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作者:德- Karl May 当前章节:15480 字 更新时间:2026-6-22 20:19

Er durchwanderte die Enfilade der Zimmer weiter und fand bald die Gesuchten. Tim Summerland saß, ihm abgekehrt, am Tische und durchstöberte die Bilder eines illustrirten Journals. Der gestrige Salonanzug war ihm zu unbequem; er hatte ihn mit einer, allerdings neuen, Trapperkleidung vertauscht, doch auf dem Kopf, wirklich, da saß die alte Mütze, die ihres Gleichen suchte. Er hatte sich unmöglich von ihr trennen können.

Forster trat an ihn heran und schlug ihn mit der Hand auf die Schulter. Der Getroffene sprang pfeilschnell in eine kampfbereite Boxerhaltung empor.

»Was schlagt Ihr mich, Master? Wollt Ihr einige gute Stöße sehen?«

Die Veränderung, welche mit dem Aeußeren seines Gefährten vorgegangen war, ließ ihn diesen nicht sofort erkennen.

»Deine Stöße kenne ich, Tim Summerland; behalte sie nur für Dich, alter Junge!«

Der Trapper riß die Augen auf, sprang dann auf ihn zu und warf die Arme um ihn, als wolle er ihn zu Mehl zerdrücken.

»Der Dichter, by god, der Dichter; er ist's, so gewiß wie meine Mütze. Hat sich der Mensch herausgeputzt, daß einem ordentlich die Augen übergehen. Hier Bill, hast Du ihn; fang ihn auf, und quetsche ihn ein wenig in Deine Pranken, denn er ist der beste Freund, den ich habe!«

Er schob ihn dem Bruder zu, welcher ihn mit gleicher Herzlichkeit begrüßte. Der Advokat war einer jener selfmade-men, die sich durch eigene Kraft und mit Ueberwindung der größten Schwierigkeiten aus der Tiefe in eine geachtete Stellung emporzuringen wissen. Er hatte es bis zu einem der berühmtesten Rechtsmänner der Vereinigten Staaten gebracht und sicherlich jeden größeren Rechtsfall von Arkansas und dem umliegenden Gebiete zu verhandeln. Auch ihm war Forster aus der Lektüre von dessen Werken längst bekannt.

»Wenn Ihr nicht bald gekommen wärt, Sir«, meinte Tim, »so hätte ich mich wieder davon gemacht. Es weht hier zwischen den Häusern und Palästen eine Luft, die ich nicht vertragen kann. Jetzt aber muß ich schon noch einige Zeit aushalten.«

An ein Studiren der Zeitungen war nicht mehr zu denken. Der Advokat bot Forster in liebenswürdigster Weise unbeschränkte Gastfreundschaft an; dieser schlug aus und bat nur um die Erlaubniß, seinen Gefährten nach Herzenslust besuchen zu dürfen, konnte sich aber einer darauffolgenden Einladung zum Diner nicht entziehen.

Hierauf verließ man den Klub und trennte sich. Forster schritt dem Bankiershause zu und ließ sich von einem Klerk beim Chef desselben anmelden. Er wurde in das Kabinet geführt, wo Olbers und Wilson noch über ihre Spekulation verhandelten. Beide konnten eine Ueberraschung beim Anblicke des jungen Mannes nicht verbergen; nur äußerte sie sich in verschiedener Art. Wilsons Auge flammte auf, doch wandte er sich schnell ab und trat an das Fenster, um dem Eingetretenen das Studium seiner Züge zu entziehen. Olbers blickte noch einmal auf die Karte in seiner Hand, durch welche die Anmeldung geschehen war.

»Euer Name ist Richard Forster, Sir?«

»Ja. Ich komme, um eine Bitte auszusprechen. Wollt Ihr so freundlich sein, diese Papiere zu prüfen?«

Der Bankier ergriff sie und überflog sie mit einem raschen Blicke.

»Sie sind gut.«

»Ich wünsche einen Theil des Betrages in klingende Münze zu verwandeln, das Uebrige aber hier zu deponiren, um es später bei meiner Abreise in Wechseln zu erheben.«

»Ich stehe gern zu Diensten, Sir! Ist Euch ein Master Summerland bekannt?«

»Tim Summerland wohl? Ich traf mit ihm in dem Llano estacado zusammen und habe ihn soeben hier wieder aufgesucht.«

»So ist auch meine Vermuthung richtig, daß Ihr der Verfasser der poetischen Werke seid, unter denen derselbe Name steht, den Eure Karte zeigt?«

Forster verneigte sich zustimmend.

»So wird es mir ein Vergnügen sein, Euch auch anders als geschäftlich begegnen zu können. Bitte, betrachtet meine Wohnung als die Eurige! Meine Tochter wird sehr erfreut sein, Euch kennen zu lernen.«

»Ich hatte bereits die Ehre, der Miß durch Mutter Smolly, meine Wirthin, vorgestellt zu werden.«

»Ah! Ihr wohnt bei Mutter Smolly? Das ist mir angenehm, denn so sind wir Nachbarn und können uns ohne große Schwierigkeit genießen. Seid Ihr vielleicht für den heutigen Abend bereits engagirt?«

»Nein.«

»So bitte ich um Eure Gegenwart. Wir werden ganz unter uns sein: ich, Marga und dieser Herr, den ich mir erlaube, Euch vorzustellen - - Master Tom Wilson, Plantagenbesitzer in Texas.«

Er hatte jede Erwähnung des gestrigen Ereignisses vermieden. Wilson wandte sich mit einer halben Wendung zurück und machte eine kalte vornehme Verbeugung. Forster erwiderte dieselbe in der frostigsten Weise, die ihm möglich war.

»Ich werde kommen, Sir, wenn es mir gelingt, mich von dem guten Tim zu trennen, der sehr ernsten Beschlag auf mich legen wird.«

»So bringt ihn mit; er wurde gestern bereits bei mir eingeführt und wird mir gern willkommen sein.«

Das war es, was Forster gewünscht hatte. Er wurde von Olbers zum Kassirer begleitet, erhielt das Baargeld und den Depositenschein und verließ das Comptoir.

»Ein verteufelter Schnitzer, den Ihr gestern begangen habt, Master Wilson«, meinte der Bankier, als er wieder in das Kabinet zurückgekehrt war. »Dieser Mann ist kein Anderer als der Jäger, den Ihr attackirtet; er muß eine ganz miserable Ansicht über uns bekommen haben!«

»Ist mir gleich! Ich habe niemals nöthig gehabt, um die Freundschaft eines Reimeschmiedes zu buhlen, und werde das auch hier nicht thun. Daß Ihr ihn für heute Abend eingeladen habt, ist mir nichts weniger als angenehm. Ich glaubte, Marga allein zu haben, um mit ihr ins Reine zu kommen, und nun werden diese beiden Menschen mir die Gelegenheit verderben.«

»Diese Besorgniß ist unnöthig, denn ich werde sie so in Beschlag nehmen, daß Euch vollkommen Freiheit bleibt, Eure Angelegenheit in Ordnung zu bringen. Jetzt nun zu unserer Spekulation zurück!«

Es wurde beschlossen, daß Wilson schon morgen reisen solle. Nachdem der Kontrakt gefertigt und unterzeichnet war, erhielt er die Papiere und verließ das Haus. Bereits hatte er einige Straßen durchschritten, um seine Wohnung zu erreichen, als er Sarah aus einem Laden treten sah. Nach einigen Schritten stand er bei ihr.

»Ich habe sehr nothwendig mit Dir zu sprechen. Willst Du mir heut die Thür zu Deinem Room wieder offen lassen. [lassen?«]

»Wann?«

»Sobald es dunkel ist. Ich komme nur auf einige Augenblicke, kehre aber später wieder.«

»Ich werde den Schlüssel anstecken.«

Er nickte und ging. Bei sich angekommen, zog er die Papiere aus der Tasche und warf sie mit triumphirender Miene auf den Tisch.

»Der Wurf ist gelungen. Fünfzigtausend Dollars in der Tasche; die Nuggets der armen Teufel, die wir in der Todessteppe zum Kukuk schickten, dazu gerechnet, bin ich nun mit den nöthigen Mitteln versehen, den Gentleman zu spielen. Wenn dieser Olbers wüßte, daß die Empfehlung von Harris und Thomson aus meiner eigenen, gewandten Feder stammt! Und doch, wenn ich Marga bekomme, soll er die Summe nicht verlieren und sein ehrliches Theil vom Gewinn erhalten; ich bin ja dann sein einziger Erbe. Spielt mir aber dieser Dichterling einen Streich, so verschwinde ich auf Nimmerwiederkehr. Marga ist eine Venus, eine Göttin, die selbst einen kälteren Mann, als ich bin, verrückt machen könnte[,] aber Sarah, ja, dieses Mädchen ist ein allerliebstes Spielzeug, voll Vertrauen und Opferwilligkeit und so hübsch dazu, daß man sich auf einige Zeit bei ihr für den Verlust der Bankierstochter entschädigen könnte. Ich werde ihr den Wunsch, mit mir gehen zu dürfen, auf jeden Fall erfüllen. Sie muß sich als Knabe verkleiden und für meinen Diener gelten.«

Er ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab und schwelgte in den Gedanken der Genüsse, die ihm bevorstanden.

»Dieser Forster ist ohne allen Zweifel der Schurke, dem ich meine Narbe verdanke. Und er hat mich ebenso gut wieder erkannt, wie ich ihn; das ist aus seiner gestrigen Anspielung auf den Llano estacado und die Nuggets zu ersehen. Er wird sich alle Mühe geben, mir zu schaden, aber es soll ihm nicht gelingen! Ehe ich fortgehe, werde ich Abrechnung mit ihm halten und ihm die beiden Hiebe bezahlen, die er auf mich geführt hat.«

»Und dieser Tim Summerland, der heute mit erscheinen wird«, fuhr er nach einer Pause fort, »ist jedenfalls der andere Mensch, der uns damals die Thiere und einen Theil des Goldes raubte. Ich bin begierig, ob auch er mich erkennen wird. Ich bin auf alle Fälle gesichert. Noch ist keine Anzeige gegen mich erfolgt, und wenn ich ja gezwungen bin, zu verschwinden, so wird man mich doch nur unten in Texas suchen, wo ich durch meine Abwesenheit glänzen werde. Dann, wenn es mir mit Hilfe meines Bruders gelingt, die Grants zu erwerben, so verkaufe ich sie an Ort und Stelle wieder und gehe mit Sarah nach Brasilien. Dort mag sie bei mir sein, bis mir eine Andere besser gefällt!«

Er packte Verschiedenes ein, um die zu seinem Vorhaben nöthigen Einkäufe zu machen. Sobald es dunkel geworden war, begab er sich, in einen weiten Reisemantel gehüllt, unter welchem er ein Packet trug, zum Hause der Mutter Smolly. Er trat sofort ein, stieg zwei Treppen empor und öffnete eine Thür, welche zu einem kleinen Raum führte, der Sarah als Schlafkabinet angewiesen war und alle ihre Habseligkeiten enthielt. Es war vollständig dunkel darin, doch fand er sich sehr gut zurecht.

Nach kurzer Zeit trat das Mädchen ein.

»Bist Du da?« flüsterte sie.

»Ja, mein süßes Herz«, antwortete er, sie umschlingend und an sich drückend. »Ich bin gekommen, Dir eine frohe Botschaft mitzutheilen.«

»Welche?« frug sie, seine Liebkosung stürmisch erwidernd.

»Ich gehe fort. Willst Du mit?«

»O wie gern! Mit Dir gehe ich, wohin Du mich nur immer führest. Wann reisest Du ab?«

»Schon heute.«

»Das ist zu schnell. Ich muß doch Zeit haben, mich vorzubereiten, und auch mit der Herrin sprechen.«

»Du brauchst keine Vorbereitung, denn ich habe bereits für Alles gesorgt. Und der Herrin darfst Du gar nichts sagen, sonst läßt sie Dich nicht fort.«

»Aber sie ist so gut; ich darf doch nicht so undankbar sein und sie heimlich verlassen.«

»So ist sie Dir wohl lieber als ich?« frug er in vorwurfsvollem Ton.

»Wie darfst Du nur so denken! Du bist mir lieber als Alles, was ich kenne, und für Dich will ich alles thun, was Du von mir verlangst. Ich gehe mit, auch heute!«

»Das habe ich nicht anders erwartet, Sarah, und Du wirst es nicht bereuen, denn jetzt erst beginnst Du zu leben und die Genüsse kennen zu lernen, welche Dir hier versagt bleiben würden. Doch nicht als Mädchen darfst Du mich begleiten; das würde uns hindern, in steter Nähe zu verkehren und unser Glück bis zur Neige zu genießen.«

»Nicht als Mädchen! Wie sonst?«

»Als Knabe. Hier in diesem Packet befindet sich alles Erforderliche. Der Anzug wird Dir prächtig stehen.«

»Als Knabe?!« meinte sie, geschmeichelt und erfreut, indem sie sich noch inniger an ihn schmiegte. »O, wie hübsch wird das sein. Ich werde Dein Diener sein und Dich keinen Augenblick allein lassen.«

»Aber ein großes Opfer wirst Du mir bringen müssen, mein liebes Kind.«

»Befiehl nur; es ist mir keins zu groß.«

»Dein Haar, Dein herrliches Harr [Haar] werde ich Dir abschneiden müssen, denn es würde verrathen, daß Du kein Knabe, sondern das schönste Mädchen der Vereinigten Staaten bist.«

»Schneide es nur immer ab. Ich gebe es gern hin für das Glück, von Dir so innig geliebt zu sein.«

»Wie lange mußt Du heute bei Mutter Smolly sein?«

»Bis zehn Uhr, dann bin ich frei.«

»So sorge, daß ich von da an das Haus offen finde, und kleide Dich sorgfältig um, damit ich nicht zu warten brauche. Es wohnt seit gestern ein Master Forster bei Euch?«

»Ja, ein sehr schöner und auch sehr lieber Gentleman.«

»Ah, ich merke, daß es Zeit ist, Dich von hier fortzunehmen. Du mußt auch ihn bedienen?«

»Ja. Seine Zimmer sind mir von der Herrin übergeben worden, und ich führe einen separaten Schlüssel zu ihnen, damit ich während seiner Abwesenheit meine Arbeit verrichten kann.«

»Sorge dafür, daß dieser Schlüssel hier ist, wenn ich komme.«

»Warum? Mußt Du in die Zimmer?« frug sie arglos.

»Ja. Man kann von ihnen hinüber zu Olbers schauen, und ich muß Einiges da drüben beobachten, ehe ich das Haus verlasse. Jetzt aber leb wohl, Sarah, und führe Alles genau aus, was ich Dir gesagt habe!

Nach einer innigen Umarmung stieg er, den Mantel zurücklassend, die Treppen wieder hinab und stand nach einigen Augenblicken wieder in dem Salon des Bankiers.

Er war der erste der Geladenen und fand Marga allein vor.

»Good evening, Miß. Master Olbers hat mir erlaubt, den letzten Abend, der mir für Stenton zugemessen ist, in Eurer Nähe zu verbringen. Darf ich mir einbilden, daß meine Gegenwart Euch nicht unangenehm ist?«

»Die Einbildung ist eine weitverbreitete, aber schlimme Angewohnheit, Sir, und mein Gewissen läßt mir niemals zu, sie zu unterstützen!«

Er zog die Spitze seines Schnurrbartes durch die Zähne und entgegnete:

»Kein Mensch lebt von etwas Anderem, als von dem, was er sich einbildet. Das ganze Dasein ist ein Koulissenspiel, zu dem die Täuschung ihre Lichter spendet. Reichthum und Schönheit, Geist, Macht und Ehre kommen und gehen, und nur der ist glücklich, der den Augenblick ausbeutet. Der jetzige ist einer der schönsten meines Lebens und ich darf ihn nicht vorüberlassen, ohne dies Euch gestanden zu haben.«

Marga wollte antworten, wurde aber ihrer Rede durch den Eintritt des Vaters enthoben. Zugleich mit ihm erschienen Forster und Summerland. Ersterer hatte Letzterem kein Wort über Wilson mitgetheilt; das Verhalten des Gefährten sollte ihm sagen, ob sein Verdacht auch nicht dem kleinsten Irrthume unterworfen sei.

Der Trapper eilte auf das Mädchen zu und ergriff mit einfacher Herzlichkeit ihre Hand.

»Da habt Ihr mich wieder, Miß, und bin ich Euch nicht willkommen, so dürft ihr [Ihr] mich fortjagen, ohne daß ich Euch bös darüber bin!«

»Bleibt nur da, mein lieber Master Summerland; ich sehe Euch herzlich gern!«

Sie reichte auch Forster ihr Händchen entgegen.

»Ein deutsches Willkommen, ohne Kompliment und Phrase, Sir!«

Er wollte sich auf die zarten Finger niederbeugen, fuhr aber auf halbem Wege wieder empor. Neben ihm war ein Wort erklungen, welches für diese Umgebung verpönt sein sollte.

»Zounds, Donnerwetter, wer ist denn das?« Tim Summerland hatte sich von Marga hinweg zu Wilson gewandt und bei dessen Anblick diese Worte ausgestoßen. »Master Forster, seid doch so gut und seht einmal dieser Physiognomie in das Auge! Kennt Ihr ihn?«

»Wer ist es, Tim?«

»Ich will mich auf der Stelle zerhacken und einpökeln lassen, wenn das nicht der Pfahlmann ist, der uns überfiel und dem Ihr später den Tomahawk über den Schädel zogt! Was hat der Mensch bei Euch zu schaffen, Master Olbers?«

Der Bankier kam nicht zur Antwort, Wilson kam ihm zuvor.

»Ist dieser Mann wahnsinnig?« donnerte er. »Noch ein einzig solches Wort, und ich sorge dafür, daß er die Zwangsjacke erhält? [erhält!]«

»Oder Du die Handschellen!« erwiderte der Trapper in demselben Tone. »Hätte ich Dich, Du Bube, an einem anderen Orte gefunden, so wärst Du in fünf Minuten in den Händen des Sheriffs.«

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