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作者:德- Karl May 当前章节:15382 字 更新时间:2026-6-22 20:19

»Warum?«

»Weil er durch den Regen saftig geworden ist -«

»Hast Recht, Tim«, fiel Forster ein, um die Blöße zu vermeiden, die er sich beinahe gegeben hätte. »Die Schale mit den Stacheln herunter, wird er vielleicht vom Pferde gefressen.«

»Wenn es die richtige Art ist. Also immer gerade aus!«

In kurzer Zeit war die Kaktusoase erreicht. Die Pflanzen hatten meist Kugelform, und nach dem Schälen blieb das innere Fleisch zurück, welches das Pferd zwar zu anderer Zeit verschmäht hätte, jetzt aber mit Begierde fraß. Als es seinen Hunger gestillt hatte, wurde der Ritt wieder aufgenommen und bis in die späte Nacht hinein fortgesetzt. Jetzt waren Menschen und Thier so ermüdet, daß man Rast halten mußte.

Aber kurz nach Tagesanbruch ging es schon wieder weiter, und zu Mittag zeigten sich zur unermeßlichen Freude der beiden Männer zwischen dem Sande einzelne vertrocknete Exemplare des kurzen, lockigen Büffelgrases. Je weiter sie kamen, desto geschlossener wurde die Vegetation, und endlich trat die Steppe ganz zurück, um der grünenden Prairie Platz zu machen.

Jetzt waren sie gerettet. Das Pferd schwelgte förmlich in dem saftigen Futter, und die Jäger streckten sich in das frische kühle Grün, sich mit einer wahren Wollust dehnend und streckend. Dann wurde beschlossen, noch vor Nacht womöglich einen blaugrauen Streifen zu erreichen, welcher sich am nördlichen Horizonte sichtbar machte. Es mußte Buschwerk oder gar eine vortretende Waldparthie sein, was trotz der nahen Wüste möglich war, falls dort ein Wasserlauf vorhanden war.

Die Sonne stand schon ziemlich tief, als man das Ziel erreichte. Es war ein allerdings sehr lichtes Wildkirschengebüsch, von vielen Rasenplätzchen unterbrochen, sich weiterhin aber immer mehr verdichtend, bis sich in der Ferne einzelne Baumkronen über ihm zeigten.

»Fare well, Hunger, Durst, Hitze und Elend!« meinte Summerland. »Da oben beginnt der Wald und - seht Ihr die Linien über ihm, Sir? Das sind Berge; das ist - by god, jetzt weiß ich, wo wir sind; ich kenne diese Hügel und da drüben fließt der Bee-fork, der in den Red River geht, das ist so sicher wie meine Mütze!«

»So reiten wir noch bis zum Wald; wir haben noch Licht genug, um ihn zu erreichen und eine gute Stelle zum Lagern auszuwählen.«

Dieser Vorschlag wurde befolgt. Immer die gerade Linie einhaltend, drangen sie durch das Buschwerk vor. Summerland saß zu Pferde. Forster schritt voran, das Auge zwischen der Ferne und dem Boden getheilt. Man befand sich jetzt auf wegsamem Gebiet und mußte also wieder auf feindliche Begegnungen gefaßt sein. Da plötzlich blieb er stehen und bückte sich zur Erde, um das Gras einer sorgfältigen Untersuchung zu unterwerfen. Auch Summerland stieg ab und betrachtete aufmerksam die geknickten und niedergebogenen Halme.

»Eine Fährte! Eins, zwei, - fünf - acht, neun Reiter mit eins, zwei - vier, fünf Lastthieren. Stimmt es, Sir?«

»Ja. Neun einzelne Spuren und fünf Eindrücke von Thieren, die zusammengekoppelt sind. Es sind keine Indianer, sondern Weiße, denn sie ritten nicht einzeln hinter, sondern sorglos durch und neben einander. Folgen wir ihnen oder nicht?«

»Warum nicht? Wir müssen ihnen nach zu unserer eigenen Sicherheit!«

»Dann aber langsam; sie sind vor kaum einer Viertelstunde hier vorbei. Wär's länger, so hätten sich die Halme wieder emporgerichtet.«

Das Pferd jetzt am Zügel führend und die Spur scharf im Auge behaltend, bogen sie rechts ein und beobachteten dabei, stets Deckung suchend, das vor ihnen liegende Terrain. Die Truppe konnte ja bereits Halt gemacht haben und die Verfolger früher bemerken, als es räthlich war.

Da führte die Fährte über einen Platz, der vermöge seiner sandigen Beschaffenheit die Hufeindrücke in größter Deutlichkeit und Treue zeigte. Die Männer mußten sich vollständig sicher gefühlt haben, sonst hätten sie solche Zeichen ihrer Anwesenheit ganz gewiß vermieden.

»God bless my soul, Gott schütze meine Seele,« klang der halblaute Ausruf Summerlands, »das sind die Pfahlmänner, die meine Nuggets geholt haben. Vierzehn waren es; fünf haben wir kalt gemacht, bleiben neun; das stimmt wie meine Mütze!«

»Woher willst Du so genau wissen, daß sie es sind, Tim?«

»Woher? Na, seht Ihr denn nicht diese Hufspur im Sande, die - ach so, Ihr könnt das ja gar nicht wissen! Schaut diesen rechten Hinterfuß. Ist er an der linken Seite nicht etwas kürzer als an der andern?«

»Allerdings.«

»Dieser Eindruck stammt von meiner alten Fuchsstute. Wenns nicht so ist, so will ich durch und durch gespießt sein! Sie hat sich einmal einen Dorn ins Leben getreten, der ausgeschwärt ist; der Fuß ist vollständig heil geworden, doch hat sich die eine Seite des Hufes hinten etwas aufwärts gekrümmt, so daß der Sand nie eine vollständige Spur empfängt, selbst jetzt nicht, wo das arme Thier über die Gebühr beladen ist, wie Ihr an der Tiefe und vorderen Schärfe der Eindrücke seht. Ich muß den Fuchs wieder haben und kostet es mich das Leben! Seid Ihr dabei, Sir?«

»Natürlich! Die Burschen haben die Stangen entfernt und uns dem Tode nahe gebracht, gar nicht zu rechnen, daß Du von ihnen überfallen und beraubt worden bist. Sie müssen eine ernste Lehre bekommen, obgleich ich ohne Noth nicht gerne einem Menschenkinde an das Leben gehe.«

»Zounds! Sind sie uns nicht auch daran gegangen? Tim Summerland ist eine alte, gute Haut, das könnt Ihr glauben; er hat noch niemals einen Elephanten oder Wallfisch [Walfisch] todtgebissen, aber bei solchem Gesindel kennt er kein Erbarmen. Meine Stute will ich haben, meine Nuggets dazu, eine Büchse, ein Messer, einen Tomahawk, etwas Munition und so weiter, vielleicht auch einige Maß Spitzbubenblut, wenns nicht anders geht, und - aber verzeiht mir eine Frage, Sir, es sind ihrer neun, wir zählen blos zwei - und ich kenne Euch noch nicht? -«

»Keine Sorge, Tim«, lachte Forster, indem er das schöne Ebenmaß seiner hohen und ungewöhnlich kräftigen Gestalt emporstreckte. »Ich bin ein Kentuckymann und wenn Du mich nicht kennst, so hast Du wohl schon Andere gesehen, die zwischen dem Ohio und den Cumberlands zu Hause sind!«

»Well, Sir! Dort giebt es keine Hasen; dort sind die zweitatzigen Bären daheim, und ich denke, daß Ihr Eure Pranken auch zu gebrauchen wißt. Vorwärts also. Wir wollen über sie kommen, wie Simson über die Pharisäer, Sadduzäer und Colosser. Vielleicht hat er auch noch die Epheser und Philipper erschlagen, denn ist man einmal im Zuge, so kommt es auf ein Volk mehr oder weniger nicht an!«

Sie folgten der Fährte weiter. Einzelne Bäume unterbrachen das niedere Buschwerk, wurden nach und nach immer häufiger und schlossen sich endlich zum mäßig dichten Walde, unter dessen Baumkronen die Eindrücke immer in gerader Linie hinführten.

Da machte sich ein brenzlicher Geruch bemerkbar.

»Stopp!« meinte Summerland. »Sie haben sich gelagert und ein Feuer angezündet. Wartet ein wenig, ich bin gleich wieder hier!«

Er führte das Pferd bis an den Saum des Waldes zurück und pflockte es hier in der Wiese [Weise] zwischen mehreren Büschen an, daß es weder gesehen werden, noch entfliehen konnte. Dann kehrte er zurück und sagte:

»Jetzt gilt es, unbemerkt an sie zu kommen. Folgt mir!«

Er huschte von Baum zu Baum, Deckung suchend und die Zwischenräume blitzschnell überspringend, vollständig unhörbar vorwärts. Forster folgte ihm in derselben Weise. Nach einiger Zeit bemerkten sie einen hellen Rauch, welcher sich durch das Laubdach einen Ausgang suchte[,] und dann auch das Feuer, um welches alle Neun Platz genommen hatten. Summerland lehnte an einer Fichte, deren umfangreicher Stamm Beiden vollständige Sicherheit bieten konnte. Er winkte den Gefährten zu sich heran.

»Sie haben die Thiere noch nicht entschirrt und keine Wache ausgestellt. Welch' horrible Unvorsichtigkeit!« flüsterte er.

»Wo sind die Pferde?«

»Dort drüben hörte ich schnaufen. Ich brauche Waffen; sind welche dort, so braucht kein Tropfen Blutes zu fließen; kommt!«

Sie schlichen sich weiter bis in die unmittelbare Nähe der Pferde, die keinen verdächtigen Laut hören ließen, weil sie sich noch nicht in freier Bewegung befanden.

»Seht Ihr dort meinen Fuchs? Er hat wirklich die Beutel mit den Nuggets noch über dem Rücken hängen. Und dort der Rappe hat eine vollständige Jagdausrüstung auf dem Packsattel. Ich nehme Beide. Ihr auch eins oder zwei, und die andern schneiden wir los. Go on, jetzt schnell!«

Er glitt vorwärts, schnitt im Vordringen einige Lassos durch und gab den Thieren einen Schlag, daß sie laut wiehernd davonstürmten. Dann sprang er auf den Fuchs, ergriff den Rappen beim Zügel und sah sich nun erst nach Forster um. Dieser hatte so schnell gehandelt, daß fast sämmtliche Pferde verschwunden waren. Er selbst saß auf einem Braunen und machte eben Miene, den Platz zu verlassen, als lautes Geschrei ertönte und die Pfahlmänner zwischen den Bäumen hervorsprangen.

Der Vorderste von ihnen war ein breitschulteriger, schwarzbärtiger Gesell, der sich sofort auf Forster stürzte.

»Der Anführer, Master Dichter«, rief Summerland, seinen Stutzen auf zwei Andere abdrückend. »Gebt ihm genug!«

Der Tomahawk Forsters sauste durch die Luft, und der Schwarze brach zusammen, mitten in die Stirn getroffen.

»Huzza, so wars gut. Jetzt fort!«

Sie wandten sich zur Flucht. Schüsse krachten hinter ihnen, laute Flüche erschallten; der Wald wirkte hindernd auf ihre Eile, dennoch aber erreichten sie unverwundet die Büsche, zwischen denen Summerland das Pferd zurückgelassen hatte.

»Schnell heraus mit ihm, und dann weiter, Sir! Ehe sie die Pferde wiederbekommen, wird es Nacht, und sie können erst morgen unserer Fährte folgen. Aber fangen sollen sie Tim Summerland und seine Stute nicht, das ist so sicher wie meine Mütze!«

II.

Im Staate Arkansas und an dem gleichnamigen Flusse liegt einige Stunden oberhalb Little Rock die Stadt Stenton. Obgleich ihr Ursprung nur um einige Jahrzehnte zurückweist, bildet sie doch, an der Einmündung zweier kleiner Seitenflüsse liegend, den Knotenpunkt eines außerordentlich regen Land- und Wasserverkehrs. Mit echt amerikanischer Schnelligkeit ist Haus an Haus, Straße an Straße gewachsen, und wo vor kurzer Zeit der wilde Sohn der Prairie sein Roß im Wasser des Stromes tränkte, dehnt jetzt sein »weißer Bruder« sich in den weichen Flaumen und freut sich des Segens - vielleicht auch des Fluches der Gesittung, die einen ganzen, nach Millionen zählenden Menschenstamm erbarmungslos von der Erde streicht.

Da, wo einige Meilen vor der Stadt die Berge zur Ebene niedersteigen, tummelte eine Kavalkade junger Herren und Damen ihre muthigen Pferde in dem elastischen, von gelben Helianthusblüthen durchschossenen Grase. Der einzige, ältere Mann, der sich bei der Gesellschaft befand, zeichnete sich zugleich auch durch sein Aeußeres von allen Uebrigen aus. Von ungemein dicker Statur, saß er auf einem Schimmel, der ihm an Körperumfang jedenfalls ebenbürtig war. Die Bewegungen der beiden so wohl zusammenpassenden Wesen hatte etwas Dickhäuterähnliches an sich, zu welchem die grellen Farben, in die sich der Reiter gekleidet hatte, außerordentlich possirlich standen. Er trug ein gelbes Beinkleid, rothkarrirte Weste, lichtblauen Rock und einen breitkrämpigen, in schwarz und weiß geflochtenen Pferdehaarhut. Unter dem breitumlegten, steif gestärkten Hemdkragen war ein grün und lila gestreiftes Tuch in einen imposanten Knoten geschlungen und schickte seinen wohlgefalteten Zipfel bis auf die kostbaren Berloquen herab, welche klingend an der dicken Uhrkette baumelten. Das jetzt vom Ritte geröthete und mit großen Schweißperlen bedeckte Gesicht hatte einen höchst gutmüthigen Ausdruck, doch konnte der eigenthümlich scharfe Zug um den Mund auch eine bittere Beimischung bedeuten und der kurze, dicke Nacken ein Zeichen hartnäckiger Ausdauer sein.

Eben machten er und sein Schimmel eine keuchende Anstrengung, einer der Damen zu folgen, die, als die gewandteste von Allen, mit tollen Kapriolen und Zickzackwendungen umherfegte, während ihr langer, blauer Schleier hoch in den Lüften flatterte. Wer sie eine reizende Erscheinung nennen wollte, hätte viel zu wenig gesagt; eine so wundervolle Schönheit durfte nicht jetzt während des kühnen Rittes, sie mußte im Augenblicke der Ruhe und Beschaulichkeit beobachtet und dem Herzen eingezeichnet werden.

»Halt ein, halt ein, Marga«, stöhnte der Bunte. Der Schimmel hatte eine fürchterliche Anstrengung gemacht und wirklich einen Satz fertig gebracht, der seinen Reiter vollständig aus der Contenance warf. »Du brichst den Hals, und ich, ich brech - brrr, stopp, ohohoho, Du höllische Bestie!«

Einer der Herren eilte herbei und half ihm wieder in eine sattelfeste Stellung.

»Der Schimmel hat zu gute Pflege, Master Olbers. Laßt ihm etwas weniger Hafer geben, dann wird er nicht so unmäßig in die Welt hineinspringen.«

»Der Hafer ist nicht schuld, sondern das böse Beispiel, welches selbst die besten Sitten verdirbt. Der Gaul verträgt seine Portion Körner ohne alle Aufregung eben so leicht, wie ich meine Flasche Madeira, die ich mir nicht nehmen lasse. Aber bei Eurem Springen und Jagen kann auch die zuverlässigste Kreatur unmöglich ruhig bleiben. Ich bitte Euch dringend, Sir, reitet hin zu meiner Tochter, und sagt ihr, daß ich sofort in Ohnmacht falle, wenn sie noch ein einziges ventre - … - terre riskiert!«

»Laßt ihr das Vergnügen, Master. Es hebt den Muth, stärkt die Gesundheit, macht gewandt und, ganz unter uns gesagt, läßt Miß Marga in einen [einem] Lichte erscheinen, dem kein wahrer Gentleman zu widerstehen vermag.«

»Licht hin, Licht her; ich lobe mir die Sicherheit meiner gesunden Glieder, Master Wilson. Da seht einmal den Mann, der dort herüberkommt. Sein Pferd geht Schritt um Schritt, als hätte es die Blüthen zu zählen, die es niedertritt, und wahrhaftig, es nimmt sich sogar hier und da ein Maul davon auf; er läßt das geduldig geschehen, hängt dabei vornüber im Sattel, als wolle er in die Mähne beißen[,] und scheint es ganz gleich zu nehmen, ob er heute nach Stenton kommt oder morgen. Der ist kein solcher Wagehals wir Ihr und Marga, und für die erste Rippe, welche er sich bricht, will ich Euch getrost baare fünfzigtausend Dollars versprechen!«

»Meint Ihr?« frug der Andere, mit einem forschenden Blick auf den noch fernen fremden Reiter. »Ich meine sehr, daß Ihr die Dollars bald verlieren könntet, denn der Mann hat jedenfalls schon mehr als eine Rippe gewagt.«

»Hoëh! Er sieht ganz und gar nicht darnach aus.«

»Das meint Ihr, weil Ihr noch nie die Prairie betreten habt. Ich wette ganz dieselbe Summe, daß er ein richtiger Westmann ist, der noch andere Ritte, als Ihr gesehen habt, unternommen und dem Tode täglich in das Auge geschaut hat. Ich kenne das, denn meine Besitzungen in Texas grenzen an die Savanne, und ich habe Gelegenheit, diese Leute zu beobachten und sogar ein wenig mitzuthun. Gerade seine gebeugte Haltung kennzeichnet ihn als Jäger; so sitzen sie Alle zu Pferde, denn anders wäre das ewige Reiten gar nicht auszuhalten.«

»Ein Prairiejäger? Ein Halbwilder? Den müssen wir anreden. Eine Unterhaltung mit ihm wird unseren Damen sicher viel Spaß machen.«

»Ich denke auch. Laßt mich nur machen!«

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