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作者:德- Friedrich Gerstacker 当前章节:15507 字 更新时间:2026-6-22 23:51

»Möglich«, sagte der andere, »setzt Euer Gewehr hin.«

»Habt Ihr schon gehört, wie man ein Opossum lockt?« fragte Tolmer jetzt. - Er war totenbleich geworden, denn er wußte, daß der nächste Augenblick entscheiden mußte.

»Ein Opossum? - Was zum Donnerwetter hat denn nur der schwarze Bursche? Etwas muß im Winde sein.« Und unwillkürlich machte er einen Schritt auf die Gewehre zu, während der Australier seine Lanze aufgriff und scheu und vorsichtig vom Feuer zurückglitt.

»Ich will's euch zeigen, Mate«, sagte Tolmer, und in dem Moment gellte ein schriller Pfiff durch den Wald.

»Verrat!« schrie der Buschranger und sprang zu den Gewehren.

»Wer sich bewegt, ist eine Leiche!« rief Tolmer mit Donnerstimme, die eigene Waffe an die Backe reißend, und von allen Seiten sprangen die Seinen auch schon herbei, während die Buschranger, förmlich überrumpelt, im ersten Schrecken nicht wußten, ob sie fliehen oder sich verteidigen sollten.

Tolmer, um soviel unnötiges Blutvergießen wie möglich zu vermeiden, schoß nicht, und nur als der Anführer der Schar an ihm vorbei wollte, um seine Waffe zu greifen, hielt er ihm sein Bein vor, und der Buschranger stürzte wie im Fluge nach vorn, alle vier Gewehre mit sich zu Boden reißend. Im nächsten Augenblick saß ihm aber schon Borris auf dem Nacken, und während diesen der Matrose unterstützte, den wütend um sich Schlagenden zu binden und unschädlich zu machen, fanden sich die anderen drei von Bewaffneten umstellt, die ihnen jede Flucht abschnitten. - Was auch hätten sie im Busch ohne Gewehre anfangen wollen?

Der Australier war gleich bei dem ersten Anprall der Polizei - vielleicht auch schon vorher - spurlos im Busch verschwunden.

Zehn Minuten später steckten die Buschranger in Handschellen. Es war aber zu gewagt, sie in dunkler Nacht durch den Busch zu transportieren, wo doch einer oder der andere Gelegenheit gefunden hätte zu entkommen. Tolmer beschloß also, die Nacht dort mit aufgestellten Wachen im Lager zu bleiben und die Gefangenen erst am nächsten Morgen hinüber zum Schoner zu transportieren.

»Jetzt weiß ich auch, Mate, wo ich Euer blutiges Gesicht schon einmal gesehen habe«, zischte der alte Buschranger durch die zusammengebissenen Zähne, als er eine Stunde später neben seinen Kameraden und unter einer Aufsicht, die jeder Flucht spottete, am Feuer lag.

»Denk's auch, Tomlins«, sagte Tolmer lachend, »ich hatte aber gleich von Anfang an ein besseres Gedächtnis. Weil ich jetzt keinen Bart trage, seid Ihr irr geworden.«

»Hol Euch der Teufel«, brummte der Gefangene und warf sich auf die andere Seite.

Mit Tagesanbruch war die kleine Truppe marschfertig und erreichte etwa dreieinhalb Stunden später den Schoner, in dem die Gefangenen einquartiert wurden. Tolmer aber, jetzt fest entschlossen, sein Äußerstes zu versuchen, auch den noch flüchtigen Mulligan wieder einzubringen, wollte sich doch nicht der Gefahr aussetzen, daß bei einem längeren Aufenthalt auf der Insel die bisher gemachten Gefangenen vielleicht Gelegenheit fanden, ihre Freiheit wiederzuerlangen.

Derartige Menschen, die nichts zu verlieren und alles zu gewinnen haben, hatten sich schon aus schwierigeren Lagen befreit, und er befahl dem Schoner deshalb, mit zwei von seinen Leuten als Wache an Bord, ohne weiteres wieder unter Segel zu gehen und diese kostbare Ladung erst einmal an das County-Gefängnis abzuliefern. Dann sollte er ohne Zögern wieder umkehren, sie selber abholen oder vor Anker bleiben, bis sie an Bord kämen.

Tolmer behielt, nachdem er zwei von seinen Leuten der Schonermannschaft beigegeben, mit Borris noch sieben Mann und den Matrosen. Der Seemann hatte sich freilich auf dem Schoner mit einschiffen wollen, Tolmer war aber viel zu vorsichtig, das zuzugeben, denn er wußte nicht, ob er vielleicht mit einem oder dem anderen der Gefangenen schon früher Bekanntschaft gemacht hätte, und wollte sich nicht leichtsinnig einen Helfershelfer für die Schar in das Fahrzeug setzen. Er versprach ihm aber freie Passage nach Adelaide, wenn er sie dahin begleiten wolle.

Nun galt es vor allen Dingen, den jetzigen Aufenthaltsort John Mulligans herauszubekommen, und das schien viel schwerer, als es Tolmer erwartet hatte.

Mulligan war mit allen Schleichwegen der Insel genau bekannt, und Lindsay, an den er sich wieder wandte, versicherte ihm von vornherein, daß es ein verzweifeltes und völlig nutzloses Unternehmen sei, dem kecken und verwegenen Burschen auf diese Weise nachzustellen. Er schien es dabei nicht einmal gern zu sehen, daß ihn Tolmer auf seiner Station besuchte, denn wie leicht konnte Mulligan das durch irgendeinen seiner Leute erfahren und dann, in dem Glauben, der Stationshalter stecke mit der Polizei unter einer Decke, Rache an ihm nehmen.

Tolmer sah bald, daß mit dem Manne nichts anzufangen war, und doch gewöhnt, fast stets auf eigene Hand zu handeln, schrak er auch vor einer solchen Aufgabe nicht zurück.

Soviel schien gewiß, daß bei Mulligan, nachdem sie die übrige Bande glücklich überlistet hatten, keine weiteren Begleiter waren, auf deren Hilfe er sich verlassen konnte.

In seine alte Hütte war er übrigens nicht wieder zurückgekehrt, und Tolmer, um seine beiden Wachen nicht länger dort unnütz zu verwenden, ließ das Nest in Brand stecken. Hatte der Buschranger dann noch irgend etwas darin versteckt oder vergraben, so sollte es ihm wenigstens schwer werden, es wiederzufinden.

Außerdem entwarf Tolmer einen anderen Plan. Er schickte nämlich seine Mannschaft als Bündelleute vereinzelt auf alle Stationen in der Nachbarschaft, um auf den verschiedenen Stellen die Nachricht zu verbreiten, daß die Polizei gelandet wäre und die Buschranger ausgehoben hätte. Während sie sich natürlich unter die Arbeiter mischten, erfuhren sie dann vielleicht, ob der flüchtige Verbrecher wohl irgendwo gesehen worden wäre.

Am zweiten Tag hatten sich aber alle wieder in der Nähe der verbrannten Hütte einzufinden, um gemeinschaftlich zu operieren.

Der Plan mochte ganz gut sein, erwies sich aber als erfolglos. Allerdings brachten die Leute von drei, vier verschiedenen Seiten die Nachricht mit, Mulligan sei dort in der Nähe gesehen worden. Die wahrscheinlichsten dieser Stellen wurden auch untersucht, doch ohne den geringsten Erfolg. Nicht einmal die Spur des Flüchtigen fand man, und es blieb jetzt außerordentlich schwer zu sagen, ob sich der Buschranger nach dem Osten oder Westen der großen Insel gewandt habe.

Borris war dafür, nach dem Festland zurückzukehren und lieber wieder hierherzukommen, wenn Mulligan aufs neue irgendwo einen bleibenden Aufenthalt genommen hätte. Tolmer aber, starr wie immer den einmal gefaßten Plan im Auge, wollte davon nichts hören und gedachte, einen anderen Versuch zu machen.

Er teilte seine Leute in zwei Trupps - den einen von fünf Mann unter Borris' Führung schickte er nach Osten, und die anderen, wie den Matrosen, der sich freiwillig erboten hatte, ihnen beizustehen, behielt er bei sich, um damit nach Westen hin die Insel abzusuchen. In vier Tagen spätestens sollten alle wieder am Schoner zusammentreffen, und hatten sie den Flüchtigen dann nicht eingefangen, so wollten sie die Jagd für diesmal aufgeben.

Borris schüttelte den Kopf zu dem ganzen Unternehmen, denn er kannte besser als sein Vorgesetzter das Innere der Insel und die Schwierigkeit, darin von einer Stelle zur anderen zu gelangen. Tolmer aber, Feuer und Flamme für den jetzt entworfenen Plan, ließ keine Einrede gelten, und die beiden Parteien trennten sich noch an demselben Morgen.

Einem schmalen Kuhpfad folgend, wanderte Tolmer mit seinen Leuten ab, geriet aber bald in ein so furchtbares Dickicht von jenen nichtswürdigen Känguruhdornen, von denen das ganze Innere der Insel überwuchert war, daß sie sich nur mit Mühe und Not einen Weg seitwärts hindurch und mehr der Küste zu brechen konnten. Was sollten sie in einem solchen Dickicht, in dem auch Mulligan nicht fortkonnte, sich also wohl hüten würde, es zu betreten?

Ziemlich erschöpft und ohne den ganzen Tag ein lebendes Wesen angetroffen zu haben, erreichten sie abends einen kleinen Bach und lagerten dort, und Tolmer sah jetzt die Unmöglichkeit ein, das eigentliche Innere des Busches, wie er beabsichtigt hatte, abzusuchen. Es blieb ihm nichts übrig, als sich auf die besiedelten oder doch wenigstens zugänglichen Teile der Küste zu beschränken.

Gegen Morgen hörten sie einen Hund bellen; schon am letzten Abend hatten sie Schafspuren gefunden, und es ließ sich erwarten, daß sie bald eine Schäferhütte und dort auch Trinkwasser finden würden. Darin hatten sie sich auch nicht geirrt. Als sie nach rasch eingenommenem Frühstück dorthin aufbrachen, fanden sie mitten im Busch, aber an einer von Dornen völlig freien Stelle, eine kleine Rindenhütte liegen; Tolmer ließ seine Leute zunächst noch zurück, um erst selbst den Platz zu erkunden.

Der Schäfer war mit seiner Herde schon vor einer Stunde ausgezogen, und den Hutkeeper fand Tolmer damit beschäftigt, Damper zu backen; er ließ sich mit ihm in ein Gespräch ein.

»Holla, Mate«, sagte er nach einer Weile, als er am Feuer saß und den für ihn rasch warmgestellten Becher Tee trank, »Ihr seid ja hier außerordentlich fleißig mit Brotbacken. Da stehen, wie ich sehe, zwei große fertige Damper, hier unter der Asche liegt noch einer, und Ihr rührt schon wieder frische an. Macht Ihr sie zum Verkauf?«

»Ja, schön zum Verkauf«, sagte der nicht eben besonders appetitlich aussehende Bursche mit einem Kernfluch, »ein prächtiger Platz wär das hier im Busch zum Verkauf, wo man das ganze gesegnete Jahr keinen blanken Schilling zu sehen bekommt. Die Käufer, die hierherkommen, soll überhaupt der Teufel holen, sobald er Lust hat, und wenn meine Zeit um ist, will ich verbrannt werden, wenn ich nur eine Stunde länger an den blutigen Dornen sitzen bleibe.«

»Es treibt sich hier viel Gesindel im Busch herum, wie?« warf Tolmer hin.

Der Hutkeeper sah ihn mißtrauisch von der Seite an und meinte dann:

»Oh, Gott bewahre; es sind lauter Gentlemen und noch dazu Menschen, wie die Kinder; was sie sehen, wollen sie haben.«

»Seid Ihr kürzlich belästigt worden?« fragte Tolmer, der nicht zu Unrecht glaubte, daß er von dem Hutkeeper für nichts Besseres als eben auch für einen Buschranger gehalten würde.

»Ich will Euch was sagen, Fremder«, meinte da der Bursche, indem er sich von seiner Arbeit aufrichtete und die mehlbedeckten Fäuste nach beiden Seiten ausstreckte, »es ist ein altes Gesetz, im Busche sich das Maul nicht zu verbrennen - an heißen Blechbechern mein ich - Ihr versteht mich schon.«

»Nichts für ungut, Freund.«

»Bitte, bemüht Euch nicht«, meinte der Hutkeeper trocken. »Es könnte sein, daß morgen jemand käme und nach Euch fragte, und dann wär's Euch auch vielleicht angenehm, wenn ich ein kurzes Gedächtnis hätte.«

Tolmer lachte. Mit der Politik derartiger Buschleute aber durchaus vertraut, kannte er recht gut die Triebfedern, die ihn zum Schweigen brachten, und er lenkte das Gespräch auf etwas anderes, um erst einmal herauszubekommen, mit wem er es hier zu tun habe. War es ein früherer Sträfling, dann ließ sich freilich nicht viel von ihm erwarten, doch sah er ihm zu jung aus, und vorsichtige Fragen konnten das bald aufklären. Tolmer hatte sich auch nicht in seinem Mann geirrt. Jim Riddle war erst vor zwei Jahren mit einem Auswandererschiff als freier Mann nach Australien gekommen, hier sein Glück zu machen - nicht »Damper für alles blutige Gesindel im Busche zu backen«, wie er hinzusetzte, und schien das ganze Land schon so satt zu haben, daß er je eher, je lieber wieder nach Alt-England zurückgekehrt wäre, wenn er eben gewußt hätte, womit.

Einmal darüber im reinen, hatte Tolmer keine Ursache mehr, dem Hutkeeper nicht zu sagen, wer er sei und weshalb er auf die Insel gekommen wäre - diese nämlich von der Plage herumstreifenden Gesindels zu befreien. Er rief dann seine Leute herbei, die der Hutkeeper aber immer noch mißtrauisch betrachtete, denn sie sahen ihm nicht aus wie Polizei, und erst als ihm Tolmer seine Vollmacht vorlegte, die das große Regierungssiegel trug, wurde er überzeugt.

»Dann ist's recht«, sagte er, mit einem kräftigen Hieb die rechte geballte Faust in die linke Hand schlagend, daß der Mehlbrei überall umherspritzte, »dann hab ich nichts dagegen, und ich gönne euch die Gesellschaft des unheimlichen Burschen, der hier seit zwei Tagen herumkriecht, von ganzem Herzen.«

Und nun erzählte er mit einfachen und kurzen Worten, daß vorgestern ein Mann, dessen Beschreibung Tolmer keinen Zweifel ließ, Mulligan sei damit gemeint, zu ihm in die Hütte gekommen wäre und Essen und Tabak verlangt hätte. Der Fremde trug eine Muskete und sah wild und zerfetzt genug aus. Jim Riddle gab ihm beides, um ihn nur loszuwerden. Gestern aber war er wiedergekommen, sich neuen Vorrat zu holen, und hatte ihm mit allem möglichen gedroht, wenn er irgend jemand durch eine Silbe verrate, daß er bei ihm gewesen wäre. Ja noch mehr, er verlangte von dem Hutkeeper - der keine Waffen hatte, sich zu wehren -, daß er ihm von jetzt an einen besonderen Damper backe und diesen mit Fleisch und Tee nicht weit von der Hütte in den Busch bringe. Jim Riddle mußte sogar mit Mulligan dorthin gehen, der ihm die Stelle genau zeigte.

Wahrscheinlich wollte sich der Buschranger nicht wieder der Gefahr aussetzen, eine fremde Hütte zu betreten, in der recht gut Feinde versteckt sein konnten; wußte er ja doch jetzt nicht, ob ihm die Polizei auf der Fährte war oder nicht.

Jim Riddle hatte natürlich den verzweifelten Menschen gefürchtet, dessen Haß und Rache er sich hier nicht allein und hilflos aussetzen mochte. Mit der Polizei zum Schutz war er aber froh, solch einen lästigen Brotverzehrer loszuwerden und vielleicht unschädlich gemacht zu sehen, und er zeigte sich jetzt augenblicklich bereit, Tolmer zu der Stelle zu führen, an der er die Lebensmittel für den Buschranger verbergen sollte.

Rasch hatte er alles Nötige zusammengepackt und wanderte jetzt mit den Polizeileuten in den Busch hinein, etwa vier- oder fünfhundert Schritt von der Hütte, wo eine kleine Lichtung lag. Es standen dort nur wenige Bäume, dicht daran grenzte aber ein Dickicht, und der Platz war insofern vortrefflich ausgesucht, als der Flüchtling, von den Büschen gedeckt, unbemerkt herankommen und leicht übersehen konnte, ob ihm in der Nähe irgendeine Gefahr drohe.

Tolmer beschloß ohne weiteres, auf ihn zu warten, denn es war augenscheinlich, daß der Buschranger hier in der Nähe keine andere Stelle hatte, an der er Nahrungsmittel zu bekommen wußte. Er ließ deshalb die Damper so hinstellen, daß sie der Anschleichende von weitem sehen konnte, und verbarg dann seine Leute hinter Bäumen und Büschen, so gut das irgend gehen wollte. Außerdem gab er ihnen den strikten Auftrag, den Flüchtling erst ganz nahe heranzulassen und nur im äußersten Notfall auf ihn zu schießen, da er ihn lebendig zu fangen wünschte.

Er selbst legte sich hinter die Wurzel eines umgestürzten Gumbaumes, der Stelle gerade gegenüber, die er für den wahrscheinlichsten Wechsel des Räubers hielt, und erwartete nun geduldig dessen Nahen.

Der Hutkeeper war wieder in die Hütte zurückgeschickt worden und sehr zufrieden mit der Aussicht, von einer Nachbarschaft befreit zu werden, die ihm mit der Zeit nur verderblich werden mußte.

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