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作者:德- Karl May 当前章节:15378 字 更新时间:2026-6-22 20:19

Forster wurde bedenklich. Er mußte unwillkürlich diese Braveros mit dem Unternehmen Wilsons in Verbindung bringen und gab seinem Thiere die Sporen.

Bald erreichten sie das schäumende Wasser von St. Jago, über welches eine alte, halb eingestürzte Brücke führte. Die Gegend wurde öder, der Weg immer weniger betreten und verlor sich endlich ganz in sandiges Geröll. Mitten im Jagen hielt Forster die Augen auf den Boden gerichtet, auf welchem sich die Hufspuren dreier Pferde zeigten. Hier war jedenfalls der Graf mit seiner Dame und einem Diener geritten.

Nach und nach zeigten sich wieder Büsche und immergrüne Nadelhölzer, und dann nahm ein Wald sie auf, unter dessen weit auseinanderstehenden Riesenbäumen sie ihre Eile nicht zu mindern brauchten. Da war es Forster, als vernehme er den Hilferuf einer weiblichen Stimme. Auch Summerland hatte ihn gehört.

»Go on,« rief er, »sie haben den Grafen, und wir haben sie. Vorwärts, Sir!«

Die Pferde bekamen die Sporen und flogen pfeilschnell über den weichen Boden, der ihre Hufschläge beinahe unhörbar machte. Da, nach kaum einer Minute, sahen sie eine Dame in den Händen mehrerer im Gesicht geschwärzter Männer, während zwei männliche Gestalten sich muthig gegen eine beträchtliche Uebermacht vertheidigten. Forster zog den Revolver. Auf dem Kampfplatze angekommen, warf er sich vom Pferde, sprang an die Seite der Dame und drückte los. Zwei der Männer fielen, der dritte entsprang. Jetzt wandte er sich gegen die Uebrigen und riß das Messer heraus. Summerland arbeitete schon mitten unter ihnen, und auch der Führer that seine Schuldigkeit. Der Muth der Beiden hatte den seinen angefeuert. Die Banditen waren von dem nachdrücklichen Angriffe so überrascht, daß ihr Widerstand schnell erlahmte. Sie flohen unter Zurücklassung ihrer Todten und Verwundeten in den schützenden Wald.

Jetzt erst warf Forster einen schärferen Blick auf die Geretteten und erkannte mit Verwunderung den Herrn und die Dame, mit denen er gestern auf der Alameda gesprochen hatte. Der Graf war leicht verwundet, die Gräfin aber bereits wieder wohlauf.

»Ihr seid's, Sennor?« frug sie. »Dann hat Euch Eure mächtige Zauberin herbeigeführt!«

Auch der Graf trat herbei. Er zeigte nicht die geringste Spur seiner gestrigen vornehmen Zurückhaltung.

»Nehmt meinen besten Dank, Sennores, für die rechtzeitige Hilfe, welche Ihr uns brachtet! Ohne Euch, das ist sicher, wären wir verloren gewesen.«

»Wir müssen den Dank zurückweisen, Don Hernano, denn es drohte Eurem Leben keine Gefahr; man wollte sich mit einem Lösegeld begnügen,« antwortete Forster.

»Woher wißt Ihr das, und wie kommt Ihr als Fremder zu meinem Namen?«

»Das erlaubt, Euch später zu erklären! Jetzt müssen wir vor allen Dingen trachten, aus der Nähe dieses Ortes zu kommen. Wo sind die Pferde?«

Die beiden Thiere des Grafen und der Gräfin lagen erschossen am Boden; das Pferd des Dieners hatte, wie auch die andern drei nach ihm, das Weite gesucht. Summerland machte sich sofort mit dem Diener und dem Führer auf, sie einzufangen, während die Gräfin nach der Wunde ihres Gemahls sah und Forster sich beschäftigte, die Sättel von den gefallenen Pferden zu schnallen. Die Verletzung zeigte sich ganz ungefährlich; die Pferde wurden nach einiger Mühe herbeigeschafft, auf eines derselben der Damensitz befestigt, und dann verließ man, der Diener und der Führer zu Fuß, die Stätte.

Die Besitzung des Grafen lag nicht allzuweit entfernt; man erreichte sie nach kaum einer halben Stunde und konnte nun in voller Ruhe das Geschehene besprechen.

Im elegantesten Salon, den es nur geben konnte, saß Forster mit Summerland und den beiden Gatten zusammen. Die Gräfin, welche eine starke, furchtlose Natur sein mußte, machte die Honneurs, als sei sie eben von dem Besuche einer Freundin zurückgekehrt, und nur der Graf, dessen Alter eine größere Empfänglichkeit für dergleichen gewaltsame Eindrücke zur Folge haben mußte, hatte sich noch nicht vollständig erholt und dachte mit Schaudern an die Gefahr, in welcher er geschwebt hatte.

»Vor allen Dingen, Sennores, laßt mich Eure Namen kennen lernen,« bat er.

»Aber,« warf Forster ein, »er wird entkommen, wenn nicht sofort gehandelt wird!«

»Die Handlung ist bereits im rührigsten Verlaufe. Ich habe gleich nach unserer Ankunft einen zuverlässigen Boten nach Morelia geschickt und werde jetzt, da ich den Zusammenhang besser kenne, einen zweiten abreiten lassen, der Alles ebenso besorgen wird, als ob wir selbst an Ort und Stelle seien. Zugleich sind eine Anzahl Arbeiter in den Wald gegangen, um sich der Gefallenen zu versichern. Ich habe sehr begründete Ursache, zu glauben, daß wir es mit denselben Männern zu thun haben, welche die Gegend von Queretaro heimsuchten.«

Er erhob und entfernte sich. Summerland konnte es in dem fein ausgestatteten Raume unmöglich länger aushalten; er trat auf die Veranda. Nach kurzer Zeit kehrte der Graf zurück und meldete: »Die Staffette ist fort, und nun könnt Ihr Euch darauf verlassen, daß die Polizei der ganzen Umgegend in Alarm gesetzt und ihre Schuldigkeit thun wird. Ihr dürft also getrost hier bleiben.«

»Ich für meine Person, Don Hernano, darf vielleicht zusagen; mein Begleiter aber muß unbedingt nach Mexiko zurück.«

»Giebt es hierfür einen Grund?«

»Einen sehr triftigen. Die Wohnung, welche Wilson miethete, muß bewacht werden, und zwar von Jemand, der ihn persönlich genau kennt. Er kehrt auf alle Fälle dorthin zurück, wenn wir nicht schon hier seiner habhaft werden.«

»So muß ich allerdings meine Zustimmung geben. Sennor Summerland soll von mir einige Zeilen an die Polizei erhalten, welche ihm dann mit allen Kräften zu Gebote stehen wird. Jetzt aber laßt Euch Eure Zimmer anweisen, Don Forster, damit Ihr Euch ausruhen könnt!«

Forster lächelte über den Gedanken, daß er nach dem kurzen Ritte der Erholung nöthig habe; die Gräfin erhob sich.

»Folgt mir, Sennor, und erlaubt, daß ich selbst Euch geleite!«

»Gestattet zuvor einen kurzen Augenblick!«

Er trat unter die Thür zur Veranda.

»Tim, Du mußt sofort nach Mexiko zurück!«

»Well, Sir, das ist mir außerordentlich angenehm; ich bin verteufelt wenig auf gräfliche Weise einstudirt!«

»Unser Führer mag Dich begleiten. Du erhältst von Don Hernano ein Schreiben an die Polizei, welches Du übergiebst, und bewachst das Haus, wo Wilson sein Zimmer hat. Ich kenne den Namen der Straße nicht, doch kannst Du bei Sarah alles erfahren. Ich kann nicht sagen, wenn ich Dir folgen werde; wenn Du ihn siehst, so laß ihn nicht wieder aus den Augen!«

»All reight [right], Master Forster; tragt keine Sorge um mich. Ich werde aufpassen, wie die Kundschafter im Lande Kanaan, als sie die große Traube fanden und hinüber nach Mesopotamien schleppten.«

Forster wandte sich zurück und stellte sich nun der Gräfin zur Verfügung. Diese führte ihn in ein Zimmer, welches wahrhaft fürstlich ausgestattet war und an ein höchst bequem eingerichtetes Schlafkabinet stieß.

»Darf ich hoffen, daß es Euch genügen wird?«

»Vollkommen, Sennora. Ich habe ja überhaupt gar nicht die Absicht, Euch Störung und ungewöhnliche Mühewaltung zu bereiten!«

Sie entfernte sich. Er trat an das Fenster und blickte hinaus in den herrlichen Garten, wo eine reiche, südliche Vegetation in den buntesten Farben prangte.

Es ging ihm beinahe wie Tim Summerland; er fühlte sich unwohl an diesem Orte. Er verließ nach kurzer Zeit das Zimmer wieder und begab sich in den Garten. Von hier aus bemerkte er, daß man die im Walde liegen gebliebenen Braveros brachte. Er eilte zu der Gruppe, welche die geschwärzten Gestalten umgab, und erfuhr, daß man nur die Todten angetroffen hatte, während die Verwundeten verschwunden waren.

Auch der Graf trat hinzu und gebot:

»Wascht ihnen die Gesichter! Vielleicht finden wir ein bekanntes unter ihnen.«

Man leistete dem Befehle Folge, und kaum hatten die Züge der ersten der fünf Leichen ihre ursprüngliche Farbe erhalten, so rief einer der Arbeiter:

»Per dios, der Alkalde von Morelia!«

»Ja, er ist's, ich kenne ihn,« bestätigte der Graf. »Wie kommt ein solcher Beamter unter die Banditen?«

Forster bog sich nieder, um die Kleidung des Mannes, dem eine seiner Kugeln in die Brust gedrungen war, zu untersuchen. Er öffnete die Knöpfe derselben und bemerkte, daß das Leben noch nicht völlig aus ihm gewichen sei.

»Habt Ihr nicht bemerkt, daß er noch athmet? Wasser herbei.[«]

Die Brustwunde war tödtlich; die Kugel mußte in die unmittelbare Nähe des Herzens eingedrungen sein. Bei der Untersuchung des kleinen Loches, welches ihren Weg bezeichnete, zuckte der Verwundete schmerzhaft zusammen. Forster ließ sich dadurch nicht stören. Gerade dieser Schmerz war am Besten geeignet, das geschwundene Bewußtsein, wenn auch nur auf kurze Augenblicke, zurückzurufen. Wirklich öffneten sich die geschlossenen Lider, sanken schwer wieder nieder und erhoben sich dann zum zweiten Male, um dem Blicke Raum zu geben, die Umgebung zu erfassen.

Der Graf bog sich zu ihm nieder und sagte:

»Antonio Molez, der Tod hat Euch ergriffen. Wollt Ihr ohne Bekenntniß sterben?«

Der Gefragte schwieg. Er mußte sich erst auf das Gefragte besinnen. Dann hauchte er:

»Vergebt!«

Forster zog den Brief aus der Tasche und hielt ihm diesen vor die erstarrenden Augen.

»Habt Ihr das geschrieben?«

»Ja.«

»Wo ist Euer Bruder?«

»Im Walde. Er - wollte - - den Grafen befreien.«

»Ihr seht, Don Hernano, daß ich Euch die Wahrheit mittheilte.« Dann wandte er sich wieder zu dem Sterbenden: »Wohin kehrt er aus dem Walde zurück?«

»Ich - weiß es nicht. Santa Madonna - bitte für mich - ich sterbe. Ich wollte - reich werden - mein Amt schützte mich - - ich bin der Anführer der - - -«

Sein Oberkörper erhob sich unter einer konvulsivischen Bewegung; ein Blutstrom entquoll seinem Munde; er sank todt zurück.

»Gott sei seiner Seele gnädig! Er war der Anführer der Braveros und hatte seinen schlimmsten Streich gegen mich gerichtet. Ich vergebe ihm!« sprach der Graf.

Die andern Vier waren ohne Leben; die fünf Leichen wurden bis auf Weiteres unter Verschluß gebracht.

Beim Diner, welches die drei Personen im Speisesaale vereinigte, war der Ueberfall natürlich Hauptgegenstand des Gespräches. Don Hernano sann lange auf eine Art und Weise, seine Erkenntlichkeit zeigen zu können, ohne unzart zu sein. Da endlich kam ihm ein Gedanke, und er mußte es bewundern, nicht sofort auf denselben verfallen zu sein. Der Zweck des Ueberfalls war gewesen, sich die Gunst des Grafen zu erwerben, um durch ihn in den Besitz billiger Ländereien zu kommen. Konnte dieser Zweck nicht jetzt zum Mittel werden, den Retter zu belohnen? Er schien kein reicher Mann zu sein, und das Geschenk von einigen Leguas guten Landes verursachte dem Grafen ja nicht die mindeste Schwierigkeit. Er faßte den Entschluß, diesen Gedanken auszuführen und die bezüglichen Papiere sofort bei seiner Ankunft in Mexiko ausfertigen zu lassen.

Da erschallten eilige Huftritte vom Thore her; die beiden nach Morelia gesandten Boten kehrten zurück und traten bald in den Speisesaal.

»Nun?« frug der Graf, in ihren Gesichtern eine wichtige Botschaft lesend.

»Wir haben ihn.«

»Ah! Das ist ja über alles Erwarten schnell gegangen.«

»Er traf eben ein, als die Polizei das Haus des Alkalden besetzt hatte.«

»Leistete er Widerstand?«

»Ganz wüthend. Er war vorzüglich bewaffnet und hat einige der Leute verwundet.«

»Und wo befindet er sich jetzt?«

»Im Gefängnisse, von wo er morgen nach dem vorläufigen Verhöre nach Mexiko transportirt werden soll.«

»Gut, Ihr könnt abtreten!« Da wandte er sich zu der Gräfin und Forster. »Ich muß den Menschen sehen und reite nach aufgehobener Tafel nach Morelia. Wollt Ihr mit, Don Forster?«

»Auf jeden Fall.«

»Man wird unsere Ankunft willkommen heißen. Er ist nicht persönlich bekannt, und Ihr könnt also seine Person feststellen. Uebrigens sind wir ja bei der Untersuchung gegen ihn sehr betheiligt, so daß es die Arbeit des Beamten sehr erleichtert, wenn wir zugegen sind.«

»Soll ich von dem Ritte ausgeschlossen werden?« frug die Gräfin.

»Ich denke, Du wirst lieber hier bleiben, als Dich der Berührung eines solchen Menschen aussetzen!«

Sie sah ein, daß ihr Gemahl Recht hatte, und so blieb sie daheim, während er und Forster in Begleitung eines Dieners fortritten. In Morelia angekommen, begaben sie sich zu dem Stellvertreter des Alkalden und theilten demselben, der schon wußte, was mit Wilson geschehen war, mit, daß sie sich in dieser Angelegenheit an ihn wenden müßten, weil sein Vorgesetzter als Anführer einer Räuberbande erwischt und getödtet worden sei. Er gerieth darüber in das größte Erstaunen und führte sie, als er sich von demselben erholt hatte, nach dem Gefängnisse, um Wilson einem vorläufigen Verhöre zu unterwerfen. Dort angekommen, sagte der Graf zu Forster:

»Bleibt hier vor der Thür stehen, Sennor, und laßt uns erst allein hinein!«

»Warum?«

»Um ihn zu überraschen und zu überführen.«

»Wird das zweckdienlich sein, Don Hernano?«

»Gewiß! Er hat keine Ahnung davon, daß Ihr hier seid, und wird wahrscheinlich leugnen und sich für einen Andern ausgeben. Wenn ich Euch dann rufe, so wird ihn der Schreck über Eurem [Euren] Anblick so überwältigen, daß ich erwarte, von ihm ein vollständiges Geständniß zu hören.«

»Wird nicht der Schreck ganz derselbe sein, wenn ich gleich mit Euch hineingehe?«

»Nein; ich verstehe das. Laßt mich also nur machen, was ich will!«

Forster fand an diesem Vorschlage keinen Gefallen, mußte aber dem Grafen zu Willen sein. Dieser ließ von dem Vice-Alkalden das Gefängniß aufschließen und trat mit ihm hinein; die Thür wurde hinter ihnen zugezogen.

Forster lauschte. Er hörte erst ruhige Stimmen; dann erscholl plötzlich ein Hilferuf und gleich darauf ein zweiter. Er eilte an die Thür und riß sie auf. Da lag der Stellvertreter des Alkalden blutend am Boden, und eben drang Wilson, mit einem gezückten Messer in der Hand, auf den Grafen ein, um ihn zu erstechen und dann zu entspringen. In demselben Augenblicke stand Forster bei ihm, riß ihm das Messer aus der Faust, packte ihn mit den beiden Händen an den Hüften, hob ihn in die Höhe und warf ihn mit solcher Kraft zu Boden, daß alle seine Glieder krachten und er besinnungslos liegen blieb.

»Seid Ihr verletzt?« fragte der Dichter dann den Grafen, ihn besorgt anblickend.

Dieser hatte vor Entsetzen seine Fassung verloren, und es dauerte eine ganze, ganze Weile, ehe er zu antworten vermochte:

»Nein; aber der da ist verwundet.«

Bei diesen Worten zeigte er auf den Beamten, der sich eben jetzt vom Boden erhob. Er hatte einen Stich erhalten, der seinem Herzen gegolten hatte aber in Folge einer schnellen, abwehrenden Bewegung durch den Arm gegangen und glücklicher Weise nicht gefährlich war. Die Gewalt des Stoßes hatte den Getroffenen zu Boden geworfen.

»Wie konnte das möglich sein?« fragte Forster den Verwundeten.

»Er verstellte sich,« antwortete der Gefragte. »Er zeigte sich erst ganz ruhig und entriß mir dann plötzlich das Messer.[«]

»War er denn nicht gefesselt?«

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