouverneur unterderhand nur davon benachrichtigen könnte, daß er eine hinreichende Macht herüberschickte, ließe sich vielleicht mit Erfolg ein Schlag gegen die ganze Bande führen.«

»Und würdet Ihr Herren hier die Polizei dabei unterstützen?« fragte Tolmer.

»Das ist eine kitzlige Sache«, meinte der Alte. »Auf unsere Leute können wir uns natürlich nicht verlassen; ja, wir wissen kaum, ob sie nicht mit der Bande in weit näherer Verbindung stehen, als uns lieb ist. Treten wir also offen auf die Seite der Polizei, und richtet diese, was sehr gewöhnlich der Fall ist, nichts weiter aus, als daß sie ein paar von diesen Burschen wegfängt oder totschießt und fährt dann wieder ruhig nach dem Festland zurück, dann sitzen wir nachher erst recht im Unglück und können uns darauf verlassen, die zu sein, an denen die gereizten Verbrecher ihren ganzen Grimm und Unmut auslassen.

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页