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作者:德- Emilio Salgari 当前章节:15435 字 更新时间:2026-6-22 23:21

Die Flibustier und der Spanier, die an die seltsamen Geräusche in den dortigen Wäldern gewöhnt waren, hielten sich nicht auf, um Pflanzen, Vierfüßler oder Vögel zu bewundern. Sie suchten so schnell wie möglich aus dieser Wildnis herauszukommen.

Der Korsar schritt mit düsterer Miene einher. So sah man ihn fast immer, sowohl an Bord eines Schiffes, wie an Land, selbst bei den Schmausereien auf der Tortuga. Die beiden Piraten kannten schon seine Gewohnheiten und hüteten sich, ihn zu fragen oder aus seinen Gedanken herauszureißen. So marschierten sie zwischen Palmen, Schlingpflanzen und Tieren wohl zwei Stunden lang, bis Carmaux bei einem Gebüsch seltsamer Gewächse stehenblieb. Sie hatten lederartige Blätter, die, wenn der Wind wehte, sonderbare Töne hervorbrachten.

»War es nicht hier?« fragte er seine Gefährten. »Ich glaube, mich nicht zu irren.«

In diesem Augenblick hörte man aus der Mitte des Gehölzes süße, melodische Flötentöne.

Der Korsar wandte sich um. »Was ist das?« fragte er.

»Mokkos Flöte!« antwortete Carmaux lächelnd. »Es ist der Neger, der uns zur Flucht verhalf. Seine Hütte befindet sich inmitten dieser sonderbaren Pflanzen. Er wird jetzt seine Schlangen meistern.«

»Ein Zauberer?«

»Ja, Kapitän!«

»Diese Flöte kann uns aber verraten!«

»Wir können sie ihm ja wegnehmen und die Schlangen in den Wald jagen!«

Carmaux, der schon in das Gebüsch eingedrungen war, wich mit einem Schreckensruf wieder zurück.

Vor einer armseligen Hütte aus verschlungenen Baumzweigen stand ein Neger von herkulischen Formen. Er war hochgewachsen, mit kräftigen Schultern und breiter Brust. Seinen Muskeln sah man die Riesenkraft an. Obgleich die Nase platt, die Lippen dick waren und die Backenknochen vorstanden, konnte das Gesicht nicht häßlich genannt werden. Im Gegenteil, es hatte etwas Gutes, Freimütiges, Kindliches, nicht eine Spur von dem wilden Ausdruck, den viele andere afrikanische Rassen zeigen.

Seine Behausung lag, wie die meisten Indianerhütten, halb versteckt hinter einem mächtigen Baume, umgeben von Kürbispflanzen.

Mokko stand an einem abgehauenen Baumstamm und blies eine Flöte aus leichtem Bambusrohr, der er seltsam weiche, langgezogene Töne entlockte. Vor ihm krochen ganz sanft und ruhig etwa zehn der gefährlichsten Reptilien Südamerikas.

Es waren einige Jararacaca, die selbst die Indianer wegen ihres Giftes fürchten, kleine tabakfarbene Schlangen mit abgeplattetem, dreieckigem Kopf und feinem Hals. Auch mehrere Klapperschlangen, einige ganz schwarze Nattern, die fast blitzartig ihr Gift ausspritzen, und etliche Reptilien mit weißen, kreuzförmigen Streifen auf dem Kopfe, deren Biß eine Lähmung des betreffenden Gliedes bewirken kann.

Als der Neger Carmaux' Aufschrei hörte, richtete er seine großen, porzellanähnlichen Augen auf die Flibustier. Dann nahm er seine Flöte aus dem Munde und sagte erstaunt: »Ihr seid noch hier? Ich glaubte euch schon in Sicherheit.«

»Ja doch, ja... aber der Teufel hole mich, wenn ich nur einen Schritt in dein gefährliches Revier wage!«

»Meine Tiere tun den Freunden nichts Böses an«, antwortete Mokko lachend. »Warte einen Augenblick, ich werde sie schlafen legen!«

Er nahm einen aus Blättern geflochtenen Korb, legte die Schlangen hinein, ohne daß diese sich sträubten, und schloß ihn darauf sorglich mit einem großen Stein.

»Jetzt kannst du ohne Furcht in meine Hütte treten, weißer Bruder! Bist du allein?«

»Nein, ich komme mit meinem Schiffskapitän, dem Bruder des Roten Korsaren!«

»Mit dem Schwarzen Korsaren? Da kann Maracaibo sich freuen!«

»Still, Mokko! Überlaß uns deine Hütte, und du wirst es nicht bereuen!«

Jetzt war der Korsar mit Stiller und dem Gefangenen hinzugetreten. Er grüßte den Neger mit einem Wink der Hand und wandte sich an Carmaux: »Ist das der Mann, der euch zur Flucht verholfen hat?«

»Ja, Kapitän!«

»Haßt er die Spanier?«

»Wie wir!«

»Und kennt er Maracaibo?«

»Wie wir Tortuga!«

Der Korsar betrachtete die mächtige Muskulatur des Afrikaners und sagte: »Er wird uns nützlich sein!«

Sein Blick schweifte in der Hütte umher. Als er in einer Ecke einen aus Baumzweigen roh hergestellten Stuhl fand, setzte er sich, um von der beschwerlichen Wanderung auszuruhen.

Indessen beeilte sich der Neger, den Fremden Gastfreundschaft zu erweisen. Er brachte Backwerk, das aus dem Mehl der Maniocaknollen hergestellt war, die im zerriebenen und zerdrückten Zustand ihre giftige Eigenschaft verlieren.

Außer aromatischen Goldbananen holte er Früchte des Flaschenbaums herbei, die wie Tannenzapfen aussahen und unter ihren Schuppen einen ausgezeichneten, weißlichen Saft enthielten. In einem ausgehöhlten Kürbis setzte er Pulque vor, ein der Agave entnommenes gegorenes Getränk.

Die drei Flibustier, die während der ganzen Nacht keinen Bissen zu sich genommen hatten, ließen sich das Frühstück schmecken. Sie gaben auch dem Gefangenen davon ab. Dann streckten sie sich sorglos auf einem Haufen frischer Blätter aus, die der Neger in die Hütte geschleppt hatte. Sie konnten ruhen, denn der Neger hielt indessen Wache.

Während des ganzen Tags rührte sich keiner von ihnen. Kaum aber war die Dunkelheit wieder angebrochen, da sprang der Korsar auf. Er blieb vor dem gefangenen Spanier stehen.

»Ich habe dir versprochen, dich leben zu lassen. Dafür mußt du mir sagen, ob ich unbeobachtet in den Palast des Gouverneurs gelangen kann!«

»Ihr wollt ihn ermorden?«

»Ermorden«, entgegnete der Flibustier zornig. »Ich töte nie durch Verrat.«

»Er ist alt, der Gouverneur, während ihr jung seid. Ihr würdet auch nicht in sein Zimmer gelangen, denn eine Menge Soldaten bewachen ihn und würden euch sofort verhaften.«

»Ich weiß, daß er mutig ist.«

»Wie ein Löwe!«

»Gut, ich werde ihn schon finden!«

Dann drehte er sich zu den beiden Bootsleuten um, die sich ebenfalls erhoben hatten, und sagte zu Stiller: »Du wirst hierbleiben und diesen Mann bewachen!«

»Würde nicht der Neger genügen, Kapitän?«

»Nein! Er ist stark wie Herkules und muß mir helfen! Komm, Carmaux, laß uns erst eine Flasche spanischen Weins in Maracaibo leeren!«

»Zu dieser Stunde, Kapitän?«

»Hast du Angst?«

»Mit Euch würde ich selbst in die Hölle fahren und Meister Beelzebub an die Nase fassen! Nur fürchte ich, daß wir entdeckt werden.«

Ein Lächeln umspielte die Lippen des Korsaren. »Wir werden sehen. Komm nur!« sagte er.

--

Ein Zweikampf zwischen vier Wänden

Obgleich Maracaibo nur zehntausend Einwohner zählte, war es in jener Zeit doch eine der wichtigsten Städte, die Spanien an der mexikanischen Goldküste besaß.

Durch die herrliche Lage am südlichen Ende der Bucht und nahe dem gleichnamigen See, der es mit dem Festland verband, hatte es schnell große Bedeutung erlangt, so daß es ein Stapelplatz aller Erzeugnisse Venezuelas wurde.

Die Spanier hatten es mit einer mächtigen Festung versehen und diese mit einer großen Zahl von Kanonen ausgestattet. Auch auf den beiden Inseln, die es von der Golfseite schützten, hatten sie starke Garnisonen angelegt, da man immer einen plötzlichen Einfall der gefürchteten Flibustier der Tortuga befürchtete.

Schon die ersten Abenteurer, die ihren Fuß auf jenes Ufer setzten, hatten dort schöne Häuser errichtet. Viele Paläste waren von spanischen Baumeistern erbaut worden, die in der Neuen Welt ihr Glück suchten. In den zahlreichen repräsentativen Gebäuden versammelten sich die reichen Bergwerksbesitzer, und hier tanzte man bei öffentlichen Festen den Fandango und Bolero.

Als die Flibustier und der Neger ohne Hindernisse in Maracaibo ankamen, waren die Straßen noch belebt und die Tavernen, wo man den spanischen Wein ausschenkte, noch voll, denn die Spanier verzichteten auch in ihren Kolonien nicht auf ihren heimatlichen Malaga und Jerez Sherry.

Der Schwarze Korsar hatte den Schritt verlangsamt. Den Filzhut tief über die Augen gezogen und fest in seinen Mantel gehüllt, obgleich der Abend noch warm war, beobachtete er aufmerksam die Straßen und Häuser, als ob er sie seinem Gedächtnis einprägen wollte.

Auf der Plaza de Granada, die den Mittelpunkt der Stadt bildete, blieb er, sich an eine Mauer lehnend, stehen, als ob ihn ein Schwächeanfall ergriffen hätte. Der Platz bot ein schreckliches Schauspiel: Fünfzehn Galgen waren im Halbkreis vor einem die spanische Flagge tragenden Palaste errichtet. Die Leichen, die daran hingen, waren alle barfuß, nur mit Fetzen bekleidet, mit Ausnahme einer einzigen, die hohe Wasserstiefel und einen feuerroten Anzug trug. Über die Galgen zogen kleine schwarzgefiederte Geier, die nur die Fäulnis jener Unglücklichen abzuwarten schienen, um sich auf die Leichname zu stürzen.

Carmaux hatte sich dem Korsaren genähert und sagte mit tiefer Bewegung: »Unsere Gefährten, Kapitän!«

»Ja, sie schreien nach Rache, und ich werde sie rächen!«

Schnell schüttelte der Kommandant die Rührung ab, die ihn übermannt hatte, und trat mit raschen Schritten in eine nahegelegene Posada ein. Es war ein Gasthaus, wo sich die Nachtkumpane zu versammeln pflegten, um noch einige Becher zu leeren. Dort setzte er sich an einen leeren Tisch. Da er stumm blieb, bestellte Carmaux Wein. »Gib aber von deinem besten Xeres!« rief er dem Wirt im reinsten Biskayer Dialekt zu. »Die Golfluft hat mir einen solchen Durst gemacht, daß ich deinen ganzen Keller austrinken könnte!«

Der Wirt eilte herbei und füllte drei Becher. Der Korsar rührte jedoch seinen nicht an. Er war in seine Gedanken vertieft.

Carmaux stieß den Neger an und sagte leise: »Er träumt von Sturmangriffen.«

Dann sah er sich neugierig um, und seine Blicke begegneten sechs mit gewaltig langen Navajas Navaja: sehr langer, säbelartiger Dolch bewaffneten Individuen, die ihn aufmerksam betrachteten.

»Wer sind die denn?« fragte er den Neger.

»Basken im Dienste des Gouverneurs.«

»Also Landsleute unter anderer Fahne. Bah, die schrecken mich nicht!«

Die Basken, die sich die Kehle mit einige Bechern Malaga angefeuchtet hatten, fingen jetzt an zu schwatzen. Sie sprachen so laut, daß Carmaux sie verstehen konnte.

»Habt ihr die Gehenkten gesehen?« fragte der eine.

»Ich bin extra dazu hergekommen«, antwortete der andere. »Diese Kanaillen bieten immer einen besonderen Anblick. Dem einen hängt die Zunge halb aus dem Munde. Man muß wirklich lachen!«

»Und dem Roten Korsaren hat man eine Zigarette in den Mund gesteckt«, sagte ein dritter.

»Und morgen will ich ihm einen Schirm in die Hand geben, damit er sich vor der Sonne schützen kann«, spöttelte ein anderer.

Plötzlich schlug Carmaux, der sich nicht mehr beherrschen konnte, mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser aneinanderklirrten.

Er war aufgesprungen, noch ehe der Kapitän daran dachte, sich einzumischen.

»Rayos de Dios!« rief er. »Schämt euch! Das ist ja ein schöner Beweis von Mut, sich über Tote lustig zu machen! Verhöhnt doch lieber die Lebenden!«

Die Trinker waren, überrascht von dem plötzlichen Wutausbruch des Unbekannten, aufgestanden und hatten die Hand an die Waffe gelegt.

»Wer seid Ihr, Caballero?« fragte einer von ihnen mit scheelem Blick.

»Ein guter Biskayer, welcher die Toten achtet, der aber den Lebenden auch Löcher in den Bauch treiben kann!«

Die Basken, die seine Antwort für Prahlerei hielten, brachen in lautes Gelächter aus.

»Ah, nehmt Ihr es so auf?« fragte Carmaux, blaß vor Wut.

Er schaute zum Korsaren hin, der unbeweglich sitzen geblieben war, als ob jener Zank ihn nichts anginge. Dann langte er mit der Hand nach dem anderen Tisch hinüber und warf denjenigen, der ihn gefragt hatte, zu Boden. Der Angegriffene hatte sich schnell wieder erhoben und zog seine Navaja aus dem Gürtel. Er wollte sich soeben auf Carmaux stürzen, aber der Neger, der bis dahin nur Zuschauer geblieben, sprang, auf einen Wink des Kapitäns, dazwischen, indem er drohend einen der schweren Stühle schwang.

»Zurück, oder ich bringe dich um!« rief er dem Bewaffneten zu.

Als die sechs Basken den schwarzen Riesen sahen, wichen sie zurück.

Zwanzig andere Gäste, die im Nebenzimmer den Lärm gehört hatten, eilten herbei. Darunter ein roher Kerl, der ein großes Schwert trug. Seine Brust war von einem alten Panzer aus Kordobafellen bedeckt. Die lange Feder seines breiten Hutes hing ihm bis auf die Schulter. Er war der Typ eines Raufboldes.

»Was geht hier vor?« schrie er, sein Schwert aus der Scheide ziehend.

»Was Euch nichts angeht, mein lieber Caballero«, antwortete Carmaux.

»Bei allen Heiligen!« brüllte der andere. »Man sieht, daß Ihr mich nicht kennt! Ich bin Don Gamara y Miranda, Graf von Badayos, Edler von Camargua und Viscont von ...«

»Von der Teufelsmauer!« ergänzte der Schwarze Korsar, der sich erhoben hatte und den Prahlhans fixierte. »Was wollt Ihr, Caballero, Graf, Marquis, Herzog usw.?«

Der Herr von Gamara wurde rot wie eine Päonie.

»Bei allen Hexen der Hölle! Wofür haltet Ihr mich denn? Etwa für einen Schurken, wie jene da drüben auf dem Granadaplatz, wo der rote Korsarenhund hängt?«

Nun stieg dem Schwarzen Korsaren das Blut ins Gesicht. Er hielt Carmaux zurück, der sich auf den Abenteurer stürzen wollte, warf jetzt Mantel und Hut ab und zog rasch sein Schwert.

»Der Hund bist du, und deine verdammte Seele wird den Gehenkten dort Gesellschaft leisten!«

Dann winkte er den Zuschauern, Raum zu geben, und stellte sich fest und sicher dem Großsprecher gegenüber, um mit ihm einen Zweikampf auszufechten.

Der Prahlhans hatte sich ebenfalls in Positur gestellt. Plötzlich aber fuhr er auf.

»Einen Augenblick, Caballero! Wenn man die Waffen kreuzt, hat man das Recht, den Namen des Gegners zu erfahren!«

»Ich bin von Adel. Genügt es Euch?«

»Nein, den Namen will ich wissen!«

»Ihr wollt es. Um so schlimmer für Euch! Aber kein anderer darf ihn erfahren.«

Er näherte sich dem Gegner und flüsterte einige Worte in sein Ohr.

Der Abenteurer hatte einen Ruf der Überraschung ausgestoßen und war mehrere Schritte zurückgewichen. Fast schien es, als wolle er das Geheimnis den Zuschauern verraten. Da fing der Schwarze Korsar sofort an, ihn zu reizen, ihn so zur Verteidigung zwingend.

Die Gäste hatten einen weiten Kreis um die Duellanten gebildet.

Der Neger und Carmaux standen in erster Reihe und schienen durchaus nicht besorgt um den Ausgang des Gefechtes zu sein. Letzterer kannte die Geschicklichkeit und Kraft des stolzen Korsaren.

Der Prahlhans hatte schon bei den ersten Schlägen bemerkt, daß sein Gegner entschlossen war, ihn, falls er sich eine Blöße gäbe, zu töten. Er wandte daher alle Finessen der Fechtkunst an, um die wie Hagel fallenden Streiche abzuwehren. Er war kein zu verachtender Gegner. Hoch von Statur, dick und robust, mit festem Puls und kräftigem Arm, konnte er lange Widerstand leisten. Leicht war es nicht, ihn zu ermüden.

Der schlanke, gewandte Kapitän gab ihm nicht einen Augenblick Ruhe, da er befürchtete, daß er die geringste Pause zum Verrat seines Namens ausnutzen würde. So zwang er ihn unausgesetzt, zu parieren. Die Spitze seines Degens blitzte überall auf, schlug die Waffe des andern, daß die Funken stoben.

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