饭饭TXT > 海外名作 > 《Der Pfahlmann》作者:[德] Karl May【完结】 > Der Pfahlmann - Karl May.txt

第 9 页

作者:德- Karl May 当前章节:15451 字 更新时间:2026-6-22 20:19

Die Voraussetzung des Kapitäns ging in Erfüllung. Nach nicht viel mehr als zwei Stunden warf die »Union« zwischen der von Meereswogen umspielten Felsenfeste San-Juan de Ullao und der alten Stadt Vera Kruz die Anker. Die beiden Passagiere nahmen vom Kapitän Abschied, ließen sich nach der breiten Hafentreppe rudern, stiegen dieselbe empor und schritten über den mit Menschen angefüllten Platz dem Zollgebäude zu.

Nachdem sie dort ihre Obliegenheiten erfüllt hatten, erfuhren sie, daß die Post schon in kurzer Zeit abgehe, und verließen mit derselben die ungesunde baumlose Sandebene der Küste, um sich nach der alten Kaiserstadt Mexiko zu begeben. Schon am Nachmittage des folgenden Tages warfen sie den ersten Blick von den Bergen, welche das Thal und den prächtigen See von Tenochtitlan umschließen, auf die schöne Stadt, rollten zu derselben hinunter und wurden von dem Rosselenker vor einem der ersten Hotels abgeliefert, dessen Wirt sich über die exquisite Kopfbedeckung Summerlands zwar zu verwundern schien, die Herren aber mit großer Höflichkeit empfing.

Sie mußten für heute hier bleiben, um sich von der unbequemen Fahrt auszuruhen und eine Gelegenheit nach Morelia abwarten. Es nahte die Dämmerung, jene Zeit, in welcher die Bevölkerung der Hauptstadt sich auf dem beliebtesten Vergnügungsort Mexikos zu ergehen pflegt. Es war immerhin der möglichste Fall, daß Wilson in Mexiko sein konnte. Er hatte einen Vorsprung von nur einem Tage, und dann war anzunehmen, daß er jetzt diesen Ort, die Alameda, auch besuchen werde. Sie beschlossen daher, sich getrennt dahin zu begeben, um nach ihm zu forschen.

Summerland ging zuerst. Forster wußte, daß er der vornehmen und schönen Welt der Stadt begegnen werde, und machte sorgfältige Toilete [Toilette]. Er hatte von dem Hotel nicht weit bis zu dem Gitterthore dieser öffentlichen, mit Parkanlagen, Springbrunnen und Ruheplätzen versehenen Promenade, und war gleich beim Eintritte überrascht von dem prächtigen Schauspiele, welches sich ihm bot.

Die Großen und Reichen Mexiko's durchschritten lustwandelnd die sauberen Wege der Alameda, und die reichen, strahlenden Toiletten der Damen zeugten genugsam von dem Luxus, an welchen sich die Nachkommen der spanischen Eroberer gewöhnt hatten. In Seide rauschend, von luftigen Spitzengewändern umwogt, mit der reizenden malerischen Basquina angethan und mit Diamanten und Perlen geschmückt, promenirten die schönen Frauen und Mädchen, theils nach altem Brauche verhüllt, theils auch mit offenem Visir, und dann enthüllten die zurückgeworfenen Mantillen den ganzen Zauber ihres reichsten Schmuckes, ihrer funkensprühenden schwarzen Augen. Elastisch und leicht wiegten sie sich auf ihren wunderbar zierlichen Füßen; geschmeidig war jede Bewegung ihres Körpers, und das Fächerspiel, in welchem diese Damen die höchste Virtuosität besitzen, entfaltete seine größte Beredsamkeit. Wie ein Gewinde von Blumen des sonnendurchglühten Tropenlandes schwebte der Strom dieser reizenden Neuspanierinnen durch den Park, und zwischen ihnen hervor prunkten die reichen Uniformen der Militärs und die minder strahlende Tracht der nicht militärischen Stände. Je mehr die Sonne sich zu den westlichen Gebirgen herniedersenkte, je feuriger im Süden die eisigen Spitzen der beiden Vulkane erglühten, desto größer und zahlreicher wurde die Menge, die sich hier spazierend bewegte oder auf den Ruheplätzen niedergelassen hatte. Sie sind reizend und schön, diese Mexikanerinnen, intrigant und untreu in der Ehe, wild und unbändig in ihrer Leidenschaft, sei es in Liebe, sei es in Haß, und wehe dem, welcher ihrer Gluth mit kalter Ruhe begegnet oder sich eines Treubruches schuldig macht; dann scheuen ihre kleinen, weißen Hände nicht vor dem Dolche zurück, und sie wissen ihn so sicher zu führen, daß er sein Ziel fast niemals verfehlt.

Forster wanderte langsam unter ihnen dahin und musterte jeden Begegnenden, denn eine innere Stimme sagte ihm, daß er die Reise nicht umsonst gemacht habe. Er mußte bemerken, welches Aufsehen seine prächtige, in vornehmer Nonchalance dahinschreitende Gestalt hervorrief. Hunderte von Augen blieben an ihm hängen, und ebenso viele Fächer versuchten, ihre Sprache an ihn zu richten. Er mußte an das reine, heilige Wesen denken, welches er in Stenton zurückgelassen hatte, und glitt mit gleichgültigem Blicke über diese Aufmerksamkeit hin.

Eine außerordentlich reich und vornehm gekleidete Dame begegnete ihm am Arme eines viel älteren, jedenfalls den höhern Ständen angehörenden Herrn. Sie war eine Schönheit, wie man sie nur selten zu finden vermag, und warf im Vorüberschreiten einen langen, vielsagenden Blick auf ihn. Eine Minute später kehrte er am Ende des Weges wieder um und hatte noch keinen großen Theil der Promenade wieder zurückgelegt, so erblickte er sie wieder. Auch sie hatte sich gewandt. In seiner Nähe hielt sie den Fächer, von ihrem Begleiter unbemerkt, küssend an die Lippen und traf ihn mit der ganzen Gluth ihres großen, wie aus verborgenen Tiefen hervorleuchtenden Auges.

Wie durch Zufall entfiel der Fächer ihrer Hand. Forster hob ihn auf und überreichte ihr ihn. Er war von außerordentlich feiner Arbeit und reich mit kostbaren Steinen geschmückt. Sie nahm ihn und berührte dabei mit ihren kleinen Fingern seine Hand.

»Dank, Sennor! Seid Ihr ein Fremder, da Ihr so allein promenirt?«

Er verbeugte sich zustimmend gegen sie und ihren Begleiter, welcher diese Bewegung mit vornehmer Zurückhaltung erwiderte.

»So ist es, Donna«, antwortete er im reinsten Spanisch.

»Und wie findet Ihr Mexiko?«

»Es ist die Heimath der Feen, das Land der Seligkeit, von welchem die Dichter erzählen, daß keiner zurückkehre und Jeder verloren sei, der seine Grenzen einmal überschreite.«

»So seid Ihr auch verloren?«

»Ich bin gefeit von einer mächtigen Zauberin!« lächelte er, sich tief verneigend, und trat zurück.

Ein unbeschreiblicher Blick traf ihn, in welchem die Bewunderung mit dem Zorn über den Etikettenfehler rang, den er durch die Abbrechung des durch List herbeigeführten Gespräches begangen hatte. Dann rauschte sie davon.

Er verließ den Platz nicht eher, als bis dieser sich beinahe entleert hatte und er nun sicher war, daß der Gesuchte nicht hier gewesen sei. Um einige Straßen der Stadt im Lichte des Abends zu betrachten, kehrte er nicht zurück nach dem Hotel, sondern schlug einen Umweg ein, der ihn nach dem Innern des Häusermeeres führte. Schon war er, sich die verschiedene, oft wirklich schöne, oft auch bizarre Architektur der Häuser betrachtend, einige Straßen vorwärts gekommen, als sein Blick ein schmales Gebäude streifte, und an einem der oberen Fenster haften blieb. Es war geöffnet, und ein unverhüllter Frauenkopf blickte aus ihm auf die Straße herab. Er zog sich unter das Thor, an welchem er eben vorüberschreiten wollte, zurück und verwandte kein Auge von dem Gesichte, welches er mit größter Deutlichkeit erkannte.

»Welch ein Zufall! Sarah, die Terzerone! Wo die ist, muß auch Wilson sein!«

Er wartete, bis der Kopf sich zurückgezogen hatte, und trat dann in das Haus. Seinem Aeußeren nach konnte es nur von gewöhnlichen Leuten bewohnt sein, und er brauchte also keine große Rücksicht zu nehmen, sondern trat sofort in das Zimmer, welches das Parterre enthielt. Es war ziemlich ärmlich, aber sauber ausgestattet. Eine alte Frau erhob sich aus dem Sessel, in welchem sie halb schlummernd geruht hatte.

»Verzeiht, Matrina, daß ich Euch störe. Nicht wahr, hier über Euch wohnt Don Carlo Piscaldo, den ich suche?«

Er hatte den ersten, besten Namen gewählt, der ihm eingefallen war.

»Don Carlo Piscaldo, Sennor? Nein, der wohnt nicht hier, hat auch nie bei mir gewohnt. Meine Zimmer gehören einem Don Tomasio, der mit seinem Weibchen erst gestern hier angekommen ist und Mexiko auch gleich wieder auf einige Tage verlassen hat.«

»Das stimmt; es muß also nur eine Namensverwechselung vorliegen. Dank, Matrina, ich muß die Donna sprechen!«

Er verließ die Stube, stieg die schmale Treppe empor und klopfte. Ein leiser Ruf erklang und er trat ein.

Sie war's! Das Auge auf die Thür gerichtet, erkannte sie ihn sofort, wie der Schreck zeigte, welcher ihr Gesicht trotz seines dunklen Teints erbleichen ließ.

»Mylord Forster!« rief sie, mit den Händen den Tisch erfassend, an welchem sie stand.

»Ich bin es, Sarah! Warum erschrickst Du?«

»Ich - ich - erschrak nicht. Es - es war nur die Freude!«

»Wirklich? So erlaube, daß ich mich setze. Wo ist Master Wilson, der sich hier Tomasio nennt?«

»Nach Morelia zu seinem Bruder.«

»Wann kommt er zurück?«

Ihr ungewisser Blick suchte in seinem Gesichte zu lesen.

»Sarah, die Wahrheit!« gebot er ernst.

»In vier oder fünf Tagen.«

»Was thut er dort?«

»Ich weiß es nicht.«

»Wo hat er seine Effekten?«

»Hier.«

»Briefe und sonstige Schreibereien?«

»Auch hier.«

»Zeig einmal her!«

»Das darf ich nicht, Sir. Er hat sie eingeschlossen, denn auch ich darf sie nicht sehen.«

»Wo sind sie?«

»Hier in der Komode.«

»Schön; so helfe ich mir selbst!«

Er ergriff den Kaminhaken, stemmte ihn in die Fuge des Kastens, und sprengte das Schloß auf. Sie wagte nicht, Widerstand zu leisten, und versuchte auch kein Wort der Einwendung mehr. Tief unter der Wäsche versteckt, fand er eine Brieftasche und ein zusammengebundenes Packet mit allerlei Skripturen. Er öffnete die Erstere; ein triumphirendes Lächeln flog über sein Gesicht; sie enthielt seinen Depositenschein, die gestohlenen Wechsel und Olbers' sämmtliche Anweisungen im Werthe von fünfzigtausend Dollars. Wilson hatte sich doch nicht sicher gewußt, und die Verwerthung bis später aufgeschoben. Er nahm die Brieftasche zu sich und öffnete dann das Packet.

Es enthielt in Schriftübungen und einer kleinen Monogramm- und Stempelsammlung den sichern Beweis, daß der Besitzer sich sehr eingehend mit Fälschungen beschäftigt habe. Auch einige Briefe waren dabei. Er öffnete die Bogen und überflog ihren Inhalt. Der letzte zeigte ein neues Datum und schien Forsters ganze Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen.

Als er ihn gelesen hatte, legte er die übrigen Papiere wieder an ihre Stelle zurück und frug, den Brief in die Tasche schiebend:

»Hat er zu Dir von dem Grafen Hernano gesprochen?«

»Kein Wort.«

»Du sagtest mir in Stenton, daß er viel Goldstaub und Nuggets besitze?«

»Er hat in New-Orleans Einiges davon verkauft; das Andere befindet sich im untern Kasten.«

Auch dieser wurde aufgesprengt. Er enthielt mehrere schwere Beutel, die einen nicht geringen Werth repräsentirten.

»Alles geraubt. Er soll auch nicht ein Körnchen davon behalten!«

»Geraubt?« frug sie erschrocken. »Nein, das hat Tom nicht gethan!«

»Er hat es gethan, Sarah: Master Olbers fünfzigtausend Dollars, mir mehrere Tausend und dieses Gold von Goldgräbern, die er ermordet hat.«

»Ermordet? Mein Gott, Sir, ich höre wohl nicht recht!«

»Du hörst sehr recht. Er ist ein Mörder, Räuber und Fälscher und aus Stenton bei Nacht und Nebel entflohen, weil die Polizei ihn suchte. Die Narbe hat er nicht von einem Indianer, sondern von mir. Ich traf ihn in der wilden Prairie mitten unter Mördern und gab ihm den Hieb, von welchem die Narbe stammt.«

»Nein, nein, das ist nicht möglich, Mylord Forster!«

Sie warf sich auf das Sopha und bedeckte das Gesicht mit den Händen. Er beschloß, den sichersten Trumpf auszugeben.

»Nicht blos das, sondern noch viel mehr. Auch Dich hat er betrogen.«

»Mich? Niemals!«

»Er hat, während er zu Dir ging, um die Hand von Miß Marga angehalten. Ich selbst habe dabei gestanden; es war am Tage seiner Flucht.«

Sie sprang empor. Ihr Auge blitzte.

»Ist's wahr, Sir? Könnt Ihr es beschwören?«

»Ja, Sarah! Er hat Dich nur mitgenommen, um Dich später treulos zu verlassen.«

»Der Bube!«

Ihr südliches Naturell begann, sich im Zorn zu offenbaren.

»Er hat keine Plantage, keinen Fuß breit Land in Texas; er lebt nur vom Verbrechen und wird auch Dich ins Verderben führen.«

»Mich, Mylord Forster? Nein, das wird er nicht!« Sie ballte die kleinen Fäuste. »Ich habe ihn lieb gehabt wie mein Leben; aber ich glaube Euch; er hat Miß Marga gewollt und nun ist meine Liebe hin. Sobald er zurückkehrt, werde - - -«

»Er kehrt nicht zurück zu Dir, Sarah, denn Du wirst sofort mit mir das Haus verlassen.«

»Das darf ich nicht, denn er hat mir streng befohlen, daheim zu bleiben, bis er kommt.«

Er lächelte.

»Du scheinst Deine Lage nicht zu begreifen! Daß Du Mutter Smolly ohne ihre Erlaubniß verlassen hast, will ich nicht verurtheilen; es war Undank, aber kein Verbrechen. Aber, Sarah, Du bist mit einem Raubmörder geflohen und hast ihn in seinem Thun unterstützt, bist also vor dem Gesetz seine Mitschuldige - verstehst Du nun, weshalb Du mit mir gehen mußt? Als meine Gefangene!«

»Gefangene?« schrie sie. »Ich habe nicht das Geringste verbrochen!«

»Und mein Geld, das er mir raubte, ehe er Stenton verließ? Ich traf ihn in meinem Zimmer; er wollte mich mit dem Messer tödten, brachte mir aber nur zwei Wunden bei und entkam.«

»Ist das wahr? Er verlangte Euren Schlüssel, weil er von Eurem Zimmer aus etwas in Olbers Haus beobachten wollte.«

»Der Schlüssel war Dir anvertraut und gehörte nicht in seine Hände. Er hat mich beraubt und verwundet.« Er streifte den Aermel seines Rockes empor. »Sieh hier den Schnitt und den Stich; Du bist Mitschuldige an dem Raube und Mordversuch.«

Sie erbleichte so tief, als es bei der Farbe ihrer Haut möglich war, und stierte ihn wie geistesabwesend an. Erst nach einer langen Pause vermochte sie, Worte zu finden.

»Das ist ja entsetzlich, Sir; das ist ganz fürchterlich! O Gott, hätte ich ihm doch nie geglaubt, hätte ich doch Mutter Smolly nie verlassen? Giebt es keine Rettung für mich, Sir?«

»Vielleicht, wenn Du mir Alles aufrichtig mittheilst!«

»Ich werde es thun, Mylord Forster. Fragt; ich will auf Alles Antwort geben.«

Er stellte ein eingehendes Verhör an und erfuhr, was zu wissen nöthig war. Er fühlte inniges Mitleid mit der Verführten, die keine andere Schuld als ihre Liebe trug.

»Willst Du mir gehorchen, Sarah, so kann noch Alles gut werden!«

»Befehlt nur, Sir! Ihr werdet sehen, daß ich auch das Schwerste thue.«

»So packe ein, was Dir gehört. Du gehst mit mir.«

Mit zitternder Hast suchte sie ihre wenigen Habseligkeiten zusammen. Er nahm alle Werthsachen Wilsons an sich und verließ heimlich mit ihr das Haus. Die Wirthin durfte nicht in den Stand gesetzt werden, irgend welche Auskunft zu ertheilen. Das Hotel war bald erreicht, und der schon längst zurückgekehrte Summerland erstaunte nicht wenig, als er das Mädchen bemerkte. Forster erzählte ihm Alles, nachdem er für ein Zimmer gesorgt hatte, in welches Sarah sich zurückziehen mußte.

»Warum?«

»Diese Gegend ist seit einiger Zeit verrufen durch die Braveros, (* Räuber.) welche dort herumlungern und Niemanden ungeschoren vorüberlassen. Erst vor acht Tagen haben sie eine ganze Mula (* Maulthierkarawane.) überfallen und die Reisenden niedergemacht. Santa Maria, was half es, daß man Reiter gegen sie schickte! Sie haben sich zurückgezogen und werden es in Kurzem noch schlimmer treiben als vorher.«

目录
设置
设置
阅读主题
字体风格
雅黑 宋体 楷书 卡通
字体大小
适中 偏大 超大
保存设置
恢复默认
手机
手机阅读
扫码获取链接,使用浏览器打开
书架同步,随时随地,手机阅读
首 页 < 上一章 章节列表 下一章 > 尾 页