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作者:德- Jonathan Swift 当前章节:15415 字 更新时间:2026-6-22 23:50

Die Hauyhnhnms gebrauchen den hohlen Teil ihres Vorderfußes, zwischen dem Hufe und dem Fußgelenk, in derselben Weise wie wir unsere Hände, und zwar mit größerer Geschicklichkeit, als ich zuerst glauben konnte. Ich habe gesehen, wie eine weiße Stute aus unserer Familie mit diesem Gelenke eine Nadel einfädelte, die ich ihr zu dem Zwecke geliehen hatte. Auf dieselbe Weise melken sie ihre Kühe, ernten sie ihren Hafer und verrichten jede Arbeit, die eine Hand erfordert. Sie haben ferner eine Art Feuerstein, den sie durch Schleifen an anderen Steinen zu Instrumenten herrichten, deren sie sich als Keile, Äxte und Hämmer bedienen. Mit Werkzeugen aus diesen Feuersteinen schneiden sie auch das Heu und den Hafer ab, der auf ihren Feldern wächst; dann ziehen Yähus die Garben auf Wagen nach Hause, und die Diener treten in geeigneten Hütten so lange darauf, bis das Korn herausgedroschen ist, das dann aufbewahrt wird. Sie verfertigen ferner eine rohe Art hölzerner und irdener Gefäße und trocknen letztere an der Sonne.

Wenn die Hauyhnhnms zufällige Unglücksfälle vermeiden können, so sterben sie nur im höchsten Alter und werden dann an den dunkelsten Orten, die man finden kann, begraben, wobei Freunde und Verwandte weder Kummer noch Freude zeigen. Auch äußert die sterbende Person nicht den geringsten Schmerz, daß sie die Welt verlassen muß, sondern zeigt eine Stimmung, als kehre sie von einem Besuche bei Nachbarn nach Hause zurück. Ich erinnere mich, daß mein Herr mit einem Freunde und dessen Familie einst die Verabredung getroffen hatte, in seinem Hause eine wichtige Angelegenheit zu besprechen. An dem festgesetzten Tage kam die Gemahlin des Freundes mit ihren zwei Kindern, jedoch sehr spät. Sie brachte zwei Entschuldigungen vor. Die erste betraf ihren Mann, der, wie sie sagte, den Morgen gerade Shnuwnh wäre; dieses Wort ist sehr ausdrucksvoll in der Sprache und läßt sich nicht leicht ins Englische übersetzen. Es bedeutet: sich zu seiner ersten Mutter zurückzuziehen. Die zweite Entschuldigung, weil sie nicht früher kam, betraf sie selbst. Als ihr Mann spät am Morgen gestorben sei, habe sie sich mit ihren Bedienten beraten, an welchem passenden Platz der Leichnam wohl beerdigt werden könne. Ich bemerkte, daß sie sich in unserem Hause so heiter benahm wie die übrigen, sie starb ungefähr drei Monate nachher.

Die Hauyhnhnms leben gewöhnlich bis zum siebzigsten oder fünfundsiebzigsten, selten bis zum achtzigsten Lebensjahre. Einige Wochen vor ihrem Tode fühlen sie eine allmähliche Abnahme ihrer Kräfte, jedoch ohne Schmerz zu empfinden. Während dieser Zeit werden sie häufig von ihren Freunden besucht, weil sie nicht mehr mit der gewöhnlichen Bequemlichkeit und Heiterkeit ausgehen können. Zehn Tage vor ihrem Tode, dessen Augenblick sie mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen können, erwidern sie die Besuche den nächsten Nachbarn, indem sie von Yähus in einem bequemen Sessel getragen werden. Diese Sessel gebrauchen sie nicht allein bei dieser Gelegenheit, sondern überhaupt, wenn sie alt werden oder auf großen Reisen oder wenn sie durch Zufall gelähmt sind. Die sterbenden Hauyhnhnms, die diesen Besuch abstatten, nehmen feierlichen Abschied von ihren Freunden, als ob sie sich in einen entfernten Teil des Landes begäben, wo sie die letzte Zeit ihres Lebens zubringen wollten.

Ich weiß nicht, ob es der Mühe wert ist, hier noch zu bemerken, daß es kein Wort in ihrer Sprache für den Begriff »böse« gibt, mit Ausnahme einiger Ausdrücke, die von der Häßlichkeit oder den schlechten Eigenschaften der Yähus hergenommen sind. So bezeichnen sie die Dummheit eines Bedienten, die Unart eines Kindes, einen Stein, der ihren Fuß ritzt, lange Dauer des schlechten Wetters und ähnliche Dinge durch die Hinzufügung des Beiwortes Yähu. Zum Beispiel hhnm Yähu, whnaholm Yähu, ylnhmndwihlma Yähu; ein schlechtgebautes Haus heißt ynholmhnmrohlnw Yähu.

Ich würde mit großem Vergnügen die Sitten und Tugenden dieses ausgezeichneten Volkes noch ausführlicher beschreiben, habe jedoch die Absicht, in kurzer Zeit ein besonderes Buch über diesen Gegenstand herauszugeben, und muß den Leser deshalb hierauf verweisen. Mittlerweile will ich hier meine traurige Katastrophe erzählen.

Zehntes Kapitel

Des Verfassers Haushalt und glückliches Leben bei den Hauyhnhnms. Seine Fortschritte in der Tugend durch den Umgang mit diesen. Ihre Unterhaltungen. Dem Verfasser wird von seinem Herrn angezeigt, er müsse das Land verlassen. Er fällt aus Gram in Ohnmacht, unterwirft sich jedoch seinem Unglück. Er erfindet und verfertigt einen Kahn mit Hilfe des fuchsroten Kleppers und stößt auf gut Glück in die See.

Ich hatte meinen kleinen Haushalt durchaus zu meiner Zufriedenheit eingerichtet. Mein Herr hatte befohlen, mir eine Hütte nach der Landessitte zu erbauen, die sechs Ellen vom Hauptgebäude entfernt war. Die Wände und den Fußboden bedeckte ich mit Lehm und Binsenmatten, die ich selbst geflochten hatte. Ich hatte mir Hanf, der dort wild wächst, zubereitet und machte daraus eine Art Zwillich; diesen füllte ich mit Federn verschiedener Vögel, die ich in Schlingen aus Yähuhaaren einfing und die mir außerdem eine treffliche Nahrung boten. Ich hatte zwei Stühle mit meinem Messer verfertigt, wobei der fuchsrote Klepper bei dem gröberen und mühseligeren Teile der Arbeit half. Als meine Kleider zerrissen waren, machte ich mir andere aus den Häuten von Kaninchen und von gewissen schönen Tieren derselben Größe, die Nnuhnoh heißen, deren Fell mit dem zartesten Flaum bedeckt ist. Daraus machte ich mir auch erträgliche Strümpfe. Meine Schuhe besohlte ich mit Holz, das ich aus Bäumen geschnitten und so zugerichtet hatte, daß es als Sohle an das Oberleder paßte; als auch dieses abgenutzt war, ersetzte ich es durch Fell von Yähus, das an der Sonne getrocknet war. Oft auch nahm ich Honig aus hohlen Bäumen, vermischte diesen mit Wasser und aß ihn zu meinem Brote. Niemand hat somit wie ich die Wahrheit der zwei Grundsätze erfahren, die Natur werde leicht zufriedengestellt und Notwendigkeit sei die Mutter der Erfindung.

Ich war am Körper vollkommen gesund, und meine Seele genoß die größte Heiterkeit. Ich härmte mich nicht über die Verräterei oder Unbeständigkeit eines Freundes noch über die Beleidigungen eines offenen oder geheimen Feindes. Ich hatte keine Gelegenheit zum Bestechen, Heucheln oder Kuppeln, um mir die Gunst eines mächtigen Mannes oder seines Lieblings zu verschaffen. Ich brauchte keinen Schutz gegen Betrug oder Unterdrückung. Es gab dort weder Ärzte, meinen Leib, oder Juristen, mein Vermögen zu ruinieren; keine Spione, meine Worte und Handlungen zu belauschen oder für Geld Anklagen gegen mich zu schmieden; hier gab es keine Spötter, Klatscher, Verleumder, Taschendiebe, Räuber, Sachwalter, Kuppler, Narren, Spieler, Politiker, Witzlinge, launenhafte Menschen, langweilige Schwätzer, Zänker, Notzüchter, Mörder und Virtuosen; keine Parteihäupter und Parteigänger; keine Anreizer zum Laster durch Verführung oder Beispiel; keine Gefängnisse, Beile, Galgen, Prügelpfosten oder Schandpfähle; keine betrügerischen Wirte oder Handwerker; keinen Stolz, keine Eitelkeit oder Affektation; keine Stutzer, Trunkenbolde und schamlose Weiber; keine zänkischen, ungetreuen oder kostbaren Gattinnen; keine dummen und stolzen Pedanten; keine zudringliche, herrschsüchtige, zänkische, unruhige, schreiende, dumme, launenhafte, fluchende Gesellschaft; keine Schufte, die sich durch das Verdienst des Lasters aus dem Staube erheben; keinen Adel, der unter dem Vorwand der Tugend vererbt wird; keine Lords, Fiedler, Richter und Tanzmeister.

Ich hatte die Ehre, mehreren Hauyhnhnms vorgestellt zu werden, die meinen Herrn besuchten oder bei ihm speisten. Seine Gnaden erteilte mir dann gütigst die Erlaubnis, im Zimmer zu bleiben und die Unterredung mit anzuhören.

Sowohl mein Herr wie seine Gesellschaft hatten die Herablassung, mir Fragen vorzulegen und meine Antworten anzuhören. Bisweilen wurde mir auch erlaubt, meinen Herrn auf seinen Besuchen bei anderen zu begleiten. Ich nahm mir nie heraus, etwas zu sagen, wenn ich nicht gefragt wurde; die Erwiderung gab ich jedoch stets mit innerlichem Kummer, weil dadurch ein Zeitverlust in meiner Ausbildung bewirkt wurde; die Stellung eines demütigen Zuhörers gefiel mir aber außerordentlich in diesen Gesprächen, wo nur das Nützliche besprochen und in bezeichnenden und kurzen Worten ausgedrückt wurde. Wie ich schon sagte, wurde der höchste Anstand dabei beobachtet, ohne daß viele Komplimente gewechselt wurden.

Einem jeden Hauyhnhnm machte das Sprechen Vergnügen, und ihm wurde von der Gesellschaft mit demselben Vergnügen zugehört; Unterbrechung, Langweiligkeit oder Meinungsverschiedenheit gab es nirgends.

Die Hauyhnhnms glauben, bei Unterhaltungen werde das Gespräch durch ein kurzes Stillschweigen sehr verbessert. Auch fand ich, daß sich dies wirklich so verhielt, denn während der Pause entstanden neue Ideen, welche die Unterhaltung belebten. Ihre gewöhnlichen Gespräche betreffen Freundschaft und Wohlwollen, Ordnung und Sparsamkeit, bisweilen auch die sichtbaren Wirkungen der Natur oder alte Traditionen, die Grenzen der Tugend oder die unfehlbaren Richtlinien der Vernunft oder auch Beschlüsse, die man bei der nächsten großen Versammlung fassen solle; oft auch die verschiedenen Erhabenheiten der Poesie.

Ohne Eitelkeit darf ich behaupten, daß auch meine Gegenwart ihnen öfters Stoff zur Unterhaltung bot, weil sie meinem Herrn Gelegenheit gab, seine Freunde in meine Geschichte und die meines Vaterlandes einzuweihen, worauf sie sämtlich die Güte hatten, sich in wenig schmeichelhaftem Sinne über das Menschengeschlecht auszusprechen. Deshalb will ich hier nicht wiederholen, was die Hauyhnhnms sagten; der Leser wird mir jedoch die Bemerkung erlauben, daß mein Herr zu meinem Erstaunen die Natur der Yähus besser kannte als ich selbst. Er sprach über alle unsere Laster und Torheiten und entdeckte viele davon, die ich nie erwähnt hatte, und zwar ausschließlich durch die Überlegung, welche Eigenschaften die Yähus seines Vaterlandes bei einiger Vernunft besitzen würden. Dann bildete er ganz natürlich den Schluß, wie elend und erbärmlich ein solches Geschöpf sein müsse.

Ich gestehe offen, daß alle geringe Kenntnis von einigem Wert, die ich besitze, von mir durch die Vorlesungen meines Herrn und die Unterredung zwischen ihm und seinen Freunden erworben wurde; es ist mir ein stolzeres Bewußtsein, darauf gehört zu haben, als der weisesten und größten Gesellschaft Europas Vorschriften zu geben. Ich bewunderte die Kraft, Zierlichkeit und Schnelligkeit des Volkes, und eine solche Vereinigung von Tugenden bei so liebenswürdigen Personen erweckte bei mir die höchste Achtung. Zuerst zwar fühlte ich nicht die natürliche Verehrung, welche die Yähus und alle Tiere gegen die Hauyhnhnms hegen. Diese entstand jedoch allmählich und schneller, als ich dachte, und war mit einer natürlichen Liebe und Dankbarkeit dafür vermischt, daß sie mich gnädigst vor den anderen Tieren meiner Gattung auszeichneten.

Dachte ich an meine Familie, meine Freunde, Landsleute und an das Menschengeschlecht im allgemeinen, so sah ich sie für das an, was sie wirklich waren, als Yähus in Form und Charakter, obgleich vielleicht etwas mehr zivilisiert und mit der Gabe der Rede versehen, die jedoch von ihrer Vernunft keinen anderen Gebrauch machten, als um jene Laster zu verfeinern und zu vermehren, von denen ihre Brüder in dem Lande der Hauyhnhnms nur einen ihnen von der Natur zugemessenen Teil besitzen.

Wenn ich das Spiegelbild meiner Form in einem See oder in einer Quelle sah, so wandte ich voll Schauder über mich selbst mein Gesicht ab; ich konnte sogar den Anblick eines gewöhnlichen Yähu besser ertragen als den meiner eigenen Person.

Durch den Umgang mit den Hauyhnhnms und infolge der Bewunderung ihrer Eigenschaften konnte ich es nicht unterlassen, ihren Gang und ihre Bewegungen nachzuahmen, was mir so zur Gewohnheit geworden ist, daß meine Freunde mir die Versicherung geben, ich trabe wie ein Pferd, und dieses halte ich in der Tat für ein großes Kompliment; auch will ich nicht leugnen, daß ich beim Sprechen geneigt bin, Stimme und Art des Hauyhnhnms anzunehmen, und daß ich ohne die geringste Kränkung Spöttereien hierüber anhören kann.

In der Mitte dieses Glücks und als ich schon wähnte, ich würde mein ganzes Leben lang im Lande bleiben können, ließ mich mein Herr einstmals früher als gewöhnlich rufen. Ich bemerkte an seinem Gesicht, daß er in einiger Verlegenheit war und nicht wußte, wie er das, was er sagen wollte, mir eröffnen könnte. Nach einem kurzen Schweigen sagte er zu mir: Er wisse nicht, wie ich das, was er mir zu sagen habe, aufnehmen werde. Bei der letzten allgemeinen Versammlung hätten die Repräsentanten, als die Angelegenheit der Yähus besprochen wurde, die Tatsache in Betracht gezogen, daß er ein Individuum dieser Gattung in seiner Familie halte, mehr wie wenn es ein Hauyhnhnm als ein vernünftiges Tier wäre; daß er ferner sich häufig mit mir unterhalte, als ob er Vorteil oder Vergnügen an meiner Gesellschaft hätte. Ein solches Verfahren sei mit Natur und Vernunft nicht übereinstimmend. Die Versammlung ermahne ihn deshalb, mich entweder wie die übrigen meines Geschlechts zu behandeln oder mich zu zwingen, daß ich zu dem Orte, woher ich gekommen, wieder zurückschwimmen möge. Das erste dieser Auskunftsmittel sei jedoch von allen Hauyhnhnms, die mich je in ihrem Hause gesehen hätten, sogleich verworfen worden; sie hätten angeführt: da ich einige Elemente der Vernunft besäße und da jene Tiere so boshaft wären, so möchte ich sie verführen, in die waldigen und gebirgigen Teile des Landes zu fliehen und sie alsdann des Nachts in Haufen herunterzuführen, um das Vieh der Hauyhnhnms zu töten. Die Yähus seien ja von Natur als Raubtiere gebildet und der Arbeit abgeneigt.

Mein Herr fügte hinzu: Er werde alle Tage von den Hauyhnhnms der Nachbarschaft dringend dazu aufgefordert, daß er den Beschluß der Versammlung ausführe, und er könne dies jetzt auch nicht länger aufschieben. Er glaube wohl, daß es mir unmöglich sei, nach einem anderen Lande zu schwimmen, er wünsche deshalb, daß ich mir ein Fahrzeug verschaffe, das demjenigen gleiche, das ich ihm bereits beschrieben habe und womit ich auf dem Meere hergekommen sei. Bei dieser Arbeit würde mir von seinen Bedienten und von denen aller Nachbarn geholfen werden. Er fügte am Schlusse noch hinzu: Seinerseits hätte er mich gern während meines ganzen Lebens in seinem Dienste behalten; er habe gefunden, daß ich mich von mancher schlechten Gewohnheit und Neigung dadurch geheilt habe, daß ich mich bemühte, soweit es meine inferiore Natur erlaube, die Hauyhnhnms in jeder Hinsicht nachzuahmen.

Ich hätte dem Leser schon bemerken müssen, daß ein Dekret der allgemeinen Versammlung in diesem Lande Hnhloayn genannt wird, was Ermahnung bedeutet, soweit ich das Wort übersetzen kann; die Hauyhnhnms haben nämlich keinen Begriff davon, daß ein vernünftiges Geschöpf gezwungen werden müsse, anstatt sich nur raten oder ermahnen zu lassen. Kein Geschöpf könne nämlich der Vernunft ungehorsam sein, ohne seine Ansprüche auf diese aufzugeben.

Die Rede meines Herrn erfüllte mich mit äußerstem Kummer und mit Verzweiflung, und da es mir unmöglich war, meinen Schmerz zu ertragen, fiel ich zu seinen Füßen in Ohnmacht.

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