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作者:德- Karl May 当前章节:15380 字 更新时间:2026-6-22 20:19

Die Tafel wurde aufgehoben, und die Gäste zerstreuten sich in die verschiedenen Zimmer. Marga war der Erzählung des alten Trappers aufmerksam gefolgt. Ihr waren während derselben die verschwundenen Stangen und Nuggets aufgefallen, und unwillkürlich brachte sie Beides mit der Antwort des Jägers in Verbindung, der heute dem muthwilligen Wilson eine so derbe Lehre gegeben hatte. Dieser Letztere hatte in Folge des erhaltenen Schlages am Abend nicht erscheinen können. Was hatten die überraschten Blicke zu bedeuten, mit welchen sich die Gegner gemessen hatten? Sie konnte die hohe, stolze Gestalt des Fremden nicht aus dem Sinn bringen. Mit welcher Schwere hatte seine Stimme den Feind getroffen, und wie weich und warm war sie dann ihr entgegengeklungen! Sie suchte einige Augenblicke unbelauschten Zusammenseins mit Tim Summerland zu ermöglichen.

»Sagtet Ihr nicht, daß Forster nach Stenton kommen will?«

»Yes, das habe ich gesagt, Miß.«

»Könnt Ihr mir seine Person beschreiben?«

»Sehr genau. Figur lang, breit und kräftig, Haare blond und lang, Bart ebenso, Augen blau, Mund klein, Zähne gut, Kleidung ein Jagdrock, ausgefranst und zerrissen, Leggins, ausgefranst und zerfetzt, Moccassins, ausgefranst und zersprungen, Hut, ein Stück Filz ohne Gestalt und Farbe, Pferd, ein Brauner mit weißem Stern, Waffen, eine Doppelbüchse, ein Stutzen, Messer, Tomahawk und Lariat, besondere Kennzeichen, macht Lieder und schlägt Pfahlmänner todt. So, nun könnt Ihr ihn steckbrieflich verfolgen lassen, so genau ist die Beschreibung.«

Sie wußte jetzt genug; das seltsame Signalement paßte genau auf den fremden Jäger.

»Werdet Ihr ihn uns einmal zuführen, wenn er da ist, Master Summerland?«

»Wenn Ihr es wünscht, Miß, so bringe ich ihn so gewiß wie meine Mütze.«

»Ich halte Euch beim Wort!«

Er wandte sich wieder der Gesellschaft zu, und sie trat an das Fenster, wo der Vater stand.

»Mutter Smolly muß vermiethet haben,« sagte dieser.

»Wirklich? Dann ist es erst heute geschehen. Als ich sie gestern besuchte, stand das Logis noch leer.«

»Sie scheint also doch einen "wahren Gentleman" gefunden zu haben, wie ihr Ausdruck in der Morgenpost lautet. Die Fenster sind erleuchtet, und hinter den Gardinen bewegte sich ein männlicher Schatten.«

Der, von welchem dieser Schatten herrührte, hatte in der Bibliothek manches Buch gefunden, welches nicht ohne Werth für ihn war, und dachte erst zu ungewöhnlich später Stunde daran, die Ruhe aufzusuchen. Als er das dunkle Wohnzimmer betrat, bemerkte er, daß drüben im gegenüberliegenden Hause die Lichter des zweiten Stockes erloschen seien. Jetzt waren einige Fenster des ersten Stockes erleuchtet; die Vorhänge waren zurückgezogen; die Altanthüre stand offen, und durch diese glänzte die große, lichtverbreitende Kuppel einer Lampe, welche auf dem Sophatische stand. Eine weibliche Gestalt in weißem, luftigem Gewande glitt wie schwebend durch das Gemach. Sie trat an den Tisch; das blendendhelle Licht fiel auf ihre hohe, volle Gestalt, doch da sie von ihm abgewandt stand, so konnte er von ihrem Gesicht nichts sehen. Unbeweglich hielt er seinen Blick auf sie gerichtet, indem er erwartete, daß sie sich mehr seitwärts wenden werde. Jetzt erhob sie ein Buch, schlug es auf und hielt es dem Lichte näher, und weißer als ihr Gewand, weißer als das Papier glänzte wie ein selbstleuchtender Gegenstand ihre Hand zu ihm herüber.

Schnell holte er ein Opernglas herbei, welches er auf dem Schreibtische gesehen hatte, und eilte, dasselbe vor sein Auge haltend, hinaus auf den Balkon, wo er in der Dunkelheit nicht bemerkt werden konnte. Da stand die Unbekannte nun so klar und deutlich vor ihm, als befinde er sich in ihrer unmittelbaren Nähe. Ihre Hand fesselte wieder seinen Blick. Er hatte schon manche schöne Hand gesehen, vielleicht auch eine von ihnen besungen, wie weit aber blieb all seine Poesie gegen diese Wirklichkeit zurück! Wie graziös berührten sich ihre langgestreckten, spitz zulaufenden Finger an dem Papiere; wie leicht und schön gebogen hob sich das Handgelenk, und wie reizend schaute der Arm aus der durchsichtigen Spitzenhülle hervor! Es war ihm, als brauche er sich nur vorzubeugen, um seine Lippen auf diese Lilienhand zu drücken, so nahe, so deutlich sah er sie vor sich. Und immer noch wollte die Eigenthümerin derselben sich nicht wenden, immer noch konnte er Ihr [ihr] nicht in das Angesicht schauen! Ob die Schönheit ihrer Züge wohl mit der ihrer Hand im Einklang stand? Ihr Kopf war klein und edel geformt, und zwischen den reichen braunen Locken, die über die Schultern herniederfielen, schaute ein zierlicheres Ohr hervor, als er in seinem Leben jemals gesehen hatte.

Es durchfluthete ihn ein vollständig fremdes Gefühl. Es war ihm, als harre er auf eine Seligkeit, die ihm von Minute zu Minute vorenthalten werde; seine Ungeduld steigerte sich immer mehr und - da, da drehte sie sich halb um, und er erblickte dasselbe wunderbare schöne Angesicht, welches heute einen so tiefen Eindruck auf ihn gemacht hatte.

»Sie ist's; ich hab' es geahnt!«

Heiße Wogen drängten sich nach seinem Herzen; war es von dem zu scharfen Sehen durch das Glas? Ein Taumel, ein der Trunkenheit ähnlicher Zustand wollte ihn erfassen. Er kannte die Macht weiblicher Schönheit, aber er hatte sie noch nicht an sich selbst erfahren; jetzt zitterte ihr Einfluß ihm durch das tiefste Leben, und er hätte um keinen Preis der Erde die Fülle von Ahnungen und unbewußten Wünschen, welche seine Brust schwellten, hingegeben.

Da nahm sie die Lampe und trat in das Nebengemach. Die weißen Gardinen, welche die dortigen Fenster verhüllten, ließen nur noch ihren Schatten sehen, welcher auch bald verschwand, als sie das Licht verlöschte.

Noch lange stand er, ob gedankenvoll oder gedankenlos, er selbst hätte es nicht sagen können. Nicht ihre Schönheit allein hatte ihn begeistert; das Vornehme und Edle ihres Aeußeren und die Reinheit, welche sie umwebte und umschwebte, wie das Licht die Sonne, hatte ihn gefangen genommen.

»Schlaf wohl, du herrliches, du unvergleichliches Wesen!« flüsterte er aus überschwellendem Herzen und trat wieder in die Bibliothek zurück. Es trieb ihn hin zum Schreibtisch, es lenkte seine Hand zur Feder, und bald flossen die glühenden Stanzen auf das Papier, so glockentönig und farbenprächtig, wie sie nur die erste, alles Irdische überlodernde Liebe zu diktiren vermag. Er nahm das Blatt und las es wiederholt.

»Meine beste Arbeit, vielleicht die einzige gute und untadelhafte von allen. Nicht ich habe sie geschrieben, sondern die himmlische Macht, die sich heute mir zum erstenmale offenbarte. Was thue ich? Darf ich oder nicht? Noch ist die Redaktion mit der Zusammensetzung des Morgenblattes beschäftigt - ja, es wird gewagt!«

Er griff zum Hute und verließ trotz der späten Nachtstunde das Haus, um sich zur Druckerei zu begeben. Sein Beitrag wurde willkommen geheißen, und befriedigt kehrte er zurück. In der vom Monde nicht beschienenen Thornische standen zwei Personen, mit denen er in der Eile seines Ganges nicht allzuzart karambolirte, eine hohe männliche und eine zierliche weibliche.

»Wer da?« fragte er.

»Ich bin's.«

»Wer ist das?«

»Sarah.«

»Welche Sarah?«

»Das Mädchen von Mutter Smolly.«

»Ach so. Gute Nacht!«

Die kleine, niedliche Terzerone hatte also einen Anbeter. Forster wollte in den undeutlichen Umrissen seiner Gestalt etwas Bekanntes finden, konnte aber die beiden Leute unmöglich noch mehr belästigen. Er stieg zu seiner Wohnung empor und schlief nach langer Zeit zum ersten Male wieder zwischen schwellenden Federn. Seine Ruhe war so tief und fest, daß es dem Gotte des Traumes versagt blieb, sie mit den glücklichen Bildern zu durchweben, die den Schläfer noch im Entschlummern umgaukelt hatten.

III.

Trotz des festen Schlafes erwachte Forster doch schon früh am Morgen. Die Toilette war schnell beendet, und dann trat er an das Fenster, um nach seinem schönen Gegenüber zu forschen. Er fand alle Fenster geschlossen; die Balkonthüre war noch wie am Abend offen. Nun ließ er seine Vorhänge zusammenfallen, und zwar so, daß er seine Beobachtungen anstellen konnte, ohne selbst gesehen zu werden.

Er hatte noch nicht lange gewartet, so bewegten sich die Vorhänge, und die unverkennbare, reizende Hand erschien, um sie zurückzulegen und das Fenster zu öffnen.

Nur wenige Augenblicke war es dem Lauscher gestattet, die Erscheinung des Mädchens anzustaunen, und doch waren sie hinreichend, ihr Bild in jeder reizenden Einzelheit zu umfassen. Hätte er sie nie wiedergesehen, dies Bild würde ihn doch als Ideal weiblicher Schönheit bis über das Grab hinaus begleitet haben. Schlank und hoch war ihre Gestalt; über der formvollendeten Brust hob sich auf einem schneeig zarten Halse ihr kleiner, wunderbar schön geformter Kopf, dessen glänzendes, dunkelbraunes Haar das edle Oval ihres Gesichtes einrahmte und in schweren, ungezwungenen Locken auf die schwellenden Schultern niederfiel. Ihre Züge waren fein geschnitten, zierlich gebogen ihre schöne Nase, prächtig gezeichnet ihre Korallenlippen, und unter den graziös geschwungenen dunklen Brauen schauten ein Paar hellbraune, seelenvolle Antilopenaugen hervor. Ihre ganze Erscheinung war ungezwungen vornehm und ihre Bewegungen zeigten selbstbewußte Ruhe und angenehme Leichtigkeit.

Nachdem sie die Gardinen zurückgeschoben, das Fenster geöffnet und einen Blick auf die Straße geworfen hatte, trat sie in das Zimmer zurück und verschwand vor Forsters Augen. Die Schläge seines Herzens hatten sich verdoppelt und ein Verlangen, eine Sehnsucht ihn erfaßt. [erfaßt,] wie noch nie in seinem ganzen Leben.

Schon wollte er wieder von dem Fenster zurücktreten, da schwebte es wieder wie eine Nebelwolke durch den Salon der Glasthüre zu, und in blüthenweißem, duftigem Morgengewande trat sie heraus auf den Balkon. Sie blickte hernieder auf die Straße, legte ihr Battisttuch auf das Eisengeländer des Altans, senkte den schön gerundeten Arm darauf, um sich auf denselben zu stützen und ließ ihre reizenden Hände übereinandergelegt von der Balustrade herabhängen.

Er stand wie festgebannt vor dem wundervollen, zauberischen Bilde. Sie war schöner, als Alles, was er vorher gesehen; sie war lieblicher und anmuthiger als Alles, was seine Phantasie ihm bisher vorgegaukelt hatte; sie war eine Fee, eine Göttin, von Wolken umgeben.

Nach dem Frühstücke erschien sie wieder und ließ sich, ihrem anwesenden Vater gegenüber, auf dem rothsammetnen Armsessel nieder, den ein sauber in Weiß gekleideter Negerknabe für sie hinstellte. Dann breitete der letztere die Zeitungen aus, deren Lektüre die Beiden vornahmen. Forster stand wieder beobachtend am Fenster; er hätte so stehen können, in Liebe und Wonne versunken, bis in alle Ewigkeit.

»Der dicke Gentleman scheint ihr Vater zu sein. Er blickt überrascht empor; er scheint etwas Interessantes in dem Journale gefunden zu haben. Jetzt lächelt er und giebt ihr das Blatt. Sollte es mein Gedicht sein? Wenn sie es liest, muß sie sofort wissen, daß es nur an sie gerichtet sein kann!«

Er nahm das Glas vor das Auge. Es waren seine Strophen; zwar konnte er die einzelnen Lettern nicht deutlich unterscheiden, aber er sah es an der Stellung des Satzes, daß die Stelle, auf welcher ihr Auge ruhte, nichts anderes, als ein Gedicht enthielt. Eine tiefe Röthe breitete sich über ihr Gesicht von der Stirne bis zum Nacken herab.

»Sie hat es gelesen!« flüsterte Forster mit freudebebender Stimme. »Sie liest es wieder. O, wenn sie wüßte, wie so innig der Dichter sie mit seiner ganzen Seele umfangen hält; wenn sie es doch fühlen könnte, wie selig sein Puls in diesem Augenblicke für sie klopft und wogt!«

Unbeweglich, wie an sie gezaubert, hielt er seinen Blick auf sie geheftet und suchte in ihren prächtigen Augen und auf ihren frischen Lippen die Worte zu lesen, welche sie zu ihrem Vater sprach. Sie rief einen kurzen Befehl in den Salon hinein; der Negerknabe brachte eine Scheere herbei. Sie nahm dieselbe, schnitt das Gedicht aus der Zeitung heraus und gab diese ihrem Vater zurück. Den Ausschnitt aber faltete sie zusammen und verbarg ihn an ihrem Busen.

Bei diesem Anblicke schoß es Forster glühend durch die Adern; jeder Nerv erbebte ihm in seligem Entzücken, und seine Hand, welche das Glas hielt, zitterte unter dem wonnigen Schauer, der seine hochathmende Brust durchzog.

Da klopfte es an seine Thür; die kleine, hübsche Terzerone seiner Wirthin brachte ihm das Verzeichniß, aus welchem er sich die Speisekarte dieser Woche zusammenstellen sollte. Sie war eine jener stillglühenden Schönheiten, welche der Vermischung der schwarzen mit der weißen Rasse ihr genußsüchtiges Dasein verdanken. Er war unwillig über diese Störung, ließ sich aber davon nichts merken. Er versprach, die gewünschte Zusammenstellung sofort vorzunehmen. Sie zog sich bis an die Thür zurück, zögerte jedoch, das Zimmer zu verlassen.

»Wünschest Du noch etwas?«

»Eine Bitte, Mylord Forster«, antwortete sie erröthend.

»So sprich!«

»Ihr habt mich heute Nacht an der Thüre getroffen mit einem Gentleman - -«

Ihm fiel ein, daß der Mann etwas ihm bekannt Vorkommendes an sich gehabt hatte, und er beschloß, sich zu orientiren.

»Ein Gentleman? Welcher Gentleman stellt sich des Nachts mit einem Dienstboten unter das Thor?«

»Es ist so, Mylord; er ist ein Gentleman, ich kenne ihn genau, denn er ist mein - mein - -«

»Dein Geliebter?«

»Ja«, antwortete sie leise, indem eine tiefe Gluth ihren dunklen Teint durchleuchtete. »Die Herrin darf aber nichts davon wissen, und da - da wollte ich Euch ersuchen, ihr zu verschweigen, daß Ihr mich mit ihm gesehen habt!«

»Well! Wer ist denn dieser Gentleman, der Dir das kleine Herz bethört?«

»Ich nenne ihn Tom, Mylord? [Mylord!]«

»Und wie heißt er noch?«

»Das soll ich verschweigen; Euch aber will ich es sagen. Er heißt Tom Wilson und ist ein sehr reicher Plantagenbesitzer in Texas. Er ist sehr oft drüben bei Bankier Olbers und hat mich durch das Fenster gesehen und sehr lieb gewonnen.«

»Olbers? Ist dies der dicke Herr, welcher jetzt dort auf dem Balkon sitzt?«

»Ja, und die Lady ist Miß Margareth, seine Tochter, die sehr oft zu meiner Herrin kommt und Marga genannt wird.«

Forster wußte nun auf einmal, wem sein so lebhaftes Interesse gehörte. Ein Gedanke durchblitzte ihn.

»Hat Dein Geliebter eine Narbe über der Stirn?«

»Ja. So kennt Ihr ihn, Mylord! Er hat sie von einem Indianer bekommen.«

»Woher weißt Du, daß er reich ist?«

»Er hat mich einmal mit in seine Wohnung genommen und mir eine ganze Menge Nuggets und Goldstaub gezeigt. Er wird nächstens verreisen.«

Das Mädchen war mittheilsam geworden. Forster mußte dies benutzen, denn was er hier erfuhr, konnte ihm von Nutzen sein.

»Wohin?«

»Nach Mexiko zu seinem Bruder.«

»Ah! Warum so weit?«

»Sein Bruder, welcher Alkalde in Morelia ist, hat ihm geschrieben, daß er ein großes Geschäft mit ihm machen will. Ich habe den Brief gelesen.«

»Wie heißt der Alkalde? Natürlich auch Wilson!«

»Nein, denn er ist nur der Stiefbruder und heißt Antonio Molez.«

»Was für ein Geschäft soll es sein?«

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