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作者:德- Karl May 当前章节:15452 字 更新时间:2026-6-22 20:19

»Genire Dich nicht! Trotzdem Dich Master Olbers geladen hat, soll Dir der Sheriff begreiflich gemacht werden. Da, nimm hin!«

Marga stieß einen Angstruf aus, und der Bankier retirirte in die Ecke des Salons. Wilson hatte die Faust erhoben; er trug bereits die Reisewaffen bei sich; ein Bowiemesser blitzte in seiner Rechten, während die Linke in die Brusttasche fuhr, um den Revolver hervorzunehmen. Aber schon stand Forster hinter ihm, faßte ihn bei den Hüften und schmetterte ihn mit solcher Gewalt an die Flügelthür, daß diese anfsprang [aufsprang] und er in den Korridor stürzte. Ehe noch Jemand bei ihm sein konnte, hatte Wilson sich wieder emporgerafft und sprang die Treppen hinab.

Niemand machte Miene, ihn zu verfolgen. Marga lag auf dem Sopha, und Forster kniete bei ihr. Der Bankier zitterte am ganzen Körper und hielt sich an der Lehne eines Stuhles fest. Tim Summerland war nach dem Tische gesprungen, auf welchem die Wasserflasche stand; die Besorgniß um die liebenswürdige Miß war bei ihm größer als der Wunsch, seinen Feind in die Hände zu bekommen; er wußte ja sicher, daß dieser ihm nicht entgehen werde. Hat der Westmann einmal die Spur seines Gegners gefunden, oder diesen gar, wie hier, gesehen, so ist er niemals um den Erfolg bange.

»Master Summerland, was habt Ihr gethan!« klagte Olbers. »So ein Verdacht war wirklich nichts als Wahnsinn!«

Er erhielt keine Antwort; die beiden Männer waren zu sehr um Marga beschäftigt, als daß sie seine Worte hätten beachten mögen. Diese schlug die Augen auf. Was hatte das sonst mit keinerlei Schwäche behaftete Mädchen ohnmächtig gemacht? Ganz ohne Wollen gab sie in ihren ersten Worten Antwort auf diese Frage. Ihr erster Blick fiel auf Forster.

»Ihr lebt; er hat Euch verwundet?« lispelte sie.

Es durchrieselte ihn bei diesen Worten mit süßem Schauer. War sie nur aus Besorgniß um ihn so schwach gewesen? Er konnte nicht anders, er mußte ihre beiden Hände nehmen und seine Stirn auf einen Augenblick darüber neigen.

»Wir sind alle unverletzt, Miß, und in Besorgniß nur um Euch!«

»O, nun ist Alles gut! Ich sah das Messer blinken und hatte fürchterliche Angst.«

»Die Dir wohl nur ohne Grund bereitet wurde,« fiel ihr Vater ein.

»Ohne Grund, Sir?« rief Summerland beleidigt. »Glaubt Ihr etwa, ich wüßte eine Mirage, eine Savannenspiegelung, nicht von der Wirklichkeit zu unterscheiden? Ich weiß nicht, wie der Kerl sich bei Euch nennt und eingeschlichen hat, aber daß er nicht nur ein Pfahlmann, sondern sogar ihr Hauptmann war, von dem ich Euch gestern erzählte, das ist so sicher wie meine Mütze. Fragt da den Dichter. Der muß ihn gerade so wie ich erkannt haben, und vielleicht traut Ihr ihm mehr als mir!«

Olbers blickte den Genannten fragend an.

»Tim hat die Wahrheit gesagt, Sir,« bestätigte dieser.

»Ich habe ihn gleich gestern erkannt, als ich Euch begegnete. Ihr werdet Euch meiner Antwort erinnern, die von Nuggets und der Todessteppe sprach, und Miß Marga wird mir bezeugen, daß ich sie einer besseren Gesellschaft werth hielt.«

»Beweise, gebt mir Beweise, Gentlemen!«

»Ich glaubte, Sir, der beste Beweis würde in unserm Zeugnisse bestehen; ich bin nicht gewohnt, die Unwahrheit zu behaupten. Doch ich bin auch zu Mehrerem bereit!«

»Verzeiht, wenn ich Euch unwissentlich beleidigte! Ich habe Gründe, Wilson mein volles Vertrauen zu schenken, und Eure Anklage ist so schrecklich, daß ich sie nicht zu fassen vermag. Was wißt Ihr Weiteres?«

»Ihr habt heut mit ihm ein Geschäft abgeschlossen, welches die Erwerbung texanischer Empressarias [Empressarios] betrifft?«

»Woher wißt Ihr das?«

»Und ihm die Erlaubniß ertheilt, sich der Zuneigung von Miß Marga zu versichern?«

»Seid Ihr allwissend?«

»Wenigstens so weit, daß ich der Person dieses Mannes vollständig sicher bin. Er wirbt um Eure Tochter und unterhält zugleich ein zärtliches Verhältniß mit Sarah, dem Dienstmädchen meiner Wirthin. Nun sagt, ob er Eures Vertrauens werth ist!«

»Könnte es möglich sein!«

»Ich selbst habe sie gestern Abend mit meinen guten Augen gesehen, und gleich heut Morgen bat sie mich um Verschwiegenheit. Ist Euch mein Wort genug?«

»Allerdings. Mein Gott, wenn Ihr Euch nicht irren solltet, so droht mir ein ganz ansehnlicher Verlust! Ich habe heut mit ihm kontrahirt und ihm fünfzigtausend Dollars überwiesen.«

»Vielleicht kommt unsre Warnung nicht zu spät. Wißt Ihr genau, daß die Empfehlung von Harris und Thomson, Jefferson City, echt gewesen ist! [ist?]«

»Auch davon seid Ihr unterrichtet? Sie ist echt. Ich habe sie genau geprüft.«

»Aber keine besondere Anfrage gehalten? Ein Mann wie er schreckt vor keiner Fälschung zurück. Wir müssen ihn festnehmen lassen!«

»Seid Ihr wirklich Eurer Sache so gewiß?«

»Ja. Und um Euch Gelegenheit zur Sicherung zu geben, bin ich trotzdem bereit, einige Stunden zu warten. Schickt nach dem Telegraphen; die Antwort wird in Kurzem hier sein und Euch Ueberzeugung bringen.«

»Ihr habt Recht, Sir! Aber ich werde nicht schicken, sondern selbst gehen und die Antwort gleich erwarten. Bei einer so bedeutenden Summe muß ich mich doch zur Vorsicht entschließen.«

»So werde ich gehen und seine Wohnung bewachen; er wird zur Flucht entschlossen sein und darf uns nicht entgehen.«

»Stopp, Master Forster,« fiel hier Summerland ein; »dazu bin ich ebenso der richtige Mann wie Ihr. Bleibt nur hier! Oder wollt Ihr die liebe Miß verlassen, da auch der Vater geht?«

»Ja, bleibt!« bat Olbers. »Marga darf in solchen Verhältnissen nicht ohne Schutz sein!«

Sie gingen. Der Bankier nach dem Telegraphenbureau und Summerland nach der Wohnung Wilsons, die er sich von dem Ersteren bezeichnen ließ.

Der Gesuchte war, als er das Haus verließ, eine Strecke die Straße hinabgeeilt, dann aber dieselbe hinübergegangen und an der anderen Seite zurückgekehrt. Es war noch zu früh, als daß er Sarah in ihrem Raume hätte antreffen können, dennoch aber stieg er hinauf und wartete, bis sie kam. Er war ihr bei der Verwandlung in einen Knaben und beim Einpacken derjenigen Gegenstände, welche sie mitnehmen wollte, behülflich.

»Ist Mutter Smolly noch wach?« fragte er.

»Nein.«

»Und die Hausthür?«

»Ist offen. Außerdem hab ich den Schlüssel hier.[«]

»Auch den für Forsters Zimmer?«

»Ja.«

Er nahm beide und gebot ihr dann:

»Geh jetzt, Sarah; man darf uns nicht beisammen sehen. Oberhalb des Fährhauses in den Weiden erwartest Du mich!«

»Ich folge Dir; aber bitte, komme bald!«

Sie hatten eine Lampe brennen. Sarah sah in ihrem Anzuge wirklich allerliebst aus. Er nahm sie in die Arme und küßte sie wiederholt auf die Lippen.

»Ich komme bald; nun aber geh!«

Als sie fort war, blies er das Licht aus, schloß den Raum ab und schlich sich zur ersten Etage nieder. Dort öffnete er Forsters Entrée, schloß von innen wieder zu und begann, die Zimmer zu untersuchen. Es war dies ohne Lampe recht gut möglich, da das Licht der Gaslaternen durch die Fenster fiel und auch die Kandelaber in Olbers Salon ihren Schein herüberwarfen.

Seine Nachforschung war gleich im Anfang vom Glück begünstigt. Er begann mit der Bibliothek, sah den Schreibtisch, an dessen Schubladen die Schlüssel steckten, und öffnete. Eine geschlossene Brieftasche lag auf einigen Geldrollen in einem der Fächer. Er öffnete sie und trat näher an das Fenster.

»Gefunden! Hier der Depositenschein nebst einigen unvermutheten Wechseln und dort das Baargeld, welches er von Olbers bekam. Ich habe genug und nur mit ihm noch abzurechnen!«

Er verschloß alles wieder und trat dann hinter die Gardinen, um das vis-…-vis zu beobachten. Im Salon waren die Lichter erloschen; an ihrer Stelle brannte in dem Balkonzimmer der untern Etage eine Lampe. Die Personen, welche sich hier befanden, mußten hinter dem Lichte sitzen, da er keine Spur eines Schattens bemerkte.

»Ob er noch drüben ist?«

Seine Frage sollte sofort beantwortet werden. In der Helle des Lichtes erschien Marga und hinter ihr Forster. Sie traten heraus auf den Balkon und stützten sich hart neben einander auf das Geländer desselben. Sie schienen nach Jemanden auszuschauen.

»Teufel, wie vertraut sie sind, so allein, so nahe! Da, bei Gott, er legt den Arm an ihre Taille, leise zwar und verzagt, aber doch. Und sie leidet es! Ist's so gemeint? Komm heim, Bube. Hast Du zu viel Feuer in den Adern, so soll Dir geholfen werden. Ich werde Dich ein wenig schröpfen! - Wer ist der dicke Mensch, der dort gelaufen kommt? Wahrhaftig Olbers! Wo ist er gewesen? Auf der Polizei? Und wo steckt dieser armselige Tim Summerland, der sich nicht sehen läßt? Jetzt treten sie zurück!«

In dem Balkonzimmer mußte jetzt ein lebhaftes Gespräch stattfinden; die Schatten zeigten eine ungewöhnliche Lebhaftigkeit. Dann verließen Olbers und Forster das Haus; der eine schritt dem Innern der Stadt zu, der andere ging in der Richtung fort, in welcher Wilsons Wohnung lag.

»Was haben sie vor? Jedenfalls meine Verfolgung. Sie sollen sich verrechnen!«

Es verging eine beträchtliche Zeit, ehe sich einer der Genannten wieder sehen ließ. Da kam ein Fiaker, hielt vor dem Hause drüben an und lenkte dann herüber. Forster war ausgestiegen. Er verschwand in dem Bankierhause, verließ dasselbe aber bald wieder und schritt über die Straße herüber.

»Er kommt. Nun ist es Zeit!«

Er bog sich nieder und kroch unter den Schreibtisch. Draußen wurde die Thür aufgeschlossen; Forster trat ein und setzte die Lampe in Brand. Er zog die Wäsche hervor, öffnete den Kleidersekretair und ging ans Einpacken.

Die Abwesenheit Olbers und Summerlands hatte ihm selige Augenblicke ermöglicht. Marga war vom Divan aufgestanden und auf ihn zugetreten, um ihn zu fragen:

»Ist wirklich keine Täuschung möglich, Sir?«

»Nein. Er selbst hat ja durch sein Verhalten den Beweis geliefert, daß wir uns nicht irrten. Wer in einer solchen Lage keine andere Vertheidigung kennt, als durch Messer und Revolver, muß sich seiner Schuld bewußt sein. Und durch seine Flucht hat er den Beweis vollständig besiegelt.«

»Welch ein Mensch! Und in so gefährlicher Nähe haben wir uns so lange befunden, ohne alle Ahnung des Schlimmen, was uns drohte! Dieses Messer, es war fürchterlich!«

Die Erinnerung an die blitzende Klinge hatte beinahe dieselbe Wirkung wie der furchtbare Augenblick selbst. Sie wankte, suchte mit der Hand eine Stütze und fand dieselbe nicht. Er trat näher und hielt sie mit seinem Arme aufrecht. Sie sank mit ihrem Köpfchen an seine Schulter und schloß die Augen. Er legte den Arm fester um sie und bog sich zu ihrem erbleichten Gesicht herab. Alle Pulse, alle Fasern klopften und bebten in ihm.

»Miß Marga!«

Es war ein wunderbar seliger Ton, in welchem diese beiden Worte erklangen. Ihre volle, weiche Gestalt zuckte leise zusammen; ihre Lider öffneten sich, und mit unbeschreiblichem Ausdrucke traf ihr Blick seine nahen, vor Glück strahlenden Augen.

»So möchte ich Euch halten und stützen jetzt und immerdar, so lange ein Gedanke mich bewegt und ein Hauch des Lebens in mir wohnt!

Er wagte es nicht, die Hohe, Reine inniger zu umschlingen; eine solche Bewegung dünkte ihm der unverzeihlichste Verrath an dem Vertrauen, mit welchem sie sich an ihn lehnte. Sie hatte die Augen wieder geschlossen; die Blässe ihres Gesichtes wich; es röthete sich vom zartesten Ton bis zum tiefsten Purpur. Die Schwäche war verschwunden; sie bedurfte der Stütze nicht mehr, und dennoch verweilte sie regungslos in ihrer jetzigen Stellung, und ein wonniges Lächeln kämpfte mit dem Zuge holder Scham, der von den zarten Schläfen niederstieg. Da ergriff er ihre beiden Hände und geleitete sie zu dem Divan zurück. Dort ließ er sie sanft in das sammtene Polster gleiten und nahm an ihrer Seite Platz. Noch immer lag ihr Kopf an seiner Schulter; er strich ihr mit der Hand liebkosend über die glänzende, weiche Lockenfülle und ward nicht müde, ihre königliche Gestalt und ihre bezaubernden Züge mit einem Auge zu umfassen.

So saßen sie lange, lange an einander. Keines sprach ein Wort; es hätte wie eine Entweihung heiliger Herzenssabbathstille geklungen; aber Beide wußten, daß ihre Seelen sich zu eigen seien von nun an und für alle Zeit.

Da endlich rang sich ihr Blick in süßer Verwirrung unter den langsam sich hebenden Wimpern hervor, und zaghaft leise erklang es:

»Papa muß bald kommen!«

»Verzeihung, Marga! Die Wonne mißt nie den Augenblick; ich hatte ihn vergessen.«

»Könntet Ihr doch auch das Gestern so vergessen!«

»Nie, niemals werde ich dies vermögen, denn gestern ging der Stern mir auf, deß Strahl den Reichthum einer heiß ersehnten Welt erschließt. Darf er mir auch ferner leuchten?«

»Dem Dichter glänzen Sterne, die kein Anderer kennt; ein Strahl des irdischen Himmels darf sich nicht zu ihm verirren!«

»Und doch würde er eine solche Verirrung mit tausend Leben bezahlen, wenn sie ihm zur Verfügung ständen. Marga, sei mein Strahl, mein Licht, mein Stern; ich will nur Dich, nur Dich und entsage allen Sonnen, die neben Dir und um Dich kreisen!«

Sie schnellte empor, als wolle sie ihm entfliehen.

»Marga verzeiht! Ich werde gehen!«

Auch er erhob sich. Schon war sie fern von ihm; sein Wort zog sie zurück. Sie wandte sich, eilte auf ihn zu und ergriff seine Hände.

»Ich bin für Euch zu arm, zu klein und gering; ich darf die Strophen lesen, die Ihr schreibt, und mich von ihrem Geist erheben, von ihrer Schönheit bezaubern lassen; doch das Recht an Eurer Schöpfung, an Eurem Ruhm, welches die Liebe giebt, ist mir versagt![«]

Sie fühlte seine Hände erkalten.

»So fahre er hin, dieser Ruhm! Ich werfe ihn von mir und entsage Allem außer der Erinnerung an den schönen Traum, aus dem ich jetzt erwache. Fare well, Hoffnung, Glück und Stern; der Dichter stirbt; der Jäger aber verschwindet im Westen wie das Licht, dem die finstere Nacht zu folgen hat!«

Er zog seine Hände aus den Ihrigen und schritt der Thüre zu. Sie stand unbeweglich, bis er durch dieselbe verschwunden war. Da aber kam doppeltes Leben über sie.

»Richard!«

Er konnte den Angstruf unmöglich hören. Sie eilte ihm nach und erreichte ihn an der untern Treppe.

»Nicht so, nicht so!« stieß sie hervor. Ihre Hand, welche die Korridorlampe ergriff, bebte, daß der Cylinder erklang. »Ihr dürft den Posten, auf welchen Papa Euch stellte, nicht verlassen, bis er zurückkehrt. Kommt, laßt uns ihn erwarten!«

Er sah ihre Aufregung, ihre Bangigkeit und konnte nicht anders, er mußte ihr folgen. Sie trat in das Balkonzimmer, nachdem sie den Befehl ertheilt hatte, die Flammen des Salons zu verlöschen.

»Warum wolltet Ihr gehen, Sir! Ich hatte Euch noch so viel zu bitten.«

»Sprecht, Miß!«

»Ihr dürft nicht dem Leben entsagen; Ihr sollt den Ruhm festhalten und vergrößern. [vergrößern,] den Ihr Euch erworben habt!«

»Der Ruhm ist kalt; kein Lorbeer wärmt, wenn das Herz erstarren will. Soll es leben, so braucht es Liebe, nichts als Liebe!«

Sie faltete die Hände über die Brust und blickte zu Boden.

»Liebe! Ich habe sie nie gekannt, denn Kindesliebe ist nicht die, welche Ihr meint. Das Frauenherz ist weich und kennt kein anderes Gefühl; aber kann sie auch das Herz des Mannes in so kurzer Zeit sich unterthänig machen?«

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