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作者:德- Karl May 当前章节:15416 字 更新时间:2026-6-22 20:19

Der Sprecher war ein noch ziemlich junger und schöner Mann, dessen dunkel sprühende Augen ganz prächtig zu dem tiefschwarzen, wohlgepflegten Vollbarte standen. Er war mit beinahe übermäßiger Eleganz gekleidet und saß mit seltener Leichtigkeit zu Pferde. Der breite Panamahut war ihm ein wenig aus der Stirn in den Nacken gerutscht und ließ eine dunkelrothe Narbe sehen, welche sich von der Nasenwurzel bis unter die Haare zog. Einige laut gerufene Worte von ihm brachten die Gesellschaft zusammen.

»Meine Ladies und Gent's, ein Pläsir erwartet uns. Dort kommt ein Biberhauthaggler, den wir ein wenig ins Gebet nehmen wollen. Der Mann hat wohl noch nie eine wirkliche Lady gesehen und wird in schauderhafte Verlegenheit gerathen über die Zumuthung, uns Red und Antwort stehen zu sollen.«

Der Vorschlag wurde von der übermüthigen Versammlung mit Freude angenommen; nur die Tochter des Bunten protestirte dagegen.

»Laßt ihn ruhig vorüber, Gentlemen! Der Mann hat Euch nichts gethan und könnte sich verletzt fühlen!«

»Verletzt?« lachte Wilson. »Er soll es für eine Ehre halten, von so feinen Leuten angesprochen zu werden. Ich werde ihm das begreiflich machen!«

Er wandte sein Pferd dem Reiter entgegen; die Andern folgten, und Marga war also gezwungen, sich ihnen anzuschließen, doch hielt sie sich zurück. Das Unternehmen des reichen Plantagenbesitzers stand im Widerspruche mit ihrer Art und Weise, zu denken und zu empfinden.

Der Fremde war jetzt bis in Hörweite herangekommen, und ein mit dem Leben und den Gestalten der Prairie Unvertrauter würde geglaubt haben, daß die Gesellschaft noch gar nicht von ihm bemerkt worden sei, so unverwandt hielt er den Blick auf den Hals seines Pferdes gerichtet.

»Good day, Mann« rief Wilson. »Schlaft und träumt Ihr, oder sind Euch Eure letzten zwei Sinne abhanden gekommen?«

Der Gefragte richtete sich blitzschnell in die gerade Stellung empor, und es war eigenthümlich, mit welchem Blicke sich die Beiden begegneten. Das tiefblaue Auge des Jägers bohrte sich förmlich stechend in das Gesicht seines Gegenübers, und das dunkle Auge des Letzteren leuchtete wie unter einem plötzlichen Erkennen auf und warf einen vernichtenden Strahl unter die zerwalkte Hutkrempe des in ein schmutziges und arg zerfetztes Lederhabit gekleideten Reiters.

»Good day, Ladies und Mesch'schurs« antwortete dieser mit voller, sonorer Stimme. »Ich träumte von dem Llano estacado und von abhanden gekommenen Stangen und Nuggets. Good bye!«

Er machte Miene, seinen Weg fortzusetzen, Wilson aber verlegte ihm denselben.

»Halt, nicht weiter, bis Ihr erklärt, was diese Antwort zu bedeuten hat!«

Er war blaß geworden, aber sein Auge funkelte, und die Narbe auf seiner Stirn schwoll zu doppelter Dicke an.

»Halt?« frug der Andere mit einem überlegenen Lächeln. »Wer will es wagen, einem freien Manne unter freiem Himmel Halt zu gebieten? Wer will ihm das Wort befehlen, das er nur freiwillig giebt?«

»Ich will es, Bursche! Was soll Deine Rede bedeuten? Sprich sofort oder - -«

Er erhob drohend die Reitpeitsche. Die Absicht, den unscheinbaren Mann zur Zielscheibe eines muthwilligen Spaßes zu machen, hatte so schnell zur drohenden Gefahr geführt, daß keiner der Anwesenden Zeit fand, sie abzulenken.

»Oder - -?« donnerte der Jäger, die langen, wirren, blonden Locken schüttelnd, wie ein Löwe seine Mähne. Er nahm mit der Linken die Zügel empor, und in demselben Augenblick schien dreifaches Leben sein scheinbar zu keiner schnellen Bewegung fähiges Pferd zu durchströmen. »Hinweg mit der Peitsche!«

»Heraus mit der Antwort!« schallte es ihm entgegen.

»Hier ist sie.«

Ein leiser Schenkeldruck und der Mustang schnellte bis dicht an Wilson heran; im nächsten Augenblicke sank dieser, von einem fürchterlichen Faustschlage getroffen, aus dem Sattel in das Gras hinab. Der kraftvolle Mann, der jetzt so plötzlich von Geist und Feuer sprühte, riß sofort das Roß wieder herum und blitzte Einen nach dem Andern mit seinem vor Zorn sich dunkelfärbenden Auge an.

»Will einer von dem Gentlemen noch Antwort haben?«

Niemand regte sich, denn jeder der Herren mußte erkennen, daß diese Antwort augenblicklich und ganz in der vorhergehenden Weise erfolgen werde.

»Keiner? Well, so sind wir eigentlich fertig. Doch will ich Euch warnen vor dem Wagniß, je wieder einen braven Westmann für den passenden Gegenstand eines Possenspiels zu halten; sein kleiner Finger ist mehr werth als Ihr Alle; er sieht schon in der Ferne, was Ihr wollt, und weiß genau, wer lachen wird.«

Schon stand er im Begriff fortzureiten, da zügelte er sein Thier bis vor Marga heran. Sein Gesicht nahm einen ganz andern Ausdruck an; seine Hand zog ehrerbietig den Hut vom Kopfe; bewundernd glitt sein Blick über die holde, lichtvolle Erscheinung des Mädchens, und seine Stimme klang weich und halblaut:

»Dank, Mylady! Ihr wart die Einzige, die nicht spotten wollte, und seid einer besseren Gesellschaft werth. Good bye!«

Mit dem vollen Anstand eines wohlgeschulten Ladiesmann bedeckte er sich wieder, zog den gelockerten Büchsenriemen fester an und ritt in kurzem, eleganten [elegantem] Galopp davon.

Nicht ein einziges Mal sah er sich um, trotzdem es seinen Blick mit Gewalt nach rückwärts zog. Er hatte hier zum ersten Male in ein Mädchenangesicht geblickt, von dem er sich gestand, daß er es nie vergessen werde. Als er die Stadt erreichte, stieg er in dem Gasthause ab, dessen Schild ihm zuerst entgegenglänzte, übergab sein Pferd dem Stallkeeper und begab sich in den Trinkraum, wo er die allgemeine Aufmerksamkeit durch die Hast erregte, mit welcher er nach den ausliegenden Zeitungen griff. Ein Trapper, der zu lesen versteht, kann beinahe als ein Mirakel betrachtet werden. Nach einiger Zeit winkte er dem [den] Boardkeeper zu sich heran.

»Wer ist Mutter Smolly?«

»Kennt Ihr Mutter Smolly nicht, Master? Dann müßt Ihr noch niemals hier gewesen sein! Sie war das schönste Mulattenmädchen weit und breit, wurde freigegeben und heirathete einen reichen Mississippihändler, dessen Wittwe sie nun ist. Sie ist die ehrbarste Frau der ganzen Stadt und überall als der Engel aller Nothleidenden bekannt; darum wird sie von Jedermann nicht anders als Mutter Smolly genannt.«

Er dankte für die Auskunft und las noch einmal die Annonce, welche ihn zu seiner Frage veranlaßt hatte:

»Ein wahrer Gentleman kann bei Mutter Smolly feine Wohnung mit Bibliothek und guter Kost erhalten.«

Diese Offerte hatte, vielleicht gerade wegen ihrer sonderbaren Fassung, etwas Anziehendes für ihn. Er erkundigte sich noch nach der Wohnung der Mulattin, die nicht angegeben war, und beschloß, sie aufzusuchen.

Das Haus, welches ihm bezeichnet wurde, lag in einer der schönsten und ruhigsten Straßen Stentons. Er klingelte am Entrée des Parterres, und aus der sich öffnenden Thürlücke sah ein allerliebstes, dunkles Gesicht hervor.

»Ist die Mutter Smolly daheim, mein Kind?«

»Ja. Ich will sie rufen!«

»Nein, melde mich an«, lächelte er über das Mißtrauen, welches seine Kleidung hervorgerufen hatte. »Ich habe längere Zeit mit ihr zu sprechen.«

»So bitte ich, zu warten!«

Nach längerer Zeit und jedenfalls erst nachdem die Dienerin der Herrin den Besuch in das Einzelnste beschrieben hatte, wurde er eingelassen, aber auch nur bis in den Vorsaal, wo ihn eine dralle, außerordentlich sauber gekleidete Frau empfing, die vielleicht vierzig Jahre zählen mochte und deren Gesichtsfarbe ihre Abstammung von irgend einer hübschen coloured-Lady verrieth.

»Verzeihung, Mylady, wenn - -«

»Mutter Smolly, nicht anders, wenn ich bitten darf!« fiel sie ihm schnell in die Rede.

»Gut also, Mutter Smolly! Ich las da eine Annonce, daß Ihr eine feine Wohnung mit guter Kost zu vergeben habt.«

»Allerdings. Aber habt Ihr auch gelesen, an wen?«

»An einen wahren Gentleman.«

»Also nicht an einen von den Vielen, die sich so nennen, ohne es zu sein, sondern an einen, den ich mit Recht so nennen darf.«

»Diese Sorte ist hier im Südwesten außerordentlich selten, Mutter Smolly.«

»Dann bleibt mein Logis unvermiethet. Ich nehme in mein Haus nur Leute, denen ich außer einer strengen Wirthin auch eine gute Mutter Smolly sein darf. Hat Euch Jemand geschickt?«

»Nein. Ich selbst beabsichtigte, bei Euch zu wohnen, wenn Eure Räumlichkeit mir und meine Person Euch gefällt.«

Sie konnte ein leises Lachen nicht zurückhalten.

»Meine Wohnung würde Euch sicher gefallen; aber sagt mir doch einmal, Master, wer und was Ihr seid! Ich vermuthe, ein Jäger oder Fallensteller.«

»Meinem gegenwärtigen Aeußern nach, ja. Ich komme vom Felsengebirge und habe seit dort weder Kleider noch Wäsche wechseln können. Ich wollte das erst thun, wenn ich hier eine Heimath gefunden habe.«

»Weshalb hier in Stenton?«

»Weil sich hier die Druckerei befindet, in welcher ich Einiges veröffentlichen will.«

»So seid Ihr eigendlich [eigentlich] ein Gelehrter oder wohl gar ein Dichter?«

»Vielleicht. Ich unternehme meine Reisen nur des Wissens wegen. Mein Name ist Richard Forster.«

»Rich - - Forst - - bitte, bitte, Sir, tretet doch hier herein!«

Sie riß eine Thür auf, schob ihn mehr, als er ging, in ein sehr hübsch eingerichtetes Zimmer, zog von einem Konsolegestell unter mehreren Büchern einen in Sammt gebundenen Band heraus und hielt ihm das Titelblatt desselben vor.

»Herzensklänge, Sir; habt Ihr diese Lieder gedichtet?«

»Sie sind von mir!«

»Ist's möglich! Mein Mann war ein Deutscher; er hat eine ganz werthvolle Bibliothek hinterlassen, und seine liebsten Bücher waren die Eurigen. Ich kann sie nicht lesen, aber ich kenne ihre Titel und habe sie als Heiligthum hier in meinem Zimmer aufbewahrt. Ihr sollt die Wohnung haben, Ihr müßt sie nehmen. Kommt, ich will sie Euch zeigen!«

Es war auf einmal eine ganz außerordentliche Lebhaftigkeit über sie gekommen. Sie sprang voraus, eine Treppe empor, und öffnete ihm drei Räume, die alle Ansprüche eines gebildeten Mannes zu befriedigen vermochten.

»Hier das Schlafzimmer, hier das Wohnzimmmer mit Balkon, und hier die Bibliothek, in welcher Ihr arbeiten könnt. Ich vertraue die Bücher keinem Menschen lieber an, als Euch!«

»Gut, ich wohne hier, und der Preis?«

»Jetzt nicht davon, später. Seht nur erst, ob es Euch auch wirklich gefällt! Ich lasse Euch gar nicht wieder fort, und was Ihr braucht, werde ich Euch sofort besorgen.«

»Was die Wäsche und Aehnliches betrifft, ja; da muß ich sogar um Eure Hülfe bitten, meine gute Mutter Smolly; das Andere werde ich aber wohl selbst übernehmen müssen. Auch mein Pferd, welches im Hotel steht, erfordert meine Anwesenheit.«

»Das lassen wir holen. Ich habe im Hinterhause eine ganz prächtige Stallung, die Euch sicher zufriedenstellen wird.«

Bis der Abend hereinbrach, war mit Hülfe des Konfektioners, Kleiderhändlers und Friseurs ein vollständig anderer Mensch aus Forster geworden, und die Wirthin schlug verwundert die Hände zusammen, als er herabkam, um sich ihr in dieser neuen Fassung vorzustellen.

Dann begab er sich zum Buchhändler und Druckereibesitzer, welcher zugleich Herausgeber der hiesigen Morgen- und Abendpost war und ihn mit Auszeichnung empfing. Hier erkundigte er sich nach der Privatwohnung des Advokaten Summerland. Er hatte sich in Preston am Red River von dem braven Tim getrennt, um noch einen Ausflug in das Indianer-Territorium zu machen und wollte den ersten Tag nicht vorübergehen lassen, ohne ihn aufgesucht zu haben. Leider aber fand er ihn nicht daheim; er war, wie das Mädchen berichtete, mit ihrer Herrschaft für den ganzen Abend zum Bankier Olbers geladen.

Er kehrte nach Hause zurück, um sich mit der Bibliothek des verstorbenen Mississippihändlers zu beschäftigen. Während dieser Unterhaltung bemerkte er, daß die zweite Etage des gegenüberliegenden großen Hauses hell erleuchtet war. Man konnte von dort aus recht wohl seine Zimmer übersehen; er schloß also die Gardinen.

Drüben war eine zahlreiche Gesellschaft um die Tafel, an welcher Marga präsidirte, versammelt. Unter den Anwesenden befanden sich, Wilson abgerechnet, sammtliche [sämmtliche] Theilnehmer der heutigen Reitparthie, und auch Bill Summerland mit Frau und Bruder. Dieser Letztere hatte aus Rücksicht für die Seinen heute auf die gewohnte Trapperkleidung verzichtet und sich in eine salongerechtere Gewandung geworfen; doch war ihm recht gut anzusehen, daß er sich in derselben außerordentlich unbehaglich fühlte. Er war nicht der Mann, sich an einem solchen Orte fehlerlos zu bewegen, aber das genirte ihn ganz und gar nicht, denn er wußte, daß alle diese geputzten Herren und Damen im Gegensatze zu ihm in der Prairie noch viel unbehülflicher gewesen sein würden, wie er hier in den glänzenden Räumen des reichen Goldmannes, die er noch niemals betreten hatte. Er war ja eigentlich die Hauptperson der anwesenden Versammlung, die nicht müde wurde, sich von der Erzählung seiner Abenteuer unterhalten zu lassen.

Er stand jetzt bei der Schilderung der Todessteppe.

»Ja, Mesch'schurs, es ist ein kleiner Unterschied zwischen hier und dort. Und wißt Ihr, wen ich dort getroffen habe? Einen Dichter, ja, schaut mich nur verwundert an, einen Dichter, aber nicht einen solchen, der zwischen Himmel und Erde hängt und hilflos mit den Beinen zappelt, sondern einen echten Busineßman, der auf jedem Fleck, wo man ihn hinstellt, es mit dem Besten aufzunehmen versteht.«

»Wie heißt er?« frug der dicke Bankier, der ein großer Literaturfreund war und nicht gern eine Gelegenheit, seine Belesenheit merken zu lassen, ungenützt vorübergehen ließ.

»Forster, Richard Forster, wenn es Euch recht ist. Seine Reime sind weich wie Butter, seine Fäuste aber hart wie Stahl. Er ist ein Kerl wie ein Riese und hat ein Herz wie ein Kind; darauf kann ich schwören wie auf meine Mütze!«

»Forster, der Germanist! Dort sitzt seine größte Verehrerin«, meinte er, auf seine Tochter zeigend. »Sie hat seine Gedichte bei Mutter Smolly kennen gelernt. Er ist wirklich bedeutend in seinem Genre; groß aber könnte er nur im Englischen werden.«

»Im Englischen?« frug Tim Summerland. »Ich weiß nicht, ob er deutsch oder englisch zugeschlagen hat, aber gut waren seine Hiebe, das könnt Ihr glauben. Ich habe es gesehen, als wir meine Nuggets wieder holten und die Geschichte müßt Ihr noch hören!«

Er fuhr in seinem Berichte fort, den er mit der Bemerkung schloß:

»Und wenn Ihr ihn sehen wollt, so kann dies vielleicht schon bald geschehen. Als wir am rothen Flusse von einander gingen, hat er mir versprochen, nach Stenton zu kommen. Er war blos in die Prairie gezogen, um ein Buch voll Reime über sie zu machen, und will es hier drucken lassen. Reime über die alte große Wüste, ein verteufelt sonderbarer Gedanke! Als ich zum ersten Male hineinritt, war ich ein Greenbeak von achtzehn Jahren; jetzt bin ich ein alter Junge und niemals aus ihr herausgekommen, aber ich will, so lange ich noch lebe, nichts als Truthahnbussard und Büffelboutins verzehren, wenn ich einen einzigen Reim über sie fertig bringe, geschweige ein ganzes Buch voll von ihnen! Und da soll er nicht groß sein, Master Olbers? Seht ihn Euch erst an, und dann sagt, ob Ihr etwas Kleines an ihm findet!«

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