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作者:德- Karl May 当前章节:13396 字 更新时间:2026-6-22 20:19

»Nein.«

»So ein gefährlicher Mensch!«

»Kann ich dafür, Sennor?«

»Er mußte unbedingt gebunden werden, weil er sich bei seiner Gefangennahme in so außerordentlicher Weise zur Wehr gesetzt hat!«

»Ich war nicht dabei und kann also nichts dafür. Desto strenger aber werden wir nun mit diesem Hallunken verfahren.«

»Ja,« stimmte der Graf bei; »er soll so gefesselt werden, daß er sich nicht zu rühren vermag. Ich will für heute nichts mehr mit ihm zu thun haben und verzichte darauf, ihn in's Verhör zu nehmen. Er mag augenblicklich gefesselt und dann noch heut unter einer zahlreichen und sichern Bewachung nach der Hauptstadt geschickt werden, wo man ihm den Proceß machen wird. Schon der Umstand, daß er ein Pfahlmann ist, muß ihm das Leben kosten; dazu kommt, daß er uns ermorden wollte; er ist rettungslos verloren. Ich setze natürlich voraus, daß Ihr ihn recognoscirt, Sennor Forster.«

»Das thue ich,« antwortete der Genannte.

»Er ist also wirklich der Tom Wilson, dem Ihr nach Mexiko gefolgt seid?«

»Ja.«

»Gut, so sind seine Tage gezählt, und er soll gewiß nicht wieder Gelegenheit finden, sich an seinen Mitmenschen oder ihrem Eigenthume zu vergreifen.«

Er gab die nöthigen Befehle, und dann wurde der Rückweg nach der Besitzung Don Hernanos angetreten.

Dieser sprach unterwegs von nichts Anderem als von seiner unauslöschlichen Dankbarkeit dafür, daß Forster ihm abermals das Leben gerettet hatte, und als sie ihr Ziel erreichten, floß er gegen die Gräfin von dem Lobe seines Gastes über. Diese mochte nun doch einsehen, daß ihr früheres, freies Verhalten Forster gegenüber nicht das richtige gewesen sei, und gab sich nun zurückhaltender, zeigte ihm aber eine so aufrichtige Hochachtung, daß er ihr früheres Wesen gern vergaß.

Am andern Tage kehrte das gräfliche Paar mit Forster nach Mexiko zurück, worauf sofort die nöthigen Schritte gethan wurden, Wilson der wohlverdienten Strafe entgegen zu führen. Forster und Tim Summerland, der Graf und die Gräfin zeugten gegen ihn, auch Sarah, die Terzerone, mußte ihre Aussage thun, welche seine Belastung so vervollständigte, daß er zum Tode verurtheilt wurde. Die hohe Stellung und der Einfluß des Grafen hatten zur Folge, daß man mit dem Mörder in aller Kürze verfuhr, und er wurde schon am Tage nach dem Urtheilsspruche hingerichtet.

Forster war natürlich durch diesen Proceß in der Hauptstadt festgehalten worden und während dieser Zeit der Gast des Grafen gewesen, während Tim Summerland, dem es in dem gräflichen Palais zu fein gewesen wäre, mit Sarah im Hôtel gewohnt hatte.

Während dieser ganzen Zeit war kein Wort von Dankbarkeit wieder gefallen; aber als nun die Stunde der Abreise kam und Forster und sein treuer Gefährte sich von dem gräflichen Paare verabschiedeten, händigte Don Hernano Jedem von ihnen ein verschlossenes Couvert ein und sagte:

»Was wir Euch zu verdanken haben, Sennores, das wißt Ihr eben so gut wie wir; wir brauchen es Euch nicht erst zu sagen oder Euch daran zu erinnern. Wir werden es Euch nie vergessen. Wenn Ihr wieder nach Mexiko kommt - und ich hoffe, daß dies sicher geschehen wird - so sucht uns ja wieder auf; Ihr werdet uns herzlich willkommen sein. Damit Ihr bis dahin zuweilen an uns denken möget, geben wir Euch ein kleines Andenken mit, von dem wir meinen, daß es Euch ein wenig Freude bereiten wird[.] Doch knüpfen wir eine Bedingung daran. Werdet Ihr sie erfüllen?«

»Wenn wir können, ganz gewiß,« antwortete Forster, und Tim stimmte bei.

»Ihr könnt es. Wir bitten Euch nämlich, diese Couverts nicht eher zu öffnen, als bis Ihr Euch auf hoher See befindet; wollt Ihr uns das versprechen?«

»Ja, obgleich uns da die Gelegenheit entgeht, für diese uns jedenfalls werthvolle Gabe Dank zu sagen.«

»Dank darzubringen, ist nicht Eure, sondern unsere Pflicht. Reist also in Gottes Namen! Ich werde durch gute Begleitung dafür sorgen, daß Ihr sicher und ohne Unfall den Hafen erreicht.«

Er schüttelte ihnen die Hände in herzlichster Weise, und auch die Gräfin verabschiedete sie auf eine Art, welche ein voller Beweis ihrer Dankbarkeit und Hochachtung war; sie zeigte sich jetzt ganz anders als damals bei der ersten Begegnung auf der Alameda. Der Charakter Forsters, den er seiner deutschen Abstammung verdankte, hatte ihr imponirt. -

Einige Tage später schwammen die beiden Gefährten mit Sarah auf den Fluthen des mexikanischen Golfs dem Mississippi entgegen. Sie waren des Abends an Bord gegangen, und von dem Ritte nach der Küste ermüdet, so daß sie sich sofort zur Ruhe begaben und an nichts Anderes, auch nicht an die Couverts gedacht hatten. Am nächsten Morgen machte Forster, nach dem [nachdem] er aufgestanden war, eine Promenade auf dem Deck; da kam Tim Summerland aus seiner Cabine und förmlich auf ihn zugesprungen. Er hielt ein Papier in der Hand und rief ihm schon von Weitem zu, indem sein Angesicht vor Entzücken geradezu strahlte:

»Sir, habt Ihr schon Euer Couvert geöffnet?«

»Nein,« antwortete Forster.

»Dann macht es schnell auf, schnell! Ihr werdet ein Wunder lesen!«

»Was für eins?«

»Das will ich noch verschweigen, denn ich will die Augen sehen, die Ihr dabei macht. Also schnell, schnell, schnell!«

Er faßte ihn am Arme und zog ihn fort, nach der Kajüte, welche Forstern angewiesen war. Dort öffnete dieser den Umschlag, zog die Bogen, welche er enthielt, hervor, entfaltete sie und - - - stand allerdings für den ersten Augenblick vollkommen starr und wortlos da.

»Nicht wahr, das ist ein Geschenk!« jubelte Tim. »Ihr habt auch einen Grand [Grant]?«

Forster konnte zunächst nur nicken.

»Auch ich habe so ein Dings da, eine ganze Legua; das sind über viertausend Acker Land; ich bin also ein reicher Kerl, ein steinreicher Kerl, das ist so gewiß wie meine Mütze!«

Forster war noch viel reicher bedacht worden, denn die Documente in seinen Händen machten ihn zum Besitzer von zehn, sage zehn Leguas. Das war eine wahrhaft königliche Dankbarkeit, die allerdings dem Grafen nichts gekostet hatte.

Die wieder Beschenkten konnten sich in diesen ihren plötzlichen Reichthum fast nicht finden, und Forster fühlte zwar sich auch über den Besitz an sich glücklich, noch viel, viel mehr aber darüber, daß er nun, ohne eigennützig zu erscheinen, an die Vereinigung mit der Geliebten denken durfte. Mit welcher Freude, welcher Sehnsucht blickte er da nun seinem Ziele entgegen!

Und noch eine Person gab es, welche fast dieselbe Sehnsucht fühlte, nämlich Sarah, die Terzerone. Sie sah ein, welchen Fehler sie begangen hatte, und bereute ihn aufrichtig. Mutter Smolly war ihr stets eine gute nachsichtige Herrin gewesen, ja sogar mehr Mutter als Herrin, und sie hatte ihr mit solchem Undanke gelohnt. Wie gern kehrte sie zu ihr zurück! Freilich fragte es sich sehr, ob sie wieder Aufnahme finden würde. Sie bat Forster, ihr Fürsprecher zu sein, und er versprach ihr, sein Möglichstes zu thun.

Endlich war die lange See- und Flußfahrt zu Ende. Sie hatten ihr Ziel erreicht und verließen den Steamer. Am Hause des Advokaten, wo Tim Summerland natürlich wieder bei seinem Bruder wohnen wollte, fragte er Forster:

»Wie nun, Sir? Ihr tretet doch mit herein?«

»Heute nicht, Tim. Morgen komme ich, Dich zu besuchen. Behalte meine Sachen jetzt bei Dir; ich werde sie abholen lassen.«

Er ging mit Sarah weiter. Die Druckerei, an welcher der Weg vorüberführte, war erleuchtet. Er hatte sich auf eine Ueberraschung Margas vorbereitet und trat ein, um ein Gedicht für das Morgenblatt zu geben. Es wurde sofort acceptirt.

Im Hause des Bankiers war man zur Ruhe gegangen, wie die Fenster zeigten, aber bei Mutter Smolly war noch Licht.

»Ich gehe nicht hinein, Sir, ich fürchte mich!« meinte Sarah.

»So warte im Flur, bis Du gerufen wirst.«

Er klingelte. Die Wirthin selbst erschien unter der sich öffnenden Thür.

»Wer - Himmel, Sir, ist's möglich!« rief sie aus.

Fast wäre ihr vor freudiger Ueberraschung das Licht aus der Hand gefallen.

»Es ist wirklich und also auch möglich, meine beste Mutter Smolly. Habt Ihr mein [meine] Zimmer vielleicht anderweitig vermiethet?«

»Vermiethet? Wo denkt Ihr hin! Ich hätte sie zehn Jahre lang für Euch reservirt. Aber tretet ein, schnell; Ihr müßt von der weiten Reise ja ganz entsetzlich ermüdet sein!«

Sie führte ihn in den Salon, wo sie erwartungsvoll ihm gegenüber Platz nahm.

»Wie ist es denn gegangen, Sir? Habt Ihr ihn gefunden? Habt Ihr Sarah gesehen? Ich habe in dieser Zeit mehrere Mädchen gehabt, aber alle wieder entlassen müssen.«

»Ich habe ihn gefunden.«

»Wirklich? Und Euer Geld?«

»Habe ich wieder, und auch die fünfzigtausend Dollars von Master Olbers.«

Sie schlug verwundert die Hände zusammen.

»Das ist ja ganz außerordentlich; das muß ich hören; bitte; erzählt, Sir!«

Er erfüllte ihre Bitte in möglichster Kürze. Als er am Schlusse bemerkte, daß die Terzerone draußen stehe, sprang sie auf und eilte hinaus.

»Sarah!«

»Ma'am!«

»Wirst Du mir wieder fortgehen?«

»Nie!« weinte das Mädchen.

»So bleib, und denke daran, daß es nirgends so gut ist, wie bei Mutter Smolly!«

Zu Forster zurückgekehrt, berichtete sie ihm von Marga, die täglich herübergekommen sei und nur von ihm gesprochen habe.

Er hörte mit glücklichem Lächeln zu, bat sie, seine Ankunft morgen früh noch zu verschweigen, und begab sich dann hinauf in seine Wohnung, wo er bald dem wohlverdienten Schlafe in die Arme sank.

Als er erwachte, stand die Sonne bereits hoch am Himmel. Drüben waren die Fenster und die Balkonthüre geöffnet. Marga saß, mit einer Arbeit beschäftigt, auf dem letzteren, und er bemerkte, wie fleißig ihre Augen zu seinem Fenster herüberschweiften.

Da kam auch der Bankier und brachte die Zeitungen. Sie theilten sich die Blätter und lasen.

»Wie schön sie ist, wie schön, rein und gut!« dachte Forster.

Er machte so schnell wie möglich Toilette, nahm dann das Opernglas und stellte sich beobachtend hinter die Gardine. Da zuckte sie zusammen; eine tiefe Röthe glitt über ihr schönes Angesicht; die Hand fuhr nach dem Herzen, und ihre Augen flogen herüber zu ihm. Im Nu stand er auf dem Balkon und grüßte.

»Papa!« rief sie so laut, daß er es hörte, und erhob zeigend den Arm.

Olbers blickte herüber und sprang überrascht vom Stuhle empor.

»Sir - ah, herüber, herüber, schnell, schnell!«

Forster nickte zustimmend und verließ den Balkon. Drüben kamen ihm Vater und Tochter bereits auf dem Korridore entgegen. -

»Willkommen, Master Forster! Kommt nur rasch herein! Wie ist's gegangen?«

Er trat ein, zog die Brieftasche hervor und öffnete sie.

»Wollt Ihr einmal diese Papiere betrachten, Master Olbers?«

»Ja. Ah - meine Wechsel und Anweisungen. Ist's möglich? Marga, es ist nichts verloren, kein Penny, kein einziger!«

»Auch ich habe mein Geld wieder. Und hier, bitte, lest einmal dies!«

Der Bankier warf einen Blick auf die Bogen, riß sie ihm dann aus der Hand und trat damit zum Fenster.

»Grants, Empressarios - zehn volle Leguas!« rief er erstaunt. »Master Forster, das ist ja unglaublich; das ist ja ein ganzer Staat, ein ganzes Territorium!«

»Und doch ists wahr! Das Land kostet mich keinen Dollar; ich habe es geschenkt erhalten.«

»Geschenkt? Einen Werth von Millionen? Erzählt, wenn ich es glauben soll!«

Er mußte berichten und that es mit der größten Ausführlichkeit. Mit athemloser Spannung hörte man ihm zu. Als er geendet hatte, erhob sich Olbers und ergriff seine Hand.

»Master Forster, Ihr seid nicht nur ein Dichter, sondern auch ein ganzer Mann. Marga, wer hätte das gedacht, als wir ihn zum ersten Male trafen! Ihr seid reich, zehnmal reicher als ich, Sir. Wie soll ich Euch danken? Mit Geld kann ich es nicht!«

Da erhob sie sich von ihrem Sitze. Im Vollgefühle des Glückes, welches seine Rückkehr ihr bereitete, überwand sie die weibliche Scheu und trat an Forsters Seite.

»Papa, ich weiß, wie wir ihm danken können«, sagte sie unter tiefem Erglühen. »Darf ich es Dir zeigen?«

»Thue es, mein Kind!«

Da schlang sie die Arme um den Geliebten und bot ihm die schönen, vollen Lippen zum Kusse dar.

»So, Papa! Darf es so sein und bleiben?«

Der Bankier war so überrascht, daß er die Antwort vergaß. In diesem Augenblicke öffnete sich die Thür und Tim Summerland trat ein.

»Wer wollte mich denn besuchen und ist aber nicht gekommen?« fragte er. »Daheim ist er auch nicht, und da - - by good [god],die haben sich beim Kopfe! Da ist der alte Trapper überflüssig!«

Er wollte sich schleunigst zurückziehen, wurde aber von Olbers, der sich mittlerweile in die Gegenwart zurückgefunden hatte, noch rechtzeitig beim Arme ergriffen.

»Bleibt, Master Summerland, denn wir haben Verlobung, jetzt zwar nur unter uns, aber die Sache wird wohl auch noch festlicher arrangirt werden!«

»Verlobung?« lachte der Trapper. »Na, dazu gebe ich auch meinen Segen auf der Stelle; denn, Master Olbers, diese Zwei da passen zu einander so gut und vielleicht sogar noch besser als Jakob und Judith, um die er volle vierzehn Jahre gefreit hat, die Monate und Tage gar nicht mitgerechnet; das ist so sicher wie meine Mütze!« - - -

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