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作者:德- Karl May 当前章节:15602 字 更新时间:2026-6-22 20:19

»Das stand nicht dabei. Werdet Ihr meine Bitte erfüllen, Mylord?«

»Ja, doch nur unter der Bedingung, daß Du auch Deinem Geliebten nichts von unserer Unterredung sagst!«

»Habt Dank; ich werde schweigen.«

Sie ging, und Forster eilte an das Fenster zurück. Marga und ihr Vater hatten den Balkon bereits verlassen. Er setzte sich an den Schreibtisch und fertigte den Küchenzettel. Dann machte er Toilette zum Ausgehen. Er wollte den braven Summerland besuchen und hatte während dieser Beschäftigung nicht bemerkt, daß die heimlich Geliebte, jetzt in schwarze, rauschende Seide gekleidet, ihre Wohnung verließ, und über die Straße herüber das Haus von Mutter Smolly betreten hatte. Diese war eine Freundin von ihrer verstorbenen Mutter gewesen, hegte eine große Zuneigung zu dem schönen Mädchen und empfing sie mit freundlichen Vorwürfen.

»Aber, mein Kind, wo denkst Du hin? Gestern den ganzen langen Tag nicht auf einen einzigen kleinen Augenblick zu mir herüberzukommen! Hast Du denn Deine alte, gute Tante Smolly ganz vergessen?«

»Ja, Tantchen, Du bist ganz entsetzlich alt! Aber vergessen habe ich Dich trotzdem nicht, sondern mich im Gegentheil recht sehr nach Dir gesehnt. Ich hatte schon am Vormittage für die Abendgesellschaft unendliche Vorbereitungen zu treffen und mußte, denke Dir nur, nach Tische um des garstigen Wilson willen, den Papa so unbegreiflich protegirt, mit spazieren reiten. Konnte ich da kommen? Und dann die langweilige Soiree, die mir unerträglich gewesen wäre, wenn nicht Wilson gefehlt und Tim Summerland so interessant erzählt hätte.«

»Du scheinst diesen Wilson gar nicht gern zu haben?«

»Nein, Tante, noch viel weniger als ungern. Kannst Du Dir denken, warum?«

»Wie sollte ich!«

»Er hat bei Papa angedeutet, daß er nur meinetwegen in Stenton verweile, und dieser forderte mich auf, so freundlich wie möglich gegen ihn zu sein; er beabsichtige ein ganz bedeutendes Unternehmen mit ihm, und wünsche, ihn durch engere Bande an sich zu fesseln. Soll mich das nicht ärgern?«

»Gewiß! So etwas ist allerdings höchst ärgerlich, wenn man sich für den Betreffenden nicht zu interessiren vermag. Aber warte nur, Marga, es kommt schon noch die Zeit, daß - -«

»Daß Du Deine Zimmer vermiethest. Nicht wahr, Tante Smolly, das wolltest Du sagen?«

»Eigentlich nicht, Du Schelm; aber da Du auf dieses Thema kommst, so mußt Du erfahren, daß ich gestern endlich doch vermiethet habe.«

»An einen wahren Gentleman?«

»Ja. Soll ich Dir sagen, wie er heißt?«

»Natürlich. Ich muß doch wissen, wer in Deinem Hause wohnt!«

Die Mulattin schlug den Gedichtband auf und hielt ihr das Titelbild triumphirend entgegen.

»Hier steht sein Name. Lies ihn, aber recht laut!«

»Richard Forster! Tantchen, ist es möglich? Wohnt er bei Dir?«

»Bei mir!« nickte sie mit gewichtiger Miene.

»Aber wie ist das gekommen?« frug das Mädchen, vor freudiger Verwunderung die Hände zusammenschlagend.

»So ganz unerwartet, daß ich einen geradezu unverzeihlichen Fehler gemacht habe, mein Kind. Denke Dir, Tante Smolly ist unhöflich und rücksichtslos gewesen, unhöflich und rücksichtslos zum ersten Male in ihrem Leben, unhöflich und rücksichtslos sogar gegen den wahrsten Gentleman, den es geben kann, gegen Deinen Lieblingsdichter und denjenigen meines seligen Mannes!«

»Das ist doch gar nicht denkbar!«

»Man sollte es meinen, und doch ist es mir passirt. Ich gäbe sehr viel darum, wenn es nicht geschehen wäre! Das war nämlich so: Sarah kommt herein und sagt, daß ein Mann mich zu sprechen wünsche, der ganz zerfetzt und zerrissen gehe und das Aussehen eines ganz gefährlichen Landstreichers habe. Natürlich empfange ich ihn nicht im Parlour, sondern im Vorsaale, finde auch die Worte des Mädchens vollständig gerechtfertigt und bin also höchst verwundert, als er nach meinem Logis fragt. Ich will ihn kurz abweisen, komme jedoch nicht dazu, und erfahre im Laufe des Gesprächs, wer er ist. Denke Dir den entsetzlichen Schreck, den ich bekam. So einen Mann für einen Strolch anzusehen, und auf diese beleidigende Weise zu empfangen. Natürlich suchte ich mein Vergehen schleunigst wieder gut zu machen, aber es ist beinahe zu groß, als daß er es mir verzeihen könnte.«

In diesem Augenblicke erscholl die Glocke, und das Mädchen trat herein.

»Master Forster bringt die Speisekarte, Ma'am. Soll er herein?«

»Natürlich, sofort, stets, wenn er kommt; merke Dir das für immer, Sarah!«

Marga blickte sich um, als suche sie ein Versteck, hinter welchem sie sich verbergen könne; es war zu spät, denn der Angemeldete stand bereits unter der Thür. Ein Freudenblitz zuckte über sein Gesicht, als er sie erblickte, doch faßte er sich schnell.

»Good morning, Myladies,« grüßte er mit jener Feinheit in Blick, Ton und Bewegung, welche nur welterfahrenen Personen eigen ist. »Verzeihung, daß ich mir den Zutritt gestatte!«

»Nicht Verzeihung, sondern Dank schulden wir Euch, Sir. Ihr trefft mich in lieber Gesellschaft«, fuhr Mutter Smolly, ihre junge Freundin vorstellend, fort; »Miß Margareth Olbers, eine ganz besondere Freundin germanischer Poesie.«

»Dann bin ich glücklich, Euch auf einem so herrlichen Gebiete begegnen zu dürfen, Miß,« erwiderte er mit einer gewandten Verbeugung gegen Marga und einem Blicke, in welchem sich neben vollster Hochachtung eine aufrichtige Bewunderung aussprach.

»Eine Begegnung, welche friedfertiger sein dürfte, als die gestrige,« hauchte sie in holder Verlegenheit.

»Wollen wir Frieden schließen?« frug er, ihr unwillkürlich die Hand entgegenstreckend.

»Gern!«

Sie legte ihr wunderbares Händchen in seine Rechte; er zog es an seine Lippen. Bei dieser Berührung flog ein dunkles Karmin über ihr Gesicht, und Beiden war es, als ströme durch die verschlungenen Hände eine magische Gewald [Gewalt] über, welche ihre Herzen in einen seligen Rapport versetzte.

»Ihr habt Euch gestern bereits gesehen?« frug die Mulattin erstaunt.

»Im Vorüberreiten, Mutter Smolly,« erwiderte er, »der [er. Der] mehr als bescheidene Westmann konnte nicht erwarten, daß solche Lippen sich seiner noch erinnerten. [»]Herzlichen Dank dafür, Miß!«

»O«, lächelte Marga, »ein gewisser Tim Summerland hatte sich Mühe gegeben, diese Erinnerung wach zu erhalten!«

»Tim Summerland? Ist er Euch bekannt?«

»Er war gestern am Abend bei uns und unterhielt uns mit der Erzählung seiner Abenteuer, in denen ein tapferer, umsichtiger Jäger dieselbe Stellung einnimmt, wie der Dichter Forster in der germanischen Literatur der Vereinigten Staaten.«

Sie hatte ihre Fassung vollständig wiedergewonnen und sprach mit einer Sicherheit und aufrichtigen Verbindlichkeit, welche ganz ihrer königlichen Gestalt, ihrem edlen Wesen paßte und jeden Gedanken ausschloß, daß ihre Worte dazu bestimmt seien, ein gewöhnliches Compliment oder gar eine wohlfeile Schmeichelei auszusprechen.

Er erhob höflich abwehrend die Hände.

»Der Jäger that, was der einfachste Trapper gethan haben würde, und der Dichter, den zu erwähnen Ihr so gütig wart, weiß nur zu gut, welche Schwächen seine Arbeiten zeigen, weil sein einsames Leben von keinem Strahl der Liebe und des Glückes erwärmt und erleuchtet wurde. Der Vater starb vor seiner Geburt, und der Mutter raubte derselbe Augenblick das Leben, welcher ihm das Dasein gab; kein Schwesterauge bewachte seine Schritte; keine Freundin ist ihm genaht, und dennoch vermag nur zarte, innige Frauenweise die Härten des Mannes zu mildern, und gerade der Dichter bedarf eines Pulses, der mit dem seinen klopft und die Begeisterung in das Herz strömt, ohne welche kein Meisterwerk zu schaffen ist.«

Er wußte selbst nicht, wie er zu diesen Worten kam. Der Augenblick lockte sie seiner innersten Ueberzeugung ab, wie nach der Sage der Gruß der Sonne die Säule zum Ertönen bringt.

»Wer als Dichter so viele Herzen höher schlagen macht, darf versichert sein, daß auch die Beste sich nicht weigern würde, an seinem Glücke theilzunehmen,« antwortete Marga.

Kaum aber hatte sie geendet, so senkten sich ihre zarten, langbewimperten Lider, und eine Gluth schoß über ihre Wangen. In unbeschreiblicher Verlegenheit wurde sie gewahr, was sie gesagt hatte. Was mußte er, der sicher jedes einzelne Wort zu wägen verstand, von ihr denken!

»Wie zum Beispiel wir es thun werden«, verschlimmerte Mutter Smolly die Situation. »Daß mein Mann ein Deutscher war, habe ich bereits gesagt; auch Marga's Mutter stammt aus Germany. Die beiden Verstorbenen waren einander verwandt, auch im Geiste, in allen ihren Anschauungen und Neigungen, und wir sind treue Erben von ihnen.«

»So sprecht Ihr deutsch?« frug Forster das Mädchen.

»Lieber noch als englisch. Ich habe mit Mama fast nie anders gesprochen. Jetzt leider ist mir dieser Genuß seltener gestattet. Mein Vater pflegt keinen Privatverkehr mit Deutschen und spricht selbst nur englisch.«

»So muß ich vielleicht den bereits gehegten Gedanken, mich ihm vorzustellen, sinken lassen. Ich bin im Besitze einiger Werthpapiere, um deren Realisirung ich ihn ersuchen wollte, da er mir als der entgegenkommendste Geschäftsmann Stentons empfohlen wurde.«

»Darf ich bemerken, daß ich von seinem privaten Verkehr sprach? Und die Ausschließung der Deutschen ist nicht die Folge eines Grundsatzes, sondern des bloßen Zufalles.«

»So darf ich diese Vorstellung wagen?«

Sie sah sich in neue Verlegenheit versetzt, denn hinter dieser Frage verbarg sich eine andere, die sie weder bejahen konnte noch verneinen mochte. Es verstand sich ja ganz von selbst, daß eine Einladung die nothwendige Folge einer solchen Vorstellung sein werde.

»Sie wird kein Wagniß sein«, klang es als Antwort, während ihr Blick den Boden suchte.

Er sah, daß er verstanden worden war; daher erfüllte ihn die an sich so unverfängliche Zustimmung mit Entzücken. Gern hätte er die Unterhaltung fortgesetzt, aber er durfte nicht unbescheiden sein, übergab das Speiseregister und empfahl sich dann. Mutter Smolly begleitete ihn hinaus auf den Flur. Als sie zurückkehrte, stemmte sie in komischer Entrüstung die Arme in die Seiten und rief:

»Was soll mir denn das heißen? Begegnet bist Du ihm, und ich habe kein Wort davon erfahren! Das ist straffällig, das muß fürchterlich gerochen werden!«

»Verzeihung, bestes Tantchen, ich hatte noch gar keine Zeit, Dir das interessante Intermezzo zu berichten, obgleich ich nur zu diesem Zwecke herüberkam!«

»Gut, so beichte, aber hübsch ausführlich, das will ich Dir rathen. Komm, setze Dich zu mir auf den Divan! Du sagtest zu ihm: "Eine Begegnung, welche friedfertiger sein dürfte als die gestrige." Euer Zusammentreffen muß also ein sehr feindseliges gewesen sein![«]

Marga erzählte; es war ihrer Rede anzuhören, wie gern sie das that. Das Ereigniß stand noch lebhaft vor ihren Augen, und sie schilderte es in den Farben, welche sie unbewußt aus dem Herzen lieh. Als sie geendet hatte, meinte die Mulattin:

»Das ist ja ein ganz außerordentlicher Mann! Aber so sind diese Deutschen, mild, nachgiebig und duldsam, mehr als jeder Andere, aber nur bis zu einem gewissen Punkte; wird dieser verletzt, so giebt es eine Explosion, der Niemand zu widerstehen vermag. Wilson wird sich die Lehre merken.«

»Und sich rächen. Er ist mir immer mit auffallender Auszeichnung begegnet, dennoch vermuthe ich in ihm einen Charakter, der zur Vorsicht mahnt. Mein Vertrauen könnte er niemals gewinnen.[«]

Unterdessen schritt Forster die Straße dahin und gelangte in das Haus Summerlands, wo er erfuhr, daß die Brüder sich in den Leseklub begeben hätten. Es war die Stunde, in welcher dessen Mitglieder sich in die Morgenblätter vertieften, und Tim war aus Anhänglichkeit für den Advokaten mitgegangen, obgleich es ihm leichter gewesen wäre, einen Bären zu erlegen, als eine Zeile zu buchstabiren. Forster folgte ihnen. Er durchschritt langsam die kleinen Cabinets, in welche sich die einzelnen Leser aus dem Saale, wo störendes Geräusch nicht zu vermeiden war, zurückgezogen hatten.

In einem dieser Zimmer hingen die Statuten des Vereines aus. Er trat vor die eingerahmte Schrift, um einen Punkt zu suchen, der ihn darüber belehrte, ob der Eintritt Fremden gestattet sei. Die dicken Läufer, welche den Fußboden bedeckten, hatten seine Schritte unhörbar gemacht, so daß seine Gegenwart in dem Nebenraume, aus welchem die halblauten Stimmen zweier Männer durch die dünne Portière klangen, unbemerkt blieb. Ohne es zu beabsichtigen, vernahm er jedes Wort ihrer Unterhaltung.

»Well, Sir, Ihr habt mich vollständig überzeugt, daß bei dem Geschäfte ein außerordentlich hoher und sicherer Gewinn zu erzielen ist. Texas hat schon öfters die kräftigsten Versuche gemacht, sich von Mexiko loszusagen, immer aber wurde es durch die Uebermacht der Truppen niedergeworfen. Jetzt ist man in Washington entschlossen, ihm die nachdrücklichste Hilfe zu gewähren, und die Folge wird sein, daß das herrliche, reiche und fruchtbare Land zur Union schwören muß. Ein Strom von Einwanderern wird sich über dasselbe ergießen und der Preis des Bodens sich in kurzer Zeit um das Zwanzig- und Mehrfache steigern. Wer die Mittel besitzt, einige Grants von genugsamer Ausdehnung zu bekommen, kann sich Millionen verdienen. Zwar sind die Eurigen bedeutend, aber wenn Ihr mir gestattet, Master Wilson, eine Summe, welche ich gerade verfügbar habe, beizuschießen, so wird Euer Vortheil nur vergrößert werden.«

»Wie hoch ist sie?«

»Vierzig-, vielleicht auch fünfzig- oder sechzigtausend Dollars, welche ich Euch in guten Wechseln auf Galveston mitgeben werde. Zwar waren mir Eure Verhältnisse bisher unbekannt, aber die Empfehlung, welche Ihr mir von Harris und Thomson, Jefferson City, vorlegtet, genügen [genügt] vollständig, Euch mein ganzes Vertrauen zu erwerben. Wann werdet Ihr reisen?«

»So bald wie möglich. Es ist keine Zeit zu verlieren; die Verhältnisse, mit welcher [welchen] wir rechnen, sind öffentliche, und es sollte mich wundern, wenn nicht auch noch Andere als wir auf die gleiche Speculation verfielen.«

»Dieser Gedanke liegt allerdings nahe. Verfügt Euch mit mir in meine Wohnung, wo wir die Angelegenheit sofort in Ordnung bringen können.«

»Und Eure Tochter, Master Olbers?«

»Ist mir zu lieb, als daß ich mehr als eine Andeutung gegen sie aussprechen sollte. Sie ist vollständig frei, wie ich sicher weiß, und Ihr seid ja ein Gentleman, dem es nicht schwer fallen kann, die Zuneigung eines Mädchens zu erringen. Meine Zustimmung habt Ihr, und das Uebrige ist ganz Eure Sache.«

Sie erhoben sich und verließen den Ort, ohne Forster, welcher hart an der Wand stand, zu bemerken. Es war der dicke Bankier und der Mann, welcher gestern den so wirkungsvollen Faustschlag erhalten hatte. Wilson also war sein Name. Forster dachte an die Gestalt in der Thornische.

»Tom Wilson, der Geliebte von Sarah; er ist's; es ist kein Zweifel möglich! Und sollte ich mich irren, wenn ich ihn für jenen Schurken halte, der die Pfahlmänner anführte? Er trägt sich anders, doch dieses Gesicht ist nicht zu verwechseln, und die Narbe erhöht die Gewißheit. Aber wie kommt er zu der Empfehlung von Harris und Thomson? Er kann während der Zeit unmöglich in Jefferson gewesen sein. Und selbst wenn ich mich in Allem irrte, ein Schelm ist er, wie sein gestriges Verhalten und die Liebschaft beweist, welche er mit der Terzerone unterhält, während er nach der Hand von Marga trachtet. Ich werde ihn entlarven!«

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