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作者:德- Jonathan Swift 当前章节:15495 字 更新时间:2026-6-22 23:50

Nach diesem entscheidenden Schluß wagte ich die Bitte, man möge zwei bis drei Worte von mir anhören. Ich wandte mich an den König und gab Seiner Majestät die Versicherung, ich käme von einem Lande, in dem mehrere Millionen beider Geschlechter von meiner Gestalt und Größe lebten, wo Tiere, Bäume, Häuser in demselben Verhältnisse gestaltet seien und wo ich mich deshalb ebensogut verteidigen und ernähren könne wie irgendein Untertan Seiner Majestät in ihren Staaten, und dieses halte ich für eine genügende Antwort auf die Beweisführung der gelehrten Herren. Diese aber antworteten mir allein mit einem verächtlichen Lächeln und fügten dann noch hinzu, der Pächter habe mir in meiner Geschichte gehörigen Unterricht gegeben. Der König jedoch, ein verständiger Mann, entließ die Gelehrten und befahl, den Pächter herbeizurufen, der glücklicherweise die Stadt noch nicht verlassen hatte. Als dieser nun zuerst im geheimen befragt und dann mit seiner Tochter konfrontiert worden war, begann Seine Majestät unserem Bericht Glauben zu schenken. Er bat die Königin, Befehle zu geben, daß man mich mit besonderer Sorgfalt behandele, und war der Meinung, Glumdalclitch solle ihr Amt, mich zu warten, auch noch ferner behalten, weil er bemerkt habe, daß wir beide große Zuneigung zueinander hegten. Ein passendes Zimmer wurde dann für sie bei Hofe eingerichtet, sie erhielt eine Art Gouvernante, ein Kammermädchen zum Ankleiden und zwei Mägde zu geringeren Diensten; meine Wartung wurde aber ihr ausschließlich übertragen. Die Königin befahl ferner ihrem Hoftischler, eine Schachtel zu verfertigen, die mir zum Schlafzimmer dienen solle und über deren Modell ich mit Glumdalclitch übereinkommen müsse. Dieser Tischler war ein trefflicher Handwerksmann und vollendete unter meiner Anleitung in drei Wochen eine hölzerne Schachtel von sechzehn Quadratfuß Umfang und zwölf Fuß Höhe, Ziehfenstern, einer Tür und zwei kleineren Nebengemächern, wie dies bei den Schlafzimmern in London der Fall zu sein pflegt. Das Brett, das die Decke bildete, konnte mittels zweier Haspen befestigt und abgenommen werden, um ein fertiges und von den Tapezierern Ihrer Majestät mit Matratzen und Kissen versehenes Bett hineinzustellen, das Glumdalclitch, um es zu lüften, täglich herausnahm und, nachdem sie es mir mit eigener Hand gemacht hatte, wieder hineinstellte, worauf sie dann das Dach über meinem Haupte schloß. Ein geschickter Tischler, der wegen seines künstlichen Spielzeugs berühmt war, unternahm die Verfertigung zweier Stühle mit Seiten- und Rückenlehnen aus einem dem Elfenbein ähnlichen Stoffe sowie auch von zwei Tischen und einem Schrank, in den ich meine Sachen hineinlegen konnte. Das Zimmer war an allen Seiten sowie auf dem Fußboden und an der Decke gepolstert, um irgendein Unglück zu verhüten, das durch die Sorglosigkeit derer entstehen könnte, die mit meinem Transport beauftragt waren, sowie auch, um die Stärke der Erschütterung zu mildern, wenn ich in einer Kutsche fuhr. Auch bat ich um ein Schloß für meine Türe, um zu verhindern, daß Ratten und Mäuse hinein kämen. Der Schmied verfertigte nach mehreren Versuchen das kleinste Schloß, das jemals in Brobdingnag gesehen wurde, und ich selbst habe in England kein größeres an einem Haustore gesehen. Ich versuchte es, den Schlüssel in meiner eigenen Tasche zu verwahren, denn ich befürchtete, Glumdalclitch möchte ihn verlieren. Die Königin befahl, auch das dünnste Seidenzeug herbeizuschaffen, um mir Kleider verfertigen zu lassen, die viel dicker als eine englische Bettdecke und mir im Anfang lästig waren, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Die Kleider waren nach der Mode des Königreichs zugeschnitten und ähnelten teilweise der chinesischen und teilweise der persischen, waren aber ein sehr ernstes und würdevolles Kostüm.

Die Königin fand so viel Behagen an meiner Gesellschaft, daß sie ihr Mittagsmahl nicht ohne mich halten konnte. Ein Tisch für mich nebst einem Stuhl wurde auf die Tafel gesetzt, wo Ihre Majestät speiste, und Glumdalclitch stand auf einem Schemel nahe bei meinem Tische, um mir zu helfen und aufzuwarten. Ich hatte ein vollständiges Silberservice von Schüsseln und Tellern sowie anderen Gerätschaften, das im Verhältnis zum Service der Königin nicht größer war als Spielzeug der Art, wie ich es in London bei einem Kaufmann zur Möblierung eines Puppenhauses gesehen habe. Meine liebe Wärterin verwahrte diese Geräte in ihrer Tasche, und zwar in einer kleinen silbernen Schachtel, und reichte sie mir beim Essen, sobald ich ihrer bedurfte, nachdem sie zuvor von ihr selbst gereinigt worden waren. Niemand speiste mit der Königin als die zwei königlichen Prinzessinnen, wovon die eine sechzehn und die andere dreizehn Jahre und einen Monat alt war. Ihre Majestät legte gewöhnlich ein Stück Fleisch auf meine Schüssel, das ich mir selbst zerschnitt, und sie fand Vergnügen daran, mich so in Miniatur essen zu sehen; sie selbst (und sie hatte wirklich nur einen schwachen Magen) nahm auf einen Bissen so viel in den Mund, wie zwölf englische Pächter in einer Mahlzeit nicht essen können, ein Umstand, der mir anfangs sehr abstoßend vorkam. Sie pflegte den Flügel einer Lerche, Knochen und Fleisch, mit den Zähnen zu zerreißen, obgleich er neunmal größer war als der eines gemästeten welschen Hahnes; ihre Bissen Brot waren sogar so groß wie ein Dreigroschenlaib. Sie trank aus einem goldenen Becher, und bei jedem Schluck eine Menge, die dem Umfang eines Bierfasses gleichkam. Ihr Messer war so lang wie eine auf dem Stiel geradegebogene Sense. Löffel, Gabel und anderes Gerät zeigten dasselbe Verhältnis. Wie ich mich erinnere, war ich einst neugierig, eine Tafel bei Hofe zu sehen, und Glumdalclitch trug mich deshalb zu einer hin, bei der ein Dutzend dieser ungeheuren Messer und Gabeln in Bewegung gesetzt wurden. Ich muß aber gestehen, daß ich zuvor nie einen so furchtbaren Anblick gesehen habe.

Es ist Hofsitte, daß der König, die Königin und die königlichen Prinzen beider Geschlechter an jedem Mittwoch, der, wie gesagt, in Brobdingnag als Sonntag gilt, in den Zimmern des Königs, dessen Gunst ich in hohem Maße erlangt hatte, zusammen speisen; dann wurden mein kleiner Stuhl und Tisch ihm zur Linken neben einem Salzfaß hingestellt. Dieser Fürst fand viel Vergnügen an meiner Unterhaltung und erkundigte sich nach den Sitten, der Religion, den Gesetzen, der Regierung und der Gelehrsamkeit in Europa, worüber ich ihm dann einen so vollständigen Bericht abstattete, wie es mir möglich war. Sein Verstand war so klar und seine Urteilskraft so ausgezeichnet, daß er sehr verständige Bemerkungen über alles, was ich sagte, äußerte. Ich bemerke jedoch, daß ich einmal über mein geliebtes Vaterland, unsere See-und Landkriege, unsere Religionsspaltungen und politischen Parteien sehr weitläufig sprach; da aber wirkten die Vorurteile seiner Erziehung so stark, daß er mich auf seine rechte Hand nahm, herzlich auflachte, mir mit der anderen Hand einen sanften Schlag gab und mir die Frage vorlegte, ob ich Whig oder Thory sei. Dann wandte er sich zu seinem Premierminister, der mit einem weißen Stabe ehrerbietig hinter seinem Stuhle stand (dieser Stab war so lang wie der Hauptmast des englischen Linienschiffes »Royal Sovereign«), und sagte, wie verächtlich doch die Menschengröße sein müsse, da solche Diminutivinsekten wie ich sie nachahmen könnten. Ja, ja, sagte er, diese Geschöpfe haben gewiß ihre besonderen Titel und Rangunterschiede; sie bringen kleine Nester und Kaninchenbaue zustande, die sie Häuser und Städte nennen; sie paradieren mit Kleidern und Equipagen; sie lieben, kämpfen, zanken, betrügen und verraten. In dieser Weise sprach er längere Zeit, während ich voll Unwillen die Farbe wechselte, als ich mein edles Vaterland, so ausgezeichnet durch Künste und Waffen, die Geißel Frankreichs und die Gebieterin Europas, den Sitz der Tugend, Frömmigkeit, Ehre, Wahrheit, den Stolz und den Neid der Welt, so verächtlich behandeln und verlästern hörte. Da ich mich nun aber nicht in der Lage befand, Beleidigungen zu rächen, so begann ich nach reiflicher Überlegung zu begreifen, daß ich überhaupt nicht beleidigt sei. Weil ich nämlich schon mehrere Monate an den Anblick und das Gespräch mit diesen Leuten gewöhnt war und jeden Gegenstand, worauf mein Blick fiel, nach seiner verhältnismäßigen Größe betrachtete, so war der Schauder, den ich zuerst wegen ihrer Größe empfand, so weit verschwunden, daß ich eine Gesellschaft von englischen Lords und Damen in vollem Putz zu sehen glaubte, die auf die feinste Weise ihre Rollen im Sichbrüsten, Verbeugen und Schwatzen spielten. Um die Wahrheit zu reden, ich kam mehreremal in Versuchung, über sie ebenso zu lachen, wie der König nebst seinen Großen über mich spottete. Auch konnte ich es nicht unterlassen, über mich selbst zu lächeln, wenn die Königin mich auf ihrer Hand vor einen Spiegel hielt, so daß unsere beiden Gestalten in voller Größe von diesem wiedergegeben wurden; nichts hätte dann so albern sein können wie ein Vergleich zwischen uns, und es schien mir wirklich, meine Gestalt sei um mehrere Grade zusammengeschrumpft.

Niemand ärgerte und kränkte mich jemals so sehr wie der Zwerg der Königin. Da dieser nämlich so klein war, wie man bisher noch niemand im Lande gesehen hatte (ich glaube wirklich, daß er nicht höher als dreißig Fuß war), wurde er so unverschämt, als er ein noch unter ihm stehendes Geschöpf erblickte, daß er sich stets zu blähen und großzutun pflegte, sooft er im Vorzimmer an mir vorüberging, während ich auf dem Tische stand und mich mit den Herren und Damen unterhielt. Dann unterdrückte er selten einige spitze Worte über meine Kleinheit. Ich rächte mich an ihm dadurch, daß ich ihn Bruder nannte, ihn zum Ringen herausforderte und ihm Erwiderungen gab, wie sie im Munde der Hofpagen üblich sind. Eines Tages war diese boshafte, junge Katze über etwas, das ich ihm sagte, so verdrießlich, daß er auf die Seitenlehne des Armstuhls Seiner Majestät kletterte, mich um die Mitte meines Leibes packte, als ich, ohne an Arges zu denken, ruhig dasaß, in eine silberne Schale voll Milch hineinwarf und dann so schnell wie möglich fortlief. Ich kam mit dem Kopfe unter die Oberfläche der Milch, und wäre ich kein guter Schwimmer gewesen, so hätte es mir schlimm ergehen können. Glumdalclitch befand sich damals gerade am anderen Ende des Zimmers, und die Königin war so erschrocken, daß es ihr an Geistesgegenwart fehlte, mir zu helfen. Allein meine kleine Wärterin lief herbei, um mich zu retten, und zog mich heraus, nachdem ich ungefähr ein Quart Milch verschluckt hatte. Ich wurde zu Bett gebracht, erlitt jedoch keinen anderen Schaden, als daß mein Anzug vollkommen verdorben war. Der Zwerg wurde tüchtig gepeitscht und mußte außerdem zur Strafe die Milch, in die er mich geworfen, austrinken; auch erhielt er nie wieder die Gunst der Königin, und Ihre Majestät verschenkten ihn bald darauf zu meiner großen Freude an eine Frau von hohem Stande, sonst würde der boshafte Kobold seine Rache sicherlich bis zum Äußersten getrieben haben.

Schon früher spielte er mir einen Streich, über den die Königin lachen mußte, obgleich sie sich zugleich herzlich darüber ärgerte und ihn auf der Stelle kassiert haben würde, wenn ich nicht so großmütig gewesen wäre, Fürsprache für ihn einzulegen. Ihre Majestät hatten einen Markknochen auf ihren Teller genommen und stellte diesen, nachdem sie ihn vom Marke geleert, wieder aufrecht in die Schüssel, wie er zuerst gestanden hatte. Der Zwerg nun benutzte einen Augenblick, wo Glumdalclitch an den Kredenztisch gegangen war, stieg auf den Schemel, auf dem meine Wärterin, um beim Essen zu bedienen, vorher gestanden, packte mich mit beiden Händen, drückte meine Beine zusammen und quetschte sie in den Markknochen bis über meinen Leib hinein, wo ich dann einige Zeit steckenblieb und eine sehr lächerliche Figur machte. Ich glaubte, man wußte eine ganze Minute lang überhaupt nicht, was aus mir geworden war, denn ich glaubte, es sei unter meiner Würde, laut aufzuschreien. Da aber alle Gerichte nur selten warm auf eine fürstliche Tafel gebracht werden, wurde die Haut meiner Schenkel nicht verbrannt, und nur die Strümpfe und die Beinkleider gerieten in einen schlimmen Zustand. Der Zwerg erhielt auf meine Bitte keine andere Strafe als eine genügende Anzahl derber Peitschenhiebe.

Die Königin spottete häufig über meine Furchtsamkeit und fragte mich gewöhnlich, ob alle Leute in meinem Vaterland dieselbe Feigheit wie ich besäßen. Die Veranlassung war folgende: Das Königreich wird im Sommer sehr durch Fliegen überschwemmt, und die verhaßten Insekten, von der Größe einer Lerche, gönnten mir durch ihr ewiges Summen an meinen Ohren keinen Augenblick Ruhe; oft setzten sie sich auf meine Nahrung und ließen dort ihren ekelhaften Unrat und ihre Eier zurück, die mir, aber nicht den Eingeborenen des Landes, sichtbar waren, weil diese für kleinere Gegenstände kein scharfes Gesicht besitzen. Bisweilen setzten sie sich mir auf Nase und Stirn und beängstigten mich dadurch bis zum äußersten, denn zugleich stanken sie auch auf höchst ekelhafte Weise; ich konnte sogar jene klebrige Materie genau sehen, die diese Geschöpfe, nach Behauptung unserer Naturforscher, instand setzt, an den Zimmerdecken einherzuspazieren. Die Abwehr dieser verabscheuungswürdigen Tiere kostete mich viel Mühe, und es war mir unmöglich, nicht zurückzufahren, sobald sie auf mein Gesicht zuflogen. Der Zwerg spielte mir gewöhnlich den Streich, daß er eine Anzahl Insekten, wie Schulknaben bei uns, mit der Hand fing und sie dann plötzlich unter meine Nase fliegen ließ, um mich zu erschrecken und die Königin zu amüsieren. Mein Gegenmittel bestand aber darin, daß ich sie, während sie in der Luft flogen, mit meinem Messer zerschnitt, und da ich mir viel Gewandtheit in diesem Verfahren erwarb, habe ich auch zugleich viele Bewunderung damit erregt.

Wie ich mich erinnere, hatte Glumdalclitch mich einst in der Schachtel vor ein offenes Fenster hingesetzt, was sie an schönen Tagen, damit ich frische Luft schöpfte, zu tun pflegte. Ich wagte es nämlich nie, meine Schachtel an einen Nagel außerhalb des Fensters hinhängen zu lassen, wie dies bei uns in England mit Käfigen gemacht wird. Ich schob eines meiner Fenster in die Höhe und setzte mich an einen Tisch, um ein Stück süßen Kuchen zum Frühstück zu verzehren. Da aber drangen zwanzig Wespen, durch den Geruch herbeigelockt, in das Zimmer und brummten dabei lauter als ebenso viele Maultrommeln oder Dudelsäcke. Einige von ihnen ergriffen meinen Kuchen und trugen ihn stückweise fort, andere flogen mir um Kopf und Gesicht, betäubten mich mit ihrem Geräusch und versetzten mich in die äußerste Furcht vor ihren Stacheln. Ich hatte jedoch den Mut aufzustehen, mich mit dem Messer zu verteidigen und sie in der Luft anzugreifen. Vier wurden von mir getötet, die übrigen flogen fort, und ich schloß mein Zimmer. Diese Insekten waren so groß wie Rebhühner; ich zog die Stacheln aus den Leichen und fand, daß sie anderthalb Zoll lang und so scharf wie Nadeln waren. Ich habe sie sämtlich mit Sorgfalt aufbewahrt, zeigte sie nach meiner Rückkehr mit anderen Merkwürdigkeiten in mehreren Teilen von Europa, schenkte drei Stacheln der Schule von Gresham und behielt den vierten für mich selbst.

Viertes Kapitel

Beschreibung des Landes. Ein Vorschlag, neuere Landkarten zu verbessern. Der Palast des Königs und einige Berichte über die Hauptstadt. Des Verfassers Art zu reisen. Beschreibung des Haupttempels.

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