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作者:德- Friedrich Gerstacker 当前章节:15779 字 更新时间:2026-6-22 23:51

»Weil du so lange den Frommen gespielt hast?«

»Allerdings, und die übrigen mich deshalb hassen. Holzköpfe, die sie sind, daß sie glauben konnten, John Mulligan wäre im Ernst ein solcher Tropf, vor einem schurkischen Wächter im Staub zu kriechen.«

»Und heute mittag?«

»Nachher - die da dürfen nichts merken.« -

Das Mittagessen war vorüber - eine einfache, aber doch reichliche und auch nahrhafte Mahlzeit für die Leute, die aus Weizenbrot, das in der Asche gebacken worden war, und Hammelfleisch bestand.

Von solchem Brot oder Damper hatte sich John in den letzten Wochen aus abgesparten kleinen Stücken einen Vorrat angelegt, von dem er schon ein paar Tage zu leben vermochte. Bei seiner Mahlzeit gelang es ihm heute, diese Ration mit Rotkopf zu teilen, daß sie es beide leichter in ihrer Jacke verbergen konnten.

Während des Essens, das innerhalb der Palisaden verzehrt wurde, nahmen auch die Soldaten ihr Mittagsmahl ein, aber eine Flucht war in dieser Zeit doch unmöglich, da der einzige Ausgang mit doppelten Wachen besetzt stand. Irgendeiner, der außerdem am hellen Tage versucht hätte, die Palisaden zu überklettern, wäre augenblicklich heruntergeschossen oder doch dabei ertappt und wenigstens halbtot gepeitscht worden. Johns Plan lag auch nicht darin, ein solches Wagstück in einer Weise zu unternehmen, wie sie von den Beamten schon vorbedacht und durch Maßregeln verhindert war. Er wußte recht gut, daß ihre Flucht nur durch Überraschung gelingen konnte.

Nach dem Essen bildete sich wieder die Kolonne, in der sie, von Soldaten umgeben, zu ihrer Arbeit hinausmarschierten. Rotkopf hinkte dabei bedeutend und stützte sich auf Johns Arm, der ihn führte.

Auch John schien nicht ganz fest auf den Füßen und hatte sich in das linke Eisen ein paar baumwollene Lappen hineingesteckt, von denen der eine Blut zeigte. Rotkopf hatte sein Bein fest umwunden und arbeitete sich nur mit großer Schwierigkeit vorwärts, um in der Reihe Schritt zu halten.

Sie wurden, wie es John vorher gewußt hatte, heute nachmittag auf den Kamm des Hügelrückens geschickt, um hier passende Steine für die Straße loszubrechen. Der Hügelkamm fiel an der Seite, an der die Straße lag, ziemlich steil ab, und die oben gelösten Steine rollten von selbst zu Tal. An der anderen Seite zog sich ein weniger schräger Abhang in den Busch hinein, der oben mit einzelnen Bäumen, tiefer unten jedoch mit dichtem Gestrüpp bewachsen war. Auf dem Kamm aber, mitten zwischen den Arbeitern, standen die Wachen mit ihren geladenen Gewehren, und wenn die Sträflinge mit ihren Ketten überhaupt hätten an Flucht denken können, würden sie die Kugeln der Soldaten bald eingeholt und unschädlich gemacht haben.

»Was zum Teufel hast du nun wieder?« fragte der Oberaufseher, als er dort oben die verschiedenen Arbeitsplätze angewiesen hatte und zu Rotkopf trat. »Was ist mit deinem Bein?«

»Ich kann nicht mehr, Sir«, stöhnte der Mann. »Bis hierherauf hab ich mich geschleppt, aber jetzt bin ich's nicht mehr imstande. Das Bein ist entzündet und geschwollen; wie mit Messern sticht's mich hier. Wenn Ihr mir die Kette nur wolltet an das andere legen lassen, vielleicht könnt ich dann doch noch weiter arbeiten, sonst bin ich nicht einmal imstande, wieder allein hinunterzugehen.«

»Das weiß der Henker, was mit euch Schuften immer los ist«, brummte der Oberaufseher verdrießlich vor sich hin. »Konntest wohl nicht das Maul auftun, als wir unten waren, daß dir der Wundarzt den Schaden nachsah, he?«

»Es ist weiter nichts, Euer Gnaden, als die Kette drückt ihn auf eine wunde Stelle«, sagte John ehrerbietig. »Wenn Ihr's erlaubt, wollt ich ihn bald wieder auf den Füßen haben.«

»Und wir?«

»Machen ihm bloß die Kette, wie er's verlangt, ans andere Bein, das hilft jedesmal - wenigstens bis das wieder heil ist. Es sind ja Soldaten genug hier, die es ihm umschließen könnten.«

»Zum Henker auch«, rief der Oberaufseher, »ich glaube, der Bursche drückt sich nur von der Arbeit und spielt den Lahmen. Auf, mein Herz, das hilft dir bei mir nichts.« Mit diesen Worten zog er ihm ein paar tüchtige Peitschenhiebe über. Rotkopf krümmte sich unter den Schlägen und versuchte dem Befehl nachzukommen, indem er sich aufrichten wollte, aber es ging nicht. Er vermochte nicht auf den Beinen zu stehen, brach wieder zusammen und fiel gegen einen Baum, an dem er sich die Stirn blutig riß.

»Wenn Euer Gnaden befehlen«, sagte John demütig, »so trag ich ihn lieber den Hang hinunter. Mein Bein ist auch wund, aber einer der Herren Soldaten hilft mir vielleicht. Der arme Teufel hält's so nicht aus.«

»Ich will selbst sehen, was an der Wunde ist«, sagte der Oberaufseher trotzig, obgleich ihn der letzte Fall des Gefangenen stutzig gemacht hatte. »Man darf euch Schuften ja gar nicht mehr glauben, denn ihr betrügt und hintergeht uns auf jede Weise. Da leg dich hin, Roter! - Hast du's gehört, oder soll ich dich beweglich machen?«

Rotkopf kroch zu der ihm bezeichneten Stelle, und der Oberaufseher nahm seinen Schlüssel heraus, winkte zweien der Soldaten, die näher herankamen und neben ihnen stehenblieben, und beugte sich dann nieder, den angeblichen Schaden des Gefangenen zu untersuchen.

John war ungemein geschäftig, ihn darin zu unterstützen; er schob einen Steinblock zurecht, auf dem sich der Herr Oberaufseher bequem niederlassen konnte. Nachdem er Rotkopf dann etwas weiter vor und sein rechtes Bein dabei in die Höhe gehoben hatte, daß der Beamte es bequem erreichen konnte, stemmte er das eigene darunter und stützte sich mit dem rechten Arm auf den Boden.

Der Beamte öffnete vorsichtig das Schloß der Kette, und der Gefangene stöhnte und winselte dazu; während aber die Kette oben klirrte, preßte unten John Mulligan in wahrer Todesangst das breite Eisen, das seinen eigenen Knöchel fest umspannt hielt. Heimlich in der Nacht, seit langen, langen Monden, hatte er mit einem Stückchen Feile, das er sich zu verschaffen gewußt hatte, an diesem Ring gefeilt - oft nur ein oder zwei Striche die ganze Nacht, weil er nicht wagen durfte, die Wächter durch das Geräusch aufmerksam zu machen. Die angefeilte Stelle war zuletzt so dünn, daß er glaubte, das Eisen werde dem geringsten Druck nachgeben; ja, er vermied, noch mehr daran zu arbeiten, weil ihm die Kette sonst am Ende vor dem richtigen Moment vom Fuß abfallen konnte. Jetzt nun, im entscheidenden Augenblick, während er den Kameraden mit dem einen Arm angeblich unterstützte, preßte seine andere Hand unten gegen das fast völlig durchgefeilte Eisen, daß ihm das Blut unter den Nägeln vorzuspritzen drohte - aber vergebens.

»Na - jetzt paß auf und halt ihn fest«, sagte der Beamte, während er das Schloß aufbog und das Eisen von dem Bein des Gefangenen herunterfallen ließ. »wo ist denn nun die schreckliche Wunde? - Aber halt, Kamerad, erst wollen wir dir den hübschen Ring doch lieber um den anderen Knöchel legen, nachher können wir uns den hier mit Muße besehen.«

»Hat nichts zu sagen, Sir«, stöhnte John. »Der läuft nicht davon.«

»Wenn du um deine Meinung befragt wirst, magst du antworten. Laß das Bein einmal los und heb das andere herauf. Was zum Teufel? - Wie siehst du denn aus? Du hast ja einen Kopf wie ein Krebs so rot - herauf mit dem Bein.«

»Aye, aye, Sir!« rief John, und die Verzweiflung gab ihm Riesenkräfte. - Noch ein Moment, und ihr ganzer Plan war, vielleicht für immer, vereitelt. Doch wie er noch einmal seine Finger über den eisernen Ring preßte, fühlte er, daß sich dieser unter seinem Griff bog.

»Nun, wird's bald?« rief der Aufseher.

»Einen Moment, Sir - ich bin mit meinen Ketten hier unten hängengeblieben - mach es gleich wieder los.«

Er ließ das angeblich wunde Bein Rotkopfs herunter, und während er jetzt auch mit der anderen Hand nach seiner Kette faßte, brach der breite Ring unter seinem Griff wie Glas entzwei. Im Nu hatte er ihn gepackt und aufgebogen, wenn auch die scharfe Kante ihm die Finger blutig riß, und der Aufseher, dem diese plötzliche Bewegung nicht entgangen war, rief erstaunt aus.

»Alle Wetter, was machst denn du da, mein Junge?«

»Ich kuriere mein Bein, Sir!« sagte John lachend, während Rotkopf mit Blitzesschnelle in die Höhe fuhr.

»Ist es Zeit?« rief dieser.

»Faß ihn«, lautete die einzige Antwort, und »Verrat!« schrie auch schon im nächsten Moment der erschrockene Aufseher, »Hilfe, Hilfe!« Und wohl hatte er Grund dazu, denn vier stärkere Arme gab es nicht in den Kolonien, wie die waren, die ihn jetzt gefaßt hatten. Rotkopf packte ihn um den Leib, John um die Knie, und während sie, nach früherer Unterredung, den leichten Burschen als Schutz gegen etwa ihnen nachgeschickte Kugeln auf ihren Nacken hoben, sprangen sie dabei in wilden Sätzen den Hang hinab, direkt auf das nächste Dickicht zu.

»Hilfe, Hilfe!« schrie der Aufseher, aber die Soldaten durften ihren Posten nicht verlassen, weil sie ja nie wissen konnten, ob das nicht vielleicht einen Plan der Gefangenen unterstützte, eine gemeinschaftliche Flucht zu versuchen. Nur ihre Gewehre spannten sie und hoben sie nach alter Gewohnheit in den Anschlag - aber schießen durften sie nicht, wenigstens nicht nach diesen Flüchtigen. Die Kugeln mußten ja ihren eigenen Vorgesetzten treffen.

»Hilfe - Hilfe!« tönte dessen Ruf schon tief von unten herauf, und seine Rechte hatte sich indes vergebens bemüht, in eine seiner Brusttaschen zu gelangen und die dort steckenden Pistolen herauszuziehen. Rotkopf aber hinderte ihn daran; wie in einem Schraubstock schnürte er ihm die Arme zusammen, und als ihm die Büsche jetzt noch ohnedies ins Gesicht schlugen, war er nicht mehr imstande, sich zur Wehr zu setzen.

Im nächsten Moment hatte ihn aber schon der niederhängende Ast eines alten Gumbaumes gefaßt und riß ihn gewaltsam aus den Armen der beiden Entflohenen, während ihm der Sturz einen lauten Schrei auspreßte.

»Hier mag er bleiben«, sagte der Rotkopf lachend, »denn durch das Dickicht können wir ihn doch nicht weiter schleppen, aber seine Pistolen wollen wir uns noch ausbitten.«

»Und das Pulverhorn mit den Kugeln nicht vergessen«, rief John.

»Nur rasch, denn die Teufel sind uns schon auf den Fersen.«

»In dem Dickicht vergebens«, sagte John lachend. »Her mit den Waffen, Kanaille.«

»Gnade, Gnade!« flehte der Beamte auf den Knien und in Todesangst.

»Das ist die Gnade, die du verdienst«, rief Rotkopf, und in voller Kraft und Wut, mit der geballten Faust zum Stoß ausholend, warf er den Unglücklichen in das dürre Laub zurück. Im Nu hatten sie ihm dabei den Rock ausgezogen, die Uhr aus der Tasche gerissen und flohen nun, als sie die Verfolger schon von oben herunter durch die Sträucher brechen hörten, gerade nach unten in den dicksten Busch hinein.

Wohl suchte eine rasch hinzugezogene Hilfstruppe noch an diesem Abend und an den nächsten Tagen den Wald nach allen Richtungen hin ab. Große Belohnungen wurden dabei von der Regierung ausgesetzt, und Polizeisoldaten wie Militär waren monatelang beschäftigt, diese frechen Flüchtlinge wieder einzubringen - galt es ja doch auch, an ihnen ein Beispiel zu statuieren -, doch vergebens. Gentleman John wie Rotkopf waren und blieben verschwunden und riefen sich nur dann erst wieder in die Erinnerung des Publikums zurück, als ein paar hintereinander verübte freche und kühne Raubüberfälle ihre Namen von neuem auf die Lippen der Buschbewohner und Reisenden brachten.

3. Kapitel

Die Poststraße zwischen der Hauptstadt der jetzigen Kolonie Viktoria, Melbourne, und der von Süd-Australien, Adelaide, war damals noch gar nicht so lange eröffnet, und einmal wöchentlich fuhr in jener ersten Zeit ein zweirädriger Karren (der eine Anzahl von Passagieren tragen konnte), mit den Postbeuteln betraut, die lange, öde, durch den dichten Busch nur notdürftig ausgeschlagene Bahn. Die Fahrt selbst war eine Marter für den Reisenden, und auf Bequemlichkeiten unterwegs durfte er ebensowenig rechnen. Nichtsdestoweniger wurde diese »Royal Mail« doch stark benutzt, da sie die einzige zu einer bestimmten Zeit abgehende und eintreffende Verbindung zwischen den schon recht bedeutenden Städten des australischen Kontinents bildete. Dampfschiffahrt war nämlich noch nicht eingerichtet, und die Passage auf einem gelegentlich abgehenden Segelschiff war viel zu ungewiß und langweilig, als daß man sich ihrer zur Personenbeförderung gern bedient hätte.

Wie aber die Straße rauh und die Postkutsche nur ein höchst primitives Fuhrwerk war, so diente außerdem die Unsicherheit der Gegend dazu, das »Romantische« einer solchen Fahrt zu erhöhen. Gar nicht etwa so selten kam es vor, daß die Reisenden von Sträflingen angefallen und geplündert wurden, die in den Busch geflohen waren. Doch galt es dabei als Tatsache, daß die Reisenden für ihr Leben nichts zu fürchten hatten, sobald sie sich gutwillig dem Unvermeidlichen fügten und - keine Waffen bei sich führten. Die Buschranger nahmen ihnen dann eben ab, was sie brauchen konnten, untersuchten die Postfelleisen nach Geld oder Geldeswert und ließen die Passagiere meist ungehindert ziehen.

Nur wenn diese bewaffnet waren oder gar Widerstand leisteten, war es vorgekommen, daß der so verübte Raub auch in einen Raubmord ausartete, und es blieb bald kein Geheimnis mehr, daß der berüchtigte Führer dieser Schar niemand anders sei als Gentleman John.

So verwegen diese Bande aber auch sein mochte, so lehrten sie doch endlich zahlreiche gegen sie ausgesandte Patrouillen, daß sie einer disziplinierten und bewaffneten Macht nicht gewachsen waren, und wenn alle diese Expeditionen auch nicht von besonderem Erfolg gekrönt wurden, trieben sie die Strauchdiebe doch weiter in das Innere zurück und deckten einigermaßen die stark bedrohte Straße.

Es war im April, daß die »Royal Mail« an einem rauhen und unfreundlichen Herbsttag, ungewöhnlich stark mit Passagieren besetzt, die vom Regen aufgeweichte Straße entlangrasselte, während die wettermürrischen Reisenden, in ihre Mäntel gehüllt und von dem unbeholfenen Fuhrwerk schlammbespritzt und durchgerüttelt, erst wieder anfingen aufzutauen, als sie eine der seltsamen Stationen erreichten, auf denen ihnen eine halbe Stunde Rast für ein flüchtiges Mittagsmahl gegönnt wurde.

Das Gebäude war kaum mehr als eine Rindenhütte mit einer Art von Anbau, der zugleich als Küche und Vorratskammer diente, und lag an einer der ödesten Stellen der Straße. Trotzdem enthielt es aber weit mehr Bequemlichkeit und Genüsse, als sein etwas rauhes, ungelecktes Äußere versprach, und die Passagiere befanden sich bald, zu ihrer höchst angenehmen Überraschung, an einem reinlich gedeckten Tisch, von dem ihnen ein sorgfältig hergerichtetes Mahl entgegenduftete. Auch die Getränke waren vortrefflich und in größter Auswahl vorhanden, und die Wirtin, eine echt englische Matrone, einfach, aber sauber und nett gekleidet, präsidierte an der Tafel.

Der Wirt hatte sich noch nicht sehen lassen, denn er hatte draußen noch mit dem Kutscher zu tun und frische Pferde zu besorgen.

Die Reisegesellschaft bestand aus lauter Männern, da sich Damen diesem rauhen Beförderungsmittel nur im höchsten Notfall, und dann auch nur auf kurze Strecken, von einer Station zur andern, anvertrauten. Allerdings mußten sie in dem Fall, wenn sie für solche Fahrt die Post benutzen wollten, warten, bis sich ein Platz für sie fand, da die Postverwaltung nicht daran dachte, einen Beiwagen zu geben, selbst wenn sich genug Passagiere gefunden hätten. Was dem einmal vorhandenen Karren von Reisenden aufgepackt werden konnte, wurde geladen, die übrigen mußten abwarten, ob sie vielleicht in der nächsten Woche mitgenommen werden konnten.

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