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作者:德- Friedrich Gerstacker 当前章节:15434 字 更新时间:2026-6-22 23:51

Wie aber nun in Australien die Bevölkerung höchst wunderlich gemischt ist, so schien auch auf dieser Post fast jede Schicht der Einwohnerschaft vertreten. Eine höchst anständig aussehende Persönlichkeit in schwarzen Tuchkleidern mit schwerer goldener Kette, weißer Wäsche und Glacéhandschuhen, die eigentlich nicht recht in die ganze Umgebung zu passen schien, repräsentierte den Kaufmannsstand der Kolonien. Es war ein Mr. Warrel aus Melbourne, der mit der Post nach Adelaide wollte, um eine kurz vorher von Melbourne per Segelschiff expedierte Ladung an Ort und Stelle zu verkaufen.

Die zweite ansehnliche Persönlichkeit war ein Siedler aus dem Adelaide-Distrikt, mit vollem Bart, einen Kohlpalmenhut auf, mit Rock, Hose und Weste aus sogenanntem englischen Lederzeug, mit derben Buschschuhen und einem rotseidenen Halstuch, das, um den schneeweißen Hemdkragen geschlagen, den sonnverbrannten kräftigen Hals entblößt ließ.

Ganz gegen den Gebrauch der übrigen Passagiere schien es dieser aber zu verschmähen, sich waffenlos der Gnade oder Ungnade des etwa dort umherstreifenden räuberischen Gesindels zu übergeben. In dem breiten um den Leib geschnallten Gürtel, der ein kurzes Buschmesser trug, staken ein paar feingearbeitete Pistolen, und außerdem führte er auch noch eine, wie er sagte, stets mit Rehposten geladene englische Doppelflinte bei sich, die er unterwegs zwischen den Knien und ziemlich trotzig zum Gebrauch stets in Bereitschaft hielt.

Seinen Platz hatte er vorn auf dem Bock, und der dritte Passagier, der zwischen ihm und dem Kutscher eingeklemmt saß, war ein dürres, kleines, bleiches Männchen, ebenfalls ein Engländer, der in ziemlich schäbigen Kleidern, mit einem alten, abgetragenen Hut, bis dahin trotz seiner offensichtlichen Armut die entsetzlichste Angst vor einem möglichen Überfall gezeigt und besonders seinen schwerbewaffneten Nachbar fortwährend mit mißtrauischen Blicken betrachtet hatte.

Die Post hatte nur zwei Sitzbänke - die eine war die, auf welcher der Kutscher saß, und die neben ihm befindlichen Passagiere hatten die Aussicht nach vorn über die Pferde hin. Auf der zweiten, notdürftig gepolsterten und mit Leder überzogenen Bank saßen die übrigen Reisenden, jedoch mit dem Rücken nach vorn, und die niedere eiserne Lehne diente weit weniger zu ihrer Bequemlichkeit, als sich daran festzuklammern, wenn der Wagen einen steilen Hang hinaufgerissen wurde. Versäumten sie es, so wären sie rettungslos aus der Kutsche herausgestürzt.

Auf dieser hinteren Bank saß der schon vorher erwähnte Kaufmann aus Melbourne dicht hinter dem Kutscher. Den Mittelsitz nahm schon von Melbourne her ein etwas ruppig aussehendes Individuum ein. Es war dies dem Anschein nach einer der gewöhnlichen Arbeiter, in ordinären, aber trotzdem reinlich gehaltenen Kleidern und mit hoffentlich besseren Empfehlungen und Zeugnissen in der Tasche, als ihm das Gesicht gewähren konnte. Der Bursche, der die ganze Fahrt hindurch verdrossen und störrisch auf seinem unbequemen Sitz kauerte und ununterbrochen Tabak kaute, hatte mit seinen Mitpassagieren kaum drei Worte gewechselt und alle an ihn gerichteten Fragen - wenn überhaupt - mit »Ja«, »Nein« oder »Weiß nicht« beantwortet.

Auf dem dritten Platz neben ihm und Rücken an Rücken mit dem Siedler, saß ein Mittelding zwischen Siedler und Arbeiter. Es war ein vierschrötiger, kräftiger Geselle mit sonnverbrannten, nicht häßlichen Zügen und etwas Keckem, Drolligem in seinem ganzen Wesen. Er war erst in Wanebat, bis wohin ein anderer Passagier mitgefahren war, aufgestiegen und bis jetzt eigentlich der einzige gewesen, der durch seinen Humor trotz Wetter und schlechtem Fuhrwerk einiges Leben in die träge Unterhaltung gebracht hatte. Dem letzten Regenguß hatte freilich auch er schweigend und mürrisch die Wetterseite geboten. Jetzt aber, im Trockenen, mit einer Flasche Sherry an der einen und einem Becher Porter an der anderen Seite, taute er rasch wieder auf, und es gelang ihm auch wirklich, seine sonst recht schweigsamen Reisegefährten zu einer lebendigen Unterhaltung zu bringen.

Stoff hierzu gab es vor allem durch den kleinen ängstlichen Passagier, der unterwegs zwischen dem Kutscher und dem Siedler saß und an jedem Halteplatz neue und meist immer entsetzliche Nachrichten über kürzlich erst verübte Greueltaten der Buschranger sammelte. Auch hier hatte er nichts Eiligeres zu tun gehabt, als sich mit seinen Erkundigungen an eine Art von Hausknecht zu wenden, der die angekommenen Pferde eben abschirrte, damit sie frei im Busch weiden konnten.

Dieser aber, ein verschmitzter Ire, und jedenfalls auch nur ein mit einem Ticket of leave freigegebener Sträfling, sah bald, mit welcher Art von Menschen er es hier zu tun habe, und erzählte dem ihm ängstlich und bestürzt Zuhörenden in aller Geschwindigkeit ein paar so entsetzliche und schauererregende Mordgeschichten, daß der kleine Mann mit bleichem Antlitz in das Passagierzimmer stürzte, seine furchtbaren Neuigkeiten so rasch wie möglich den übrigen mitzuteilen.

»Lügen, nichts als Lügen«, parierte übrigens Mr. Warrel, der sich eben mit den anderen an der gut besetzten Tafel niedergesetzt hatte, kaltblütig die schrecklichen Nachrichten. »Von wem habt Ihr Euch diese Geschichten aufbinden lassen?«

»Von wem?« rief der kleine Mann entrüstet, »von dem Burschen, der die Pferde versorgt.«

»Von Tom, dem Iren«, sagte aber jetzt selbst die Matrone lachend, die gerade im Begriff war, ein saftiges Roastbeef zu zerlegen, »ja, mein lieber Herr, den dürft Ihr über so etwas nicht fragen, denn wenn er merkt, daß sich jemand vor Buschrangern fürchtet, erzählt er ihm die gräßlichsten Geschichten, die ihm nur einfallen.«

»Was heißt fürchten?« fragte kopfschüttelnd der Kleine, »wer hat ihm gesagt, daß ich mich fürchte? Wovor fürchten? Meine Kleider sind alt und schlecht genug, und meine Haut können sie nicht gebrauchen. Weiter hab ich nichts bei mir auf der Gotteswelt als vierzehn Schilling bar Geld für die Reisespesen.«

»Nun, so gleichgültig wäre mir's gerade nicht«, brummte der Siedler, eben mit einem saftigen Stück Fleisch beschäftigt, finster in den Bart, »und den blutigen Kanaillen möchte ich diesmal gerade nicht in die Hände fallen. Aber - hol sie der Teufel, ehe sie mein Geld bekommen, sollen sie erst mit meinem Pulver und Blei Bekanntschaft machen, und ich denke, ich habe genug von dem bei mir, ihnen zu dem anderen den Appetit zu versalzen.«

»Sie sind allerdings kein Mann für die Buschranger, bester Herr«, sagte da lachend der Passagier von Wanebat, der sich Mr. Bush nannte, »denn von oben bis unten mit Stahl und Eisen gespickt, dürften sich die armen Teufel bei ihnen wohl mehr Schläge als Geld holen; unser Freund in Schwarz dagegen, den ich zugleich herzlich ersuchen möchte, mir einmal die Sherryflasche herüberzuschieben, scheint ihnen freundlicher gesinnt zu sein, denn er trägt kein solches Mordgewehr, dafür aber Gold genug zur Schau, ihnen den Mund danach wässerig zu machen.«

»Gott soll mir helfen, wenn's nicht wahr ist«, stimmte diesem der Kleine in etwas verkehrter Beteuerung bei. »Ich wüßte 'nen besseren Platz, goldene Kettchen und Uhren zur Firma zu tragen, als die Buschstraße zwischen Melbourne und Adelaide.«

Der Kaufmann lachte und aß eine Weile ruhig weiter; endlich aber sagte er noch immer schmunzelnd:

»Freut mich, daß Ihr mich für so grün haltet, mit solchem Firlefanz hier paradieren zu wollen. Werden wir aber wirklich von Buschrangern überfallen, so gönne ich ihnen die ganze Bescherung von Herzen. An Geld hab ich nur ein paar Pfund Sterling bei mir, und wenn sie mir die und den Plunder abgenommen haben, sind sie seelenglücklich und bedanken sich am Ende noch gar bei mir.«

»Tät da ein silbernes Kettchen nicht dieselben Dienste?« meinte aber der Kleine. »Wozu den Halunken das gute Gold in die Zähne werfen.«

»Gold!« Der Kaufmann lachte mit einem verschmitzten Blick zu Mr. Bush hinüber. »Die Uhr mit Kette kostet mich in Melbourne gerade zwölf Schilling - das Zeug hier ist Tombak und das Werk selbst keine Sixpence wert.«

»Ha, ha, ha, ha«, lachte Mr. Bush, »das ist vortrefflich, und der Plan ist ganz ausgezeichnet. Wenn die Strauchdiebe Uhr und Börse von einem Gentleman erbeutet haben, visitieren sie ihn nachher nicht einmal weiter.«

»Und wenn sie mich durchsuchen«, sagte Warrel lachend, »ich trage nichts auf der Gotteswelt weiter bei mir. Komm ich dann auch ausgeplündert nach Adelaide, so ist die Handschrift des alten Warrel bekannt genug an der Bank, mir Kredit zu verschaffen.«

»Mr. Warrel, in der Tat?« sagte Bush, ihn rasch und ehrfurchtsvoll grüßend. »Ah, das glaub ich, daß Ihr weder in Adelaide noch in Melbourne vierundzwanzig Stunden ohne Geld zu sein braucht. Da muß unser Freund hier seine Barschaft sorgfältiger verstecken!«

»Ich?« rief der kleine Mann erschrocken und ließ die eben aufgenommenen Messer und Gabel klirrend auf den Teller zurückfallen. »wo soll ich Barschaft versteckt haben? - Etwa in den Täschchen hier oder in den zerrissenen Stiefelchen? Ich weiß ja kaum, wovon ich die erste Woche meine Kost in Adelaide zahlen soll, die so schrecklich teuer ist in den Gasthöfen.«

»Nun, nun«, sagte Bush, »mir ist's ja recht, und ich brauche nicht dafür zu sorgen. Übrigens haben wir keinesfalls etwas zu fürchten, denn mein wohlbewaffneter Nachbar hier wird uns das Gesindel schon vom Leibe halten. Eure Pistolen sind doch hoffentlich geladen, und nicht auch nur ein falsches Aushängeschild wie Uhr und Kette von Mr. Warrel?«

»Und ob sie geladen sind!« erwiderte der Siedler, emsig mit dem vor ihm liegenden Braten beschäftigt. »Ich will verdammt sein, wenn ich nicht guten Gebrauch davon zu machen gedenke. - Habt Ihr gar keine Waffen bei Euch?«

»Ich? Ei gewiß«, rief Bush. »Ich teile keineswegs die Ansicht der Herren, die sich den Strauchdieben gutwillig überlassen mögen. Manchmal ja mag man es mit einem gutmütigen Exemplar zu tun bekommen. Es bleibt aber stets ein fatales Gefühl, sich der Gnade oder Ungnade solcher Burschen zu überlassen. Solange ich mich noch meiner Haut wehren kann, seh ich nicht ein, weshalb ich den Versuch nicht wenigstens machen sollte.«

»Dann seid Ihr mein Mann!« rief der Siedler, ihn augenscheinlich beruhigt auf die Schulter klopfend. - »Und Ihr da drüben, Freund«, wandte er sich an den schweigsamen Passagier, der an dem unteren Ende der Tafel keinen Blick von seinem Teller wandte und keine Silbe gesprochen hatte, »wie steht es mit Euch?«

Der Angeredete sah, ohne den Kopf zu heben, einen Moment nur durch seine buschigen Augenbrauen zu dem Sprecher hinüber und schien erst keine Antwort auf die an ihn gerichtete Frage geben zu wollen.

»Wer - ich?« fragte er endlich, als der Siedler noch immer schwieg und seinen Blick nicht von ihm nahm.

»Ja, Ihr, Mate, seid Ihr bewaffnet?«

»Nein«, brummte der Mann, sich neuen Fleischvorrat auf seinen Teller häufend. »Wozu?«

»Wozu? Wollt Ihr Euch von den Buschläufern wehrlos mißhandeln lassen?«

Der Angeredete ließ seinen Blick von dem Sprecher langsam und fast wie höhnisch auf dessen Nachbar, Mr. Bush, gleiten und sagte dann plötzlich, indem er gleichgültig wieder seine Mahlzeit fortsetzte:

»Wollen's abwarten, Mate!«

»Auf unseren schweigsamen Freund da unten«, lachte Bush, »scheint es, werden wir nicht besonders rechnen dürfen. Dann haben wir nur noch den Kutscher als dritte Hilfe!«

»Hol die Kutscher der Böse«, brummte der Siedler, mit dem Erfolg seiner Anrede nichts weniger als zufrieden. »Wenn die es nicht geradezu offen mit den Buschkleppern halten, passieren sie doch die Straße viel zu oft, als daß sie sich Feinde machen würden. Die Kerle bleiben gewöhnlich ruhig auf ihrem Bock sitzen und sind froh, wenn ihnen nur die Pferde gelassen werden, um weiterfahren zu können. Alles übrige kümmert sie wenig genug.«

»Bah«, sagte Mr. Warrel, »die ganze Geschichte ist ja doch nur ein müßiges Geschwätz von Reisenden, die - an dem Ort ihrer Bestimmung glücklich und ungehindert angelangt - nicht umhinkönnen, mit irgendeiner überstandenen schrecklichen Gefahr zu prahlen. Hier im Land haben wir keine Tiger oder andere reißenden Bestien, und da müssen dann jahraus und jahrein die Buschranger den alleinigen wieder- und wiedergekäuten Stoff liefern. Ich wette hundert Pfund Sterling, daß wir auf der ganzen Fahrt keinen zu sehen bekommen.«

»Topp!« rief ihm Mr. Bush plötzlich entgegen, »ich nehme Eure Wette an, Sir, und kann dabei jedenfalls nur ein gutes Geschäft machen.«

»Auch wenn Ihr verliert?« rief Mr. Warrel.

»Dann erst gewiß«, sagte der junge Mann lachend. »Ich habe eine Herde von 15 000 Schafen verkauft, für die ich das Geld in Wechseln und Banknoten bei mir trage, und will gern hundert Pfund davon bezahlen, wenn ich das übrige sicher nach Adelaide bringe. Wird es mir aber abgenommen, so sind Eure hundert Pfund wieder ein ganz hübscher Anfang für einen neuen Beginn.«

»Hol's der Henker«, rief der Siedler, »wenn Ihr die Sache von der Seite betrachtet, möcht ich auch wetten, denn wenn mich die Schufte plünderten, machten sie ebenfalls kein schlechtes Geschäft. Wie wär's, Mr. Warrel, wenn wir eine gleiche Versicherung abschlössen.«

»Danke, Sir«, wehrte aber dieser lachend ab, »ich bekomme dafür nichts Gleichwertiges, denn das Vergnügen, einen wirklichen Buschranger zu sehen, ist doch kaum mehr als hundert Pfund wert, und wenn es wirklich der berüchtigte Gentleman John selbst wäre.«

»Dann nehmt wenigstens eine von meinen Pistolen«, sagte der Siedler. »Drei entschlossene und bewaffnete Männer können sich einen ganzen Schwarm der feigen, räuberischen Schufte vom Leibe halten.«

»Auch dafür muß ich danken«, sagte der vorsichtige Kaufmann. »Ich habe Frau und Kind und ein recht hübsches Besitztum zu Hause und keineswegs Lust, mein Leben oder meine gesunden Gliedmaßen unnötigerweise aufs Spiel zu setzen. Was ich bei mir trage, bin ich jeden Augenblick bereit, mit Vergnügen herzugeben - sollten die Herren uns wirklich ganz gegen Erwarten einen Besuch abstatten. Mehr können sie nicht verlangen und verlangen sie nicht. Wer mehr zu verlieren hat, mag zu anderen Mitteln seine Zuflucht nehmen.«

Der mit dieser Politik nicht besonders einverstandene Siedler murmelte einen leisen Fluch in den Bart, erwiderte aber weiter nichts, und der Kutscher, der indessen draußen in der Küche sein Mittagsmahl verzehrt hatte, erschien auch in diesem Augenblick in der Tür, den Passagieren anzuzeigen, daß ihre Ruhezeit verflossen und die »Royal Mail« gerade wieder im Begriff sei abzufahren.

Draußen an der Tür stand der Wirt, den Hut auf dem Kopfe, die Hände in den Taschen, und nickte den Passagieren zu, als sie an ihm vorübergingen.

»Glückliche Reise, Gentlemen; kommt gesund nach Adelaide. Und du, Bill, wirf die Herrschaften nicht etwa hier gleich unten im Sumpf in das Wasserloch, wie es James neulich gemacht hat. Es könnte nicht wieder so gut abgehen, daß sie mit ein paar Arm- und Beinbrüchen davonkämen. Einen Doktor haben wir jetzt überdies nicht mehr im Haus.«

»Habt keine Angst, Jones«, lachte der Angeredete. »Wenn wir nur glücklich durch den Billibong drüben kommen, im Sumpf selbst hat's keine Gefahr, und wenn wir umkippen, will ich uns schon eine weiche Stelle aussuchen.«

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