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作者:德- Jonathan Swift 当前章节:15814 字 更新时间:2026-6-22 23:50

Ferner: da die Klage allgemein ist, daß Günstlinge der Fürsten ein schwaches und kurzes Gedächtnis besitzen, sollte jeder, der bei einem Ersten Minister Audienz habe, nachdem er sein Geschäft mit der größten Kürze und Deutlichkeit vorgetragen, wenn er wieder gehe, dem Minister einen Nasenstüber oder einen Schlag auf den Bauch geben oder ihn auf einen Leichdorn treten oder ihn dreimal am Ohr zwicken oder eine Nadel in seine Beinkleider stecken oder seinen Arm braun und blau kneipen. Um ferner Vergeßlichkeit zu verhindern, müsse die Operation bei jeder Audienz wiederholt werden, bis das Gesuch erfüllt oder gänzlich abgeschlagen wäre.

Der Doktor gab ferner den Rat: Jeder Deputierte einer Nationalversammlung solle, nachdem er seine Meinung ausgesprochen und verteidigt habe, seine Stimme für die entgegengesetzte Behauptung abgeben. Geschehe dies, so würde das Resultat unfehlbar zum Vorteil des Staates ausfallen.

Wenn Parteiwut in einem Staate zu heftig würde, so sei ein wunderbares Mittel in Anwendung zu bringen, damit der Frieden wiederhergestellt werde. Die Methode ist folgende: Man nimmt ungefähr hundert Parteiführer und stellt sie paarweise, nach Ähnlichkeit ihrer Schädel, auf. Dann sägt ein geschickter Operateur den Schädel eines jeden zu derselben Zeit und in solcher Weise ab, daß er das Gehirn auf gleiche Weise teilt. Dann werden die abgesägten Teile des Hirnschädels vertauscht, indem der Tory den eines Whigs erhält und umgekehrt. Allerdings scheint dies Verfahren eine große Geschicklichkeit zu erfordern. Der Professor gab uns jedoch die Versicherung, der Erfolg werde unfehlbar sein, wenn die Operation nur auf geschickte Weise ausgeführt würde. Seine Schlußfolgerung war so: Da die beiden Gehirne dann in einem Schädel die Sache unter sich ausmachen, werden sie sich sehr bald gegenseitig verständigen und dadurch jene Mäßigung und regelrechte Denkmethode bei denen bewirken, die einzig zu dem Zwecke in die Welt gekommen zu sein glauben, damit sie ihre Bewegung überwachen und leiten. Was nun die Verschiedenheit der Gehirne in Quantität und Qualität betreffe, so versicherte uns der Doktor, dies sei kein sehr wichtiger Umstand.

Ich hörte eine heftige Debatte zweier Professoren über die bequemste und wirksamste Weise, Steuern zu erheben, ohne den Untertanen lästig zu werden. Der erste behauptete: Die gerechteste Methode werde darin bestehen, wenn man Laster und Torheit besteure; die Summe für jeden müsse dann aufrichtig durch eine Jury bestimmt werden, die aus seinen Nachbarn zusammengesetzt würde. Der zweite war durchaus der entgegengesetzten Meinung: Man müsse diejenigen Eigenschaften des Körpers und der Seele besteuern, worauf die Menschen hauptsächlich eitel wären; man müsse geringere oder höhere Abgaben nach dem Verhältnis der Eitelkeit bestimmen; einem jeden müsse die Entscheidung in diesem Punkte überlassen bleiben. Die höchste Abgabe müsse von Männern bezahlt werden, die große Günstlinge des anderen Geschlechts seien, und zwar nach Verhältnis der Zahl und der Natur aller Gunstbezeigungen, die sie erhalten hätten. Hierbei solle ihnen erlaubt sein, Zeugnis für sich selbst abzulegen. Witz, Tapferkeit und Höflichkeit solle ebenfalls hoch besteuert werden, wobei dann die Abgaben in derselben Art eingezogen werden müßten; indem nämlich jeder Mann die Quantität, die er besitze, auf sein Ehrenwort angebe. Ehre, Gerechtigkeit, Weisheit und Gelehrsamkeit sollen jedoch nicht besteuert werden, weil es Eigenschaften sind, die keiner seinem Nebenmenschen zugestehen oder bei sich selbst bedeutend schätzen wird.

Die Weiber müßten ferner im Verhältnis ihrer Schönheit und ihrer Geschicklichkeit, sich zu putzen, besteuert werden und dabei dasselbe Privileg wie die Männer besitzen, das heißt, sie müssen den Grad der Eigenschaften selbst bestimmen; Beständigkeit, Keuschheit, Verstand und Gutmütigkeit sollten jedoch in die Steuerliste nicht aufgenommen werden, weil sie die Kosten des Steuererhebens nicht einbringen würden.

Damit die Parlamentsmitglieder ihre Stimme stets im Interesse der Krone abgeben, wurde der Vorschlag gemacht, sie sollten um Staatsämter würfeln. Jeder müsse zuvor schwören und Bürgschaft leisten, nach dem Willen des Hofes zu votieren, er möge gewinnen oder verlieren; dafür erhalten die, welche verlieren, auch die Freiheit, bei der nächsten Vakanz wieder zu würfeln. So würden Hoffnung und Erwartung fortwährend rege erhalten; keiner würde sich über gebrochene Versprechen beklagen, sondern jede Vereitlung seiner Hoffnungen ausschließlich der Fortuna zur Last legen, deren Schultern breiter und stärker als die eines Ministers seien. Ein anderer Professor hielt ein großes Papier voll Anleitungen, Komplotte und Verschwörungen gegen die Regierung zu entdecken, in der Hand. Er riet allen großen Staatsmännern, die Diät verdächtiger Personen zu erforschen; sich nach ihrer Essenszeit und nach der Seite zu erkundigen, auf die sie sich des Nachts im Bett legten; mit welcher Hand sie sich abwischten; ihre Exkremente hinsichtlich des Geschmacks, der Farbe, des Geruchs, der Konsistenz, zu früher oder zu später Verdauung zu untersuchen, um sich so ein Urteil über ihre Gedanken und Absichten zu bilden; nie seien die Menschen so ernsthaft, gedankenvoll und nur mit sich beschäftigt, wie wenn sie zu Stuhle gingen; er wisse dies aus eigener Erfahrung; unter diesen Konjunkturen habe er selbst des Versuchs halber an Königsmord gedacht und bemerkt, seine Exkremente hätten eine galligtere Farbe, als wenn er nur über Aufstände und Verbrennung der Hauptstadt nachgesonnen habe.

Die ganze Abhandlung war mit vielem Scharfsinn geschrieben und enthielt manche für Politiker höchst merkwürdige Beobachtungen; sie war aber, wie ich glaubte, nicht ganz vollständig. Eine Äußerung der Art erlaubte ich mir gegen den Verfasser und stellte ihm den Antrag, mit seiner Genehmigung noch einige Zusätze zu machen. Er nahm meine Vorschläge mit größerer Bereitwilligkeit auf, als sonst bei Schriftstellern gewöhnlich ist, besonders bei denjenigen, die in das Gebiet des Projektierens hineinstreifen, und erklärte mir, fernere Belehrung werde er mit dem größten Vergnügen annehmen.

Hierauf erzählte ich ihm, im Königreich Tribnia, das von den Eingeborenen Langden genannt wird und wo ich früher auf meinen Reisen einige Zeit verweilte, bestehe die größere Masse des Volkes aus Angebern, Zeugen, Spionen und Eidesleistern nebst dienenden und subalternen Werkzeugen, die sämtlich unter den Fahnen, der Leitung und Besoldung der Staatsminister und ihrer Beamten ständen. Die Verschwörungen in jenem Königreich seien gewöhnlich die Schöpfung der Personen, die sich einen Ruf als große Politiker machen wollten; oder sie seien erregt, um eine gebrechliche Regierung aufrechtzuerhalten, oder damit jene ihre Koffer mit Konfiskationen füllten oder den Staatskredit sinken und steigen ließen, wie es ihrem Privatvorteil angemessen sei. Zuerst wird bestimmt, welche verdächtige Personen einer Verschwörung angeklagt werden sollen; dann trägt man Sorge, alle ihre Briefe und Papiere zu untersuchen und die Eigentümer davon in Ketten zu schmieden. Diese Papiere werden einer Künstlergilde übergeben, die sehr geschickt ist, die geheimnisvolle Bedeutung der Worte, Silben und Buchstaben zu enträtseln; zum Beispiel finden sie heraus: Ein Nachtstuhl bedeute einen Geheimen Rat; eine Herde Gänse eine Staatsversammlung; ein lahmer Hund einen Feind, der einen Angriff von außen beabsichtigt; eine Pest ein stehendes Heer; ein Maikäfer einen Premierminister; das Podagra einen Hohenpriester; ein Galgen einen Staatssekretär; ein Nachttopf einen Ausschuß von Lords; ein Sieb eine Hofdame; ein Besen eine Revolution; eine Mausefalle ein öffentliches Amt; ein bodenloser Brunnen eine Schatzkammer; ein Abzugskanal einen Hof; eine Narrenkappe einen Günstling; ein zerbrochenes Rohr einen Gerichtshof; ein leeres Faß einen General; eine offene Wunde die Staatsverwaltung.

Ist diese Methode nicht genügend, so werden zwei andere von größerer Wirksamkeit in Anwendung gebracht, die bei den Gelehrten mit dem Namen Akrostichen und Anagramme bezeichnet werden. Erstens können sie in allen Anfangsbuchstaben eine politische Bedeutung dechiffrieren. So soll N eine politische Verschwörung, B ein Kavallerieregiment, L eine Flotte zur See bedeuten, oder man versetzt den Buchstaben in einem verdächtigen Papier und entdeckt so die tiefsten Pläne einer unzufriedenen Partei. Wenn ich zum Beispiel schreibe: Unser Bruder Tom hat einen Hämorrhoidalknoten, so kann das auf folgende Weise dechiffriert werden: Wir haben ein Komplott organisiert, das (durch Hämorrhoidalknoten bezeichnet) bald ausbrechen wird.

Der Professor bezeigte mir die größte Dankbarkeit für meine Mitteilungen und versprach mir, diese auf ehrenvolle Weise in seinem Traktate zu erwähnen.

Ich sah in dem Lande nichts weiter, was mich zum längeren Bleiben hätte bewegen können, und begann deshalb an meine Rückkehr nach England zu denken.

Siebentes Kapitel

Der Verfasser verläßt Lagado und kommt in Maldonado an. Kein Schiff liegt dort bereit. Er macht eine kurze Reise nach Glubdubdrib. Sein Empfang beim Gouverneur.

Landwärts dehnt sich das Festland, dessen Teil dieses Königreich bildet, nach allem, was ich bemerkt habe, gegen Osten hin aus, und zwar nach dem unbekannten, westwärts von Kalifornien liegenden Teile Amerikas zu. Nördlich reicht es an den Stillen Ozean, der ungefähr nur fünfundsiebzig Stunden von Lagado entfernt ist. Dort befindet sich ein guter Hafen, wo viel Handel mit der großen Insel Luggnagg betrieben wird, die im neunundzwanzigsten Grad nördlicher Breite und im hundertundvierzigsten der Länge nordwestlich liegt. Die Insel Luggnagg erhebt sich aus dem Meere südöstlich von Japan und ist ungefähr hundert Stunden davon entfernt. Zwischen dem Kaiser von Japan und dem Kaiser von Luggnagg besteht ein festes Bündnis, so daß man häufig von einer Insel zur anderen reisen kann. Ich beschloß deshalb, mich dorthin zu begeben, um nach Europa zurückkehren zu können. Ich mietete zwei Maulesel und einen Führer, der mir den Weg weisen und mein kleines Gepäck tragen sollte. Ich nahm Abschied von meinem edlen Beschützer, der mir so viele Gunstbezeigungen erwiesen hatte und bei meiner Abreise mir noch ein kostbares Geschenk machte.

Meine Reise war ohne Abenteuer oder Ereignis, das des Erzählens wert wäre. Als ich im Hafen von Maldonado ankam (das ist der Name), fand ich kein Schiff segelfertig, das nach Luggnagg bestimmt war. Auch war es unwahrscheinlich, daß bald ein Fahrzeug ankommen würde. Die Stadt ist so groß wie Portsmouth. Ich machte bald einige Bekanntschaften und ward sehr gastfrei aufgenommen. Ein Herr von höherem Stande sagte mir: Da Schiffe nach Luggnagg erst in einem Monate absegeln würden, möchte es mir keine unangenehme Unterhaltung gewähren, eine kleine Reise nach der Insel Glubdubdrib zu machen, die ungefähr fünf Stunden entfernt südwestlich liege. Er und einer seiner Freunde machten mir den Vorschlag, mich zu begleiten und ein passendes Fahrzeug für die Reise zu beschaffen.

Glubdubdrib bedeutet, soweit ich die Sprache verstehe, eine Insel von Hexenmeistern und Zauberern. Sie ist ungefähr ein Drittel so groß wie die Insel Wight, zugleich sehr fruchtbar, und wird von dem Haupte eines Stammes regiert, der ausschließlich aus Zauberern besteht. Die Mitglieder dieses Stammes verheiraten sich nur untereinander, und der älteste Sohn wird stets der Fürst oder Gouverneur. Er besitzt einen herrlichen Palast und einen Park von ungefähr dreihundert Morgen, der von einer zwanzig Fuß hohen Mauer aus gehauenem Stein umgeben ist. In diesem Parke befinden sich kleine Einfriedigungen für Viehweiden, Kornfelder und Gärten.

Der Gouverneur und seine Familie werden von einem etwas sonderbaren Gesinde bedient. Durch seine Geschicklichkeit in der Zauberkunst wird er in den Stand gesetzt, jede Person von den Toten zu zitieren und ihren Dienst auf vierundzwanzig Stunden, jedoch nicht länger, in Anspruch zu nehmen; auch darf er dieselbe Person erst nach drei Monaten wieder zitieren, wenn sich nicht eine ganz außerordentliche Gelegenheit darbietet.

Als wir gegen elf Uhr morgens an der Insel gelandet waren, ging einer der Herren, die mich begleiteten, zum Gouverneur und bat um Audienz für einen Fremden, der zu dem Zwecke gekommen sei, um diese Ehre von Seiner Hoheit zu erlangen. Die Bitte wurde sogleich gewährt, und wir gingen alle drei in das Hoftor durch eine Reihe von Garden, die nach sehr altmodischer Weise gekleidet und bewaffnet waren und einen Schauder in mir erweckten, den ich nicht auszudrücken vermag. Wir kamen durch mehrere Zimmer, wo sich Diener derselben Art befanden, die reihenweise aufgestellt waren, bis wir in den Audienzsaal gelangten. In diesem wurde uns nach drei tiefen Verbeugungen und einigen allgemeinen Fragen die Erlaubnis erteilt, uns auf drei Stühlen neben dem Throne Seiner Hoheit niederzusetzen.

Dieser Fürst verstand die Sprache von Balnibarbi, obgleich sie von der dieser Insel verschieden war. Er bat mich, ihm einen Bericht von meinen Reisen zu geben; und um mir zu zeigen, daß er sich mit mir auf vertrauten Fuß stelle, entließ er alle seine Begleiter mit einem Winke seines Fingers, die denn auch augenblicklich verschwanden wie Visionen eines Traumes. Einige Zeitlang war ich sehr bestürzt, bis mir der Gouverneur die Versicherung gab, ich werde keinen Schaden erleiden; und als ich nun auch bemerkte, daß meine beiden Gefährten, die schon oft in dieser Art unterhalten worden waren, durchaus gleichgültig blieben, fing ich an, wieder Mut zu fassen, und erzählte Seiner Hoheit meine Abenteuer; jedoch hatte ich noch immer Bedenken und sah mich häufig nach dem Platz um, wo ich die gespenstischen Bedienten erblickt hatte.

Ich hatte die Ehre, mit dem Gouverneur zu speisen, wo dann eine neue Reihe Geister das Essen auftrug und bei Tische aufwartete. Jetzt bemerkte ich schon, daß ich weniger erschrak als am Morgen. Ich blieb bis Sonnenuntergang und bat untertänig, Seine Hoheit möge entschuldigen, wenn ich seine Einladung, im Palaste zu schlafen, nicht annehmen könne. Meine Freunde schliefen mit mir in einem Privathause der nahen Stadt, welche die Hauptstadt dieser kleinen Insel ist. Am nächsten Morgen nahmen wir uns aber die Freiheit, dem Gouverneur wieder unsere Aufwartung zu machen, wie er die Güte gehabt hatte, uns zu befehlen.

Auf diese Weise blieben wir zehn Tage auf der Insel, indem wir beinahe täglich beim Gouverneur und des Nachts in unserer Wohnung waren. Ich wurde bald mit dem Anblick der Geister so vertraut, daß sie nach dem dritten- oder viertenmal durchaus keinen Eindruck mehr auf mich machten, oder wenn dies auch noch stattfand, so war meine Neugier doch zuletzt überwiegend. Seine Hoheit befahl mir nämlich, alle Personen in beliebiger Zahl unter allen Toten von Anfang der Welt bis gegenwärtig, wie es mir gerade einfiel, zu nennen. Er werde ihnen befehlen, alle Fragen, wozu ich Lust hätte, zu beantworten, unter der Bedingung, daß die Fragen auf die Zeit, worin jeder Tote gelebt hätte, beschränkt blieben. Ich könne mich auf eins genau verlassen, daß sie mir die Wahrheit sagen würden, da das Lügen in der anderen Welt durchaus nichts helfe.

Ich dankte Seiner Hoheit auf die verbindlichste Weise für eine so große Gnadenbezeigung. Wir befanden uns in einem Zimmer, von wo wir eine schöne Aussicht in den Park genossen. Weil nun meine erste Neigung dahin zielte, mich mit Szenen des Pompes und der Pracht unterhalten zu lassen, so wünschte ich, Alexander den Großen an der Spitze seines Heeres nach der Schlacht bei Arbela zu sehen, der denn auch sogleich auf eine Bewegung des Fingers von seiten des Gouverneurs unter dem Fenster, wo wir standen, erschien.

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